3. Tag (21. September 2007)

Großer Palast

"Ivan der Große"

Basilius Kathedrale

Jaroslawler Bahnhof

Auf der TransSib

Heute geht es in das Herz Russlands, den Kreml. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir den Kreml. Nachdem ich meine Tasche in einem Schließfach deponiert hatte, gehen wir durch den Alexandergarten und betreten den Kreml durch den Borowizkij-Turm, von wo aus wir zuerst zur Rüstkammer gelangen. Bei der Schatzkammer des Kremls handelt es sich sicherlich um eine der bedeutendsten Ausstellungen der Welt. In den roten, braunen, grünen und ockerfarbenen Sälen ist in großen Vitrinen der Schmuck der Hauptikone Russlands zu sehen, die jeder Zar für diese Ikone neu anfertigen ließ. Zudem werden sehr viele prunkvolle Geschenke der europäischen Königshäuser ausgestellt. Die Kelche, Vasen, Platten, Teller, Porzellan und Waffen waren sehr imponierend. Besonders beeindruckend ist, mit welchen handwerklichen Fähigkeiten diese Stücke angefertigt wurden. Mehrere prächtige Eier von Fabergé waren ebenfalls ausgestellt. Dabei ich musste lernen, dass diese früher eigentlich nur als Überraschungseier gedient haben. Wie heute kam es auf die Überraschung über den Inhalt an, der sich nach dem Öffnen präsentierte. In einem dieser Eier befand sich sogar ein Modell der transsibirischen Eisenbahn. Ich dachte, das passt richtig gut zu meinem Vorhaben.

Vera hatte natürlich darüber derart viel zu erzählen, dass ich mir dies alles gar nicht merken konnte. Die nächste große Halle beinhaltete die Ausstellung der Thronstühle, Gewänder und Kleidung, die über und über mit Perlen und Gold verziert waren. Auch die Hochzeitskleider der Zarinnen konnte man betrachten. Eine in der Welt einmalige Ausstellung von Kutschen, in einer Anzahl wie man es sich kaum vorstellen konnte, war ebenfalls zu sehen. Während des Winters wurden an Stelle der Kutschen Schlitten benutzt, mit denen man in drei Tagen St. Petersburg erreichen konnte. Für die damalige Zeit eine irrsinnige Geschwindigkeit für die über 600 km lange Strecke.

Zweifels ohne, der Höhepunkt meines Besuchs im Kreml war die Besichtigung der Schatzkammer. Zu bestaunen gab es kiloschwere Goldstücke in den zentralen Vitrinen. In anderen Vitrinen liegen Hunderte von Rohdiamanten und geschliffenen Brillanten und funkeln im Licht. In weiteren Vitrinen sind die Krone, verschiedene Schmuckstücke und Diademe des Zarenreichs zu sehen. Dabei wurden die Farben Russlands im Zepter, Apfel und in der Krone in Form von verschiedenen Edelsteinen abgebildet. Es breitet sich ein so unglaublicher Reichtum vor einem aus, das man dies in der Kürze der Zeit gar nicht richtig begreifen kann.

Nachdem wir die Rüstkammer wieder verlassen hatten, passieren wir den großen Kreml-Palast und gehen zum Kathedralenplatz. Wieder bin ich begeistert. Die goldenen Kuppeln der Mariä-Himmelfahrt-Kirche, wo früher Zaren gekrönt wurden, die Kuppeln der links danebenstehenden Maria-Verkündigungs-Kathedrale und die sich rechts befindendliche Erzengel-Kathedrale strahlen im Sonnenschein und sind ein wunderschöner Anblick. Zuerst gehen wir in die Krönungskirche hinein, und wir sehen uns die Ikonen, Bilder, Betstühle und Throne an. In der Erzengel-Kathedrale befinden sich die Gräber vieler Großfürsten und Zaren. Anschließend gehen wir am Glockenturm „Ivan der Große“ vorbei und besichtigen die größte Glocke der Welt, die mit ca. 200 t Gewicht leider ein Fehlguss war und deshalb nie einen Ton von sich gegeben hat. Die Besichtigung der Zarenkanone rundet den Besuch im Kreml ab. Von weitem kann man noch die Gebäude der russischen Regierung innerhalb des Kremls betrachten, jedoch ohne Zutritt zu bekommen. Vera und ich verabschieden uns voneinander, da der offizielle Teil vorüber ist, und ich mache mich wieder einmal auf den Weg zum Roten Platz, um noch ein paar Fotos bei Tageslicht schließen zu können. Weiter führt mich mein Weg zur Moskwa, da ich mit dem Boot fahren will. Ich finde sogar gleich den Bootsanleger und kaufe mir ein Ticket. Nach 20 Minuten gehe ich an Bord und nehme einen Platz am Sonnendeck mit bester Aussicht, denn es ist nicht viel los. Die Fahrt dauert eine Stunde, führt an der Basilius Kathedrale, dem Kreml, der Erlöserkirche vorbei den Fluss hinunter. Im Moskwa Bogen sieht man das Lenin Olympiastadion und gegenüber die Ski-Sprungschanze sowie hoch oben auf dem Berg das Lomonossow-Universitäts-Gebäude. Es ist eine der so genannten „sieben Schwestern“, welche in Zuckerbäckerstil unter Stalin erbaut wurden. Am Kiewer Bahnhof steige ich wieder aus und gehe Richtung Arbat Straße, wo ich gestern bereits war. Dort kehre ich in das Restaurant My My ein und esse etwas. Auch diesen Tipp habe ich von Vera bekommen und wurde nicht enttäuscht. Anschließend schnappe ich eine Metro und fahre wieder ins Zentrum zurück, um mich einfach ein wenig treiben zu lassen. Die Hektik der Stadt, die allgegenwärtig ist, perlt an mir ab. Ich genieße es, nicht getrieben zu sein. Als die Zeit schon fortgeschritten ist, fahre ich wieder zurück ins Hotel, so dass mein eigentliches Sibirien-Abenteuer nun beginnen kann.

Zurück im Hotel bin ich über den russischen Service „begeistert“. Zum Umziehen gibt es vor meiner Abreise in diesem riesigen Hotel kein Zimmer oder Raum. So etwas habe ich noch nicht erlebt. So zwänge ich mich mit meinem Gepäck in die Toilette und mache mich noch am Waschbecken etwas frisch. Mein Transfer zum Bahnhof klappt sehr gut. Als ich im Auto sitze und auf dem Weg zum Bahnhof bin, denke ich darüber nach, was so alles auf mich zukommen kann. Ich stelle mir gerade vor, ich werde nur mit drei Russisch sprechenden Menschen in einem Abteil sitzen, die womöglich auch noch die ganze Nacht schnarchen werden! Auf was habe ich mich wohl eingelassen?

Als wir am Bahnhof ankommen, zeigt mir der Typ gerade noch die Türe, durch die ich hineingehen soll. Ich frage mich durch und finde schließlich das richtige Gleis. Hier steht gerade noch ein anderer Zug nach Tomsk und so warte ich darauf, dass dieser abfährt. Als der Baikal Express eingesetzt wird, öffnen die Offiziellen den Bahnsteig und Dutzende von Leuten setzen sich in Bewegung. Die ersten Wagen am Ende des Zuges sehen nicht sehr einladend aus, als ich durchs Fenster einen Blick ins Innere erhaschen kann. Aber zum Glück ist die zweite Klasse etwas weiter hinten und ich finde auch gleich den richtigen Wagen, in dem sich mein Abteil befindet. An der Tür bemerke ich, dass ein Englisch sprechendes Pärchen vor mir steht. Als sich dann noch herausstellt, dass wir im selben Abteil sind, lösen sich meine Befürchtungen in Wohlgefallen auf. Merel und Daan kommen aus Holland, und wir kommen natürlich gleich lebhaft ins Gespräch. Zudem erfahre ich auch schnell, dass sie ebenfalls bis Irkutsk fahren und anschließend die Insel Olchon besuchen, so dass wir wohl länger gemeinsam unterwegs sein werden. Da es bereits weit nach Mitternacht ist, machen wir uns zum Schlafen fertig. Die Betten sind lang und bequem, so dass ich recht schnell einschlafe.