17. Tag (5. Oktober 2007)

Tian'anmen-Platz

Temple of Heaven

Nach einer angenehmen Nacht wache ich fast ausgeschlafen auf und gönne mir zuerst einmal ein Frühstück im Speisewagen, da meine drei Mädels noch friedlich schlummern. Die Landschaft vor dem Fenster hat sich grundlegend geändert. Es sind wieder grüne Felder und Bäume zu sehen. Auch die Häuser sehen in der Bauweise anders aus als auf den letzten Kilometern. Das Wetter leider auch. Wir haben Hochnebel und es ist diesig, jedoch nicht mehr so kalt wie in den letzten Tagen. Noch fünf Stunden bis Peking! Kurz vor dem Ziel der langen Strecke verläuft die Trasse durch eine von hohen Bergen eingerahmte Schlucht, wobei der Zug immer wieder in zahlreichen und zum Teil sehr langen Tunneln verschwindet. Ich kann nicht aufhören, am Fenster zu stehen und hinauszuschauen. Es ist wunderschön. Als wir uns der Stadt nähern, sehen wir von der Bahn aus sozusagen die Hinterhöfe, was teilweise kein sehr schöner Anblick ist. Der Anblick zeugt nicht von einer Weltstadt, sondern eher von einem Moloch in der Dritten Welt. Doch schließlich bauen sich neben der Strecke viele neue Wohnblocks auf, wir erreichen das Zentrum und fahren in den Hauptbahnhof von Peking ein. Ich kann es eigentlich noch gar nicht glauben, dass damit meine Trans-Sibirien-Reise ihren Schlusspunkt erreicht haben soll. Sie endet einfach und unspektakulär, als ob man gerade aus einem Vorortzug ausgestiegen wäre. Der Abschied von Karoline, Martina und Marlin ist kurz und jeder geht wieder seiner Wege. So gehe ich Richtung Ausgang und trete auf den Vorplatz des Bahnhofs hinaus. Dort schnappe ich mit einem Taxi und fahre ins Hotel.

Es ist schön, wieder einmal eine warme Dusche zu nehmen und seine Sachen ausbreiten zu können. Nachdem ich mich wieder frisch fühle, richte ich noch die Sachen für den Wäsche-Service und mache mich anschließend auf in die Stadt, auf der Suche nach etwas zu essen. Nicht weit vom Hotel entfernt komme ich in Gassen voll mit Geschäften und hektischem Treiben. Ich schlendere durch und esse etwas in einem einfachen Restaurant. Es schmeckt sehr lecker. Dort treffe ich noch zufällig auf die drei schwedischen Mädels, aber mehr als ein kurzes „Hallo“ ergibt sich nicht. Nachdem der Magen wieder gut gefüllt ist, breche ich auf zum Platz des Himmlischen Friedens, auf dem jede Menge Menschen unterwegs sind. Es ist Golden Week in China, die wichtigste Ferienwoche. Auf dem Platz ist ein riesiger Springbrunnen aufgebaut und verschiedene, berühmte Bauwerke Chinas sind als Blumenkompositionen dargestellt. Ich lasse mich im nächtlichen Peking treiben und lande schließlich in der Einkaufsstraße. Als es bereits recht spät ist, nehme ich ein Taxi zurück ins Hotel. Wobei ich den Eindruck nicht los werde, dass die Taxifahrer sich nicht wirklich in ihrer Stadt auskennen, da auch dieser hier erst das Hotel anrufen musste, um sich den Weg erklären zu lassen. Nach einem Absacker im Hotel endet ein ereignisreicher Tag.