14. Tag (31. Oktober 2008)

Was für ein Tag! Eigentlich wollte ich heute raften gehen, jedoch konnten nicht genügend Mitstreiter gefunden werden, um die Raft mit ausreichend Leuten zu besetzen, weshalb es nicht stattfinden konnte. Infolgedessen habe ich mich zu einer Kajakfahrt überreden lassen, vor der ich ziemlich Respekt habe. Das sei alles gar kein Problem, wurde mir versichert. Der Fluss hätte nur Kategorie drei was einer mittleren Schwierigkeit gleichkommt. Zudem hätten sie für Anfänger ein spezielles Kajak, welches mehr Stabilität besitzt, so dass es auf jeden Fall funktionieren wird.

Nun gut, so sind wir am Morgen aufgebrochen und haben zuerst die Kajaks auf der Ladefläche des Pickups verstaut. Zuvor hatte ich mich mit Sonnencreme präpariert und mich entschieden, eine lange Hose zu tragen. Nach einer Autofahrt von über einer halben Stunde kamen wir am Rio Jatunyacu an. Na ja, schließlich soll es auch ca. 25 km den Fluss hinuntergehen. Nachdem wir das Auto abgestellt hatten und ausgestiegen waren, riskierte ich einen Blick auf den Fluss. Mein Respekt wurde augenblicklich größer! Ich sah riesige Stromschnellen, die den ganzen Verlauf des Flusses dominierten, soweit man ihn von hier aus sehen konnte. Nun ja, wir tragen die Kajaks zum Ufer, ich ziehe ein Neopren-Shirt über und lege Schwimmweste und Helm an. Nachdem ich das Kajak bestiegen hatte und in den stehenden Gewässern ein bisschen herumgepaddelt war, fühle ich mich recht wohl. Dann erklärt mir mein Guide, wie ich mich zu verhalten hatte, wenn ich kentere. Um zu prüfen ob ich es verstanden habe, fordert er mich gleich auf, ins Wasser zu kippen und mich vom Kajak zu lösen.

Nach dieser erfolgreich bestandenen Prüfung ging es los. Mein Guide paddelt voraus, ich folge und unser Sicherheitskajakfahrer folgt. Wie ich bereits vom Ufer aus erkannt hatte beginnt meine erste Kajakfahrt gleich mit der längsten Passage von Stromschnellen auf dem ganzen Abschnitt des Flusses, den wir heute vor uns haben. Ich kämpfe mich durch, paddle und kann alle Widrigkeiten gut überstehen, jedoch als das Wasser ruhiger wurde und ich schon dachte, es überstanden zu haben, kippte ich nach links und lag auch schon im Wasser, was eine überraschend frische, angenehme Abkühlung war und bei meinen beiden Begleitern zu allgemeinem Schmunzeln führte.

Als ich wieder auf den Kajak war, trieben wir entspannt auf dem nun ruhig fließenden Wasser bis zur nächsten Stromschnelle dahin. Diese meisterte ich ebenfalls sehr gut und auch die nächste und die darauf folgende. Die sechste Stromschnelle war die größte mit dem am schnellsten fließenden Wasser und den höchsten Wellen. Ich steuerte also wie besprochen mitten hinein. Durch Paddelschläge versuchte ich dauernd, das Kajak gerade zu halten. So ritt ich die einzelnen Wellen dieser Stromschnellen ab. Jedes Mal, wenn wieder eine neue Welle auf mich zukam, spritzte das Wasser und mit der Zeit hatte ich immer mehr Spaß dabei. Anschließend machten wir auf einer Sandbank eine Pause und ich spürte wie intensiv Kajakfahren für die Muskeln ist. Wir spielten ein bisschen Frisbee und nahmen anschließend den nächsten Abschnitt in Angriff. Es machte mir immer mehr Spaß, weil ich zunehmend die Stromschnellen locker abreiten konnte. Ich fühlte mich wie ein Cowboy, der sich beim Rodeo oben halten kann. Darüber hinaus konnte ich auch immer mehr die Landschaft betrachten, durch die wir mit dem Strom gleiten. Wir befinden uns wirklich in der Wildnis. Am Ufer deutet nichts auf eine Zivilisation hin, abgesehen von den vereinzelten Goldwäschern, die mit ihren Schüsseln am Ufer ihr Glück suchen. Das Ufer auf beiden Seiten ist tropisch grün, und im Hintergrund türmen sich die Wolken über den mächtigen Ost-Kordilleren der Anden auf. Die Wolken von heute Morgen haben sich verzogen, und die Sonne strahlt vom Himmel. Zwischendurch machen wir noch einen weiteren Stopp zum Mittagessen und gehen anschließend den letzten Teil der Strecke an. Nun genieße ich es in vollen Zügen, denn die nun folgenden Stromschnellen sind nicht mehr so groß wie heute Morgen und die Abschnitte, auf denen man sich dazwischen treiben lassen, den Tag und die Landschaft genießen kann, wesentlich länger.

Als wir am späten Nachmittag fast die Ausstiegsstelle und damit das Ende unserer Kajaktour erreicht haben, schleichen sich die beiden an mein Kajak heran und bevor ich begreife, was sie vorhaben, liege ich auch schon im Wasser. Nach zwei Dutzend überstanden Stromschnellen konnte es nicht sein, dass der Anfänger ohne Erfrischung die Fahrt beendet. Es war herrlich, sich im Wasser treiben zu lassen bis ich auf die nächste Stromschnelle hingewiesen wurde. Ich klettere wieder in mein Kajak und suchte nun regelrecht die letzten großen Wellen. Danach war es endgültig zu Ende. Ein klasse Tag auf dem Rio Jatunyacu im Amazonas Regenwald.

Nachdem ich im Hostal geduscht hatte, verziehe ich mich auf die Terrasse einer Bar am Rio Tena, trinke ein paar Bier und genieße wieder einmal die Tropen, in denen es auch abends nicht kalt wird. Was will man mehr!