9. Tag (27. September 2007)

Kap Dundun

Pestschankamit

Bargusin-Gebirge

Kap Choboi

Mittagessen

Kap Schunte Lejewy

Nach dem Frühstück melde ich mich zu einer Tour in den Norden der Insel an. Merel und Daan sind auch dabei, sowie ein Pärchen aus Neuseeland und ein dänischer Engländer namens Barry. Mit dem gleichen militärischen URZ wie auf der Fahrt hierher fahren wir nun aus der Stadt heraus. Die Sonne scheint, und wir alle freuen uns auf die Tour. Kurz nach dem Verlassen des Dorfs hört die Straße auf, und wir fahren nur noch einer Spur quer durch die Steppe hinterher. Auf der linken Seite ist der tiefblaue See mit seinen im Hintergrund leicht schneebedeckten Bergen zu sehen und vor uns das golden leuchtende Steppengras. Ein einmaliges Bild. Unser erster Stopp am Kap Dundun. Als wir aussteigen, bläst uns ein kalter Wind entgegen, aber das ist mir egal, denn die Aussicht ist so gut, dass es nicht zu beschreiben ist. Wir alle stehen nur auf der Wiese und staunen, machen natürlich auch ein paar Fotos und fahren nach einigen Minuten wieder weiter. Wir durchqueren das erste Wäldchen, wobei der Weg sehr viel holpriger wird. Aber wir schaffen es und erreichen eine wunderschöne Bucht mit einem einladenden Sandstrand. An dessen Ufer befand sich ein Gulag und eine dazugehörige Fischfabrik, von der man heute nur noch die Grundmauern erkennen kann. Die Überreste interessieren uns nur am Rande, denn wir schauen alle hauptsächlich aufs Wasser und lassen uns den Wind um die Haare wehen. Es ist herrlich hier draußen und man kann leicht nachvollziehen, dass sich die Leute hier im Sommer am Strand treffen, wenn es entsprechend warm ist. Dass dieses eisige Wasser im Sommer fast 20 °C erreichen soll, kann man sich heute jedoch nur sehr schwer vorstellen.

Weiter geht es über zum Teil heftig ausgewaschene Pfade zum Kap Assain, auch „Three Brother“ genannt, da es sich um drei Felsvorsprünge handelt. Hier sind wir schon recht hoch über der Wasserlinie, und die vom Wind gepeitschten Wellen schlagen tief unten gegen den Felsen. Schon allein der Blick auf das „kleine Meer“ des Baikals zeigt eine riesige Wasserfläche mit bis zu 10 km Breite. Wir stehen nur noch da und staunen.

Wir fahren weiter zu unserem eigentlichen Ziel heute, dem nördlichsten Punkt der Insel, dem Kap Choboy. Als wir aussteigen, pfeift uns der kalte Wind noch ein bisschen stärker um die Nase als bisher. Wir lassen uns jedoch nicht stören und machen uns auf den kleinen Fußmarsch zum Kap. Einige Kühe grasen hier noch, und wieder erlangen wir einen einmaligen Blick auf den eigentlichen See, der sich hier in einer Breite von über 70 km vor uns erstreckt. Das südliche und nördliche Ende sind natürlich nicht zu erkennen, da diese weit hinter dem Horizont liegen. Hier verbringen wir eine ganze Weile und genießen die unglaubliche Aussicht vom Kap. Die andere Seite des Baikals ist selbst heute bei absolut klarer Sicht nur im leichten Dunst zu erkennen.

Nach der Rückkehr vom Kap essen wir in einer windgeschützten Ecke zu Mittag. Unser russischer Fahrer hat bereits Feuer gemacht, über dem er die Suppe gekocht hat. Es gibt heißen Eintopf, dazu Brot, Tomaten und über dem Feuer am Dreibein hängt jetzt schon der Tee. Es ist fast wie in einer russischen Datscha. Die beiden Kiwis sind innerhalb von sechs Monaten auf dem Rückweg von England nach Neuseeland und haben natürlich für alles erheblich mehr Zeit. Sie wollen nach Olchon auch in die Mongolei weiter, jedoch drei bis vier Wochen. Barry, unser dänischer Engländer ist ein sechzigjähriger Globetrotter wie sich herausstellt, der bereits die ganze Welt gesehen hat und eine unglaubliche Geschichte nach der anderen aus den Siebzigern erzählt, als er Hippies im Bus von England bis nach Goa in Indien gefahren hat. Es ist allzumal wieder eine interessante Gruppe beisammen.

Nachdem alle wieder satt sind, fahren wir am östlichen Ufer der Insel nach Süden zurück. Dabei stoppen wir noch am Kap Schunte Lejewy, wo die Felsen sehr steil ins Wasser abfallen und wir aufpassen müssen, dass wir nicht vom Wind über die Klippe geweht werden. Ein Besuch der Wetterstation in Usury, wo ich noch unbedingt auf ein Pferd steigen musste, bildete den Abschluss der Tour. Von hier aus fahren wir, beziehungsweise holpern wir ,wieder zurück nach Kuschir und haben uns heute Abend unser Bier redlich verdient.