8. Tag (26. September 2007)

Der Baikal See

Chuschir

Im Morgenlicht

Als ich gestern nach Hause kam, hat sich Vera noch einmal gemeldet, um mir mitzuteilen, dass der Ausflug auf die Insel Olchon trotz defekter Fähre klappen wird. Sie haben einen entsprechenden Transfer organisier, obwohl der Bus aufgrund der defekten Fähre nicht fährt.

So werde ich gegen 8:30 Uhr abgeholt, wir laden noch ein Ehepaar aus Australien ein, tanken noch schnell, und dann geht es los. Nachdem wir Irkutsk verlassen haben, sind wir nun mitten in der Steppe, kilometerweit ist nichts außer Graslandschaft zu sehen. Die Straße ist recht gut ausgebaut, was unser Fahrer natürlich bis zum Letzten ausnutzt und vom Ford-Transit alles abverlangt. Aber ich glaube, so fahren alle in Russland. Im Verkehr geht es nach dem Recht des Stärkeren, was man vor allem als Fußgänger schnell merkt.

Wir durchstreifen die Steppe, bremsen zweimal scharf ab, da irgendwelche Kühe der Ansicht sind, über die Straße trotten zu müssen und kommen schließlich an dem Abzweig zum Baikal See. Es wird hügeliger und es gibt wieder mehr Bäume. Die vielen goldfarbenen Lärchen leuchten und prägen das Bild. Wir kommen etwas höher, sehen den ersten Schnee am Wegesrand liegen. Ich glaube, dass ich gleich noch eine weitere Jacke aus dem Rucksack anziehen muss. Nach mehr als zwei Stunden Vollgas machen wir eine Mittagspause und essen eine Borschtsch, die berühmte russische Suppe. Dazu einen Tee und eine Art russische Maultasche, die sehr lecker schmeckt. Im Auto zurück ziehe ich mir gleich eine Jacke an und bin nun überzeugt, dass ich nicht zu viele warme Klamotten dabei habe. Nach einer Weile geht die Straße in eine Schotterpiste über, was unseren Fahrer in kleinster Weise zu irritieren scheint, denn er bleibt voll auf dem Gas. Etwas vorsichtiger wird er erst, als wir an einem japanischen Auto vorbeikommen, welches wohl gerade nach einem Überschlag auf dem Dach liegen geblieben ist. Schließlich erreichen wir den Anleger. Andre telefoniert und teilt uns danach mit, dass wir in etwa einer Stunde mit dem Boot übersetzen und auf der anderen Seite abgeholt werden. So bleibt noch ein wenig Zeit, um uns umzuschauen. Ich erklimme einen kleinen Aussichtspunkt. Ich streife mir bereits auf den ersten Metern meine Handschuhe über und als wir einen Blick über die Klippe nehmen, bläst der Wind richtig ins Gesicht.

Auf dem Boot geht es einigermaßen, denn die Fahrt ist nur sehr kurz. Wir haben jedoch zum ersten Mal den freien Blick auf den eigentlichen See und nicht nur auf die riesige Bucht zwischen Olchon und dem Festland. Mit dem berühmten russischen Militärfahrzeug URZ fahren wir weiter, sind nun sogar ein Teil einer Tour und haben somit noch das Vergnügen, auf einen Aussichtspunkt an der Westküste der Insel zu fahren. Hier bläst einen der Wind fast um, aber durch die tief hängenden Wolken auf der anderen Seite und die schneebedeckten Gipfel im Hintergrund ergibt sich ein wunderbarer Ausblick auf den See. Wir können aber nur ein paar Minuten bleiben und kehren zu unserem Bus zurück, um nach Kuschir zu fahren und im Nikita’s abzusteigen. Dort beziehe ich ein sehr schönes Holzhaus, beziehungsweise Zimmer, und wir heizen gleich den Holzofen an.

Nachdem ich meine Sachen abgeworfen habe, schaue ich mich ein wenig in der Siedlung um. Straßen gibt es eigentlich keine nur einen Raum zwischen den Häuserreihen, die zum Teil wunderschön aus Holz gebaut sind. Ich mache einige Fotos und kehre recht verfroren wieder zurück. Als ich in mein Zimmer eintrete, merke ich noch nicht viel von wohliger Wärme. Auch die Steine des Ofens sind kaum merklich warm. So stecke ich das ganze Holz, welches ich bekommen habe, nach und nach während der nächsten Stunde in den Ofen und merke, dass es langsam Wirkung zeigt. Eine mühsame Angelegenheit. Als ich nach dem Essen ins Zimmer komme, ist der Ofen heiß und das Zimmer mollig warm, so dass ich den anderen Bescheid sage, dass wir wohl hier unseren Film anschauen sollten, da es einfach wärmer ist als in deren Zimmern. So sitzen wir noch zu fünft am Abend zusammen, trinken einige Biere und schauen uns einen russischen Film an.