2. Tag (20. September 2007)

Erlöser Kathedrale

Neujungfrau Kloster

Ikonenwand

Lomonossow Uni

Moskau Metro

Moskau Metro

Nach dem Kampf mit Hunderten anderer Leute im Frühstücksraum gehe ich nun gestärkt ans heutige Werk. Vera trifft mich pünktlich zur Stadtrundfahrt und dem Besuch des Neujungfrau-Klosters. Unser Fahrer steht auch schon bereit, und es geht gleich los. Der Verkehr ist heftig und die zahlreichen Luxuskarossen auf den Straßen fallen schon ins Auge. Je größer desto besser! Wir kommen am weißrussischen Bahnhof vorbei, einem von neun Bahnhöfen in der Stadt, sehen das ehemalige KGB-Gebäude, das Rathaus und bewegen uns in Richtung Kreml. Nachdem wir den Roten Platz passiert hatten, halten wir auf der rechten Seite an und steigen aus. Wir haben einen wunderbaren Blick auf die Basilius Kathedrale, wobei ich erfahre, dass die neun Zwiebeltürme neun Städte symbolisieren, die beim Sieg über die Tataren wieder befreit wurden. Bei der Kathedrale handelt es sich eigentlich mehr um ein Museum als um eine Kirche, da das Gebäude nie als Gotteshaus genutzt wurde.

Weiter geht es zur Erlöser-Kathedrale, die zum Gedenken an den Sieg über Napoleon errichtet wurde und alle Schlachten und sämtliche Namen der Gefallenen innen an den Wänden trägt. 1931 wurde die Kathedrale unter Stalin gesprengt, um auf dem Grundstück den Palast der Sowjets zu errichten. Dazu kam es jedoch nie, da sich der Boden und das Fundament als ungeeignet erwiesen hatten. So hat sich über Jahre hinweg dort nur eine Badeanstalt befunden. Während der Perestroika wurde die Kathedrale wieder originalgetreu aus Marmor aufgebaut. Dabei wurden für die Kuppeln und das Innere über 400 kg Gold benötigt und verbaut.

Schließlich erreichen wir das Neujungfrau-Kloster, dem zweitwichtigsten Ort nach dem Kreml in der Zarenzeit, da hier die Gemahlin und die Töchter des Zaren wohnten, zum Teil auch in einer Art Gefängnis. Wir erkunden das doch recht weitläufige Gelände und besuchen die Summer-Kathedrale oder mit richtigem Namen Smolensker Kathedrale. Die Kathedrale ist innen über und über mit Ikonen überfüllt. Die vier mächtigen quadratischen Säulen, die mit umfangreichen Fresken verziert wurden, ergeben zusammen mit den Ikonen und der Beleuchtung durch die mächtigen Kronleuchter ein imposantes Gesamtbild.

Im Gewölbe des Hauses, in dem Zar Peter der Große seine Halbschwester einsperren ließ, sind wir in den Genuss einer Hörprobe von einer russischen Volksmusik-Gesangsgruppe gekommen. Die fünf Sänger haben extra für uns beide noch einmal gesungen. Mit einer unheimlichen Breite und Tiefe der Stimmen jedes einzelnen, wie man sie selten zu hören bekommt.

Weiter geht unsere Fahrt zur größten Universität Moskaus, der Lomonossow-Universität, die auf einem Hügel oberhalb der Moskwa gelegen ist und in 40 Fakultäten 90.000 Studenten beherbergt. Von hier aus haben wir einen umfassenden Blick über die Stadt und können alle bedeutenden Häuser und Kathedralen erkennen.

Wir fahren anschließend an der Moskwa entlang, sehen im Vorbeifahren noch das Weiße Haus und erreichen schließlich die Manege. Dabei handelt es sich um die Ausstellungshalle gleich neben dem Kreml, die ebenfalls aufgrund des Sieges über Napoleon erbaut wurde. Von hier aus mache ich mich selbst auf die Tour und schlendere so durch die Arbat-Straße, der ältesten Einkaufsstraße Moskaus. In der neuen Arbat-Straße, in der es sehr viele hochwertige Geschäfte und noch viel mehr hochwertige Luxuskarossen davor gibt, gehe ich in ein gutes russisches Restaurant. Hier esse ich am „all you can eat“ Buffet und trinke dazu ein Bier.

Als der Magen wieder gut gefüllt ist, fühle ich mich wieder wohl. Anschließend nehme ich mir vor, die schönsten Metrostationen zu besuchen und mich für die nächsten zwei bis drei Stunden in den Untergrund zu begeben. Nachdem ich mir gestern ein System zur Orientierungen zurecht gelegt habe, ist es nun ganz einfach, die einzelnen Stationen zu erreichen und zu finden. Zunächst imponiert einmal, wie tief sich die Stationen im Untergrund befinden. Teilweise steht man fast 2 Minuten auf den Rolltreppen, die mit erheblich größerer Geschwindigkeit als bei uns laufen. Unten angekommen fallen zuerst einmal die klaren Strukturen der Stationen auf, die alle denselben Aufbau besitzen. Gemeinsam ist allen Stationen auch die Verwendung von Marmor als Wandverkleidung. Die fünf schönsten Stationen fahre ich an und bin fasziniert, wie sich diese mit ihren Kronleuchtern und ausladenden Stuckdecken präsentieren. Als es dunkel wird, verlasse ich wieder den Untergrund und begebe mich nochmals auf dem Roten Platz, um einfach die bedeutenden Gebäude nochmals auf mich wirken zu lassen. Dabei schlendere ich noch ein wenig durch das Kaufhaus GUM, welches als eine Art Markthalle anstelle des Marktes, der ursprünglich auf dem Roten Platz abgehalten wurde, gedacht war. Heute befinden sich nur noch Luxus-Geschäfte in diesem Kaufhaus, so dass ein Normalbürger sich dort kaum oder gar nichts mehr leisten kann.