12. Tag (30. September 2007)

Bahnhof Ulan Ude

Suche Bator Platz

Gantan Kloster

Treldsch Nationalpark

Vor 4:00 Uhr stehe ich auf, um meinen Zug zu erreichen. Nach dem Frühstück steht auch schon das Taxi bereit, und ich verabschiede mich schnell von Elene, so dass sie sich wieder hinlegen kann. Wie erwartet bin ich in 5 Minuten am Bahnhof und betrete die Bahnhofshalle eine Stunde, bevor der Zug einfährt. Aber was soll’s, nun bin ich schon wach und freue mich auf die Fahrt entlang des Baikals.

Der Zug kommt pünktlich, und wir besteigen einen fast leeren Waggon. Heute teile ich mir das Abteil mit einem Pärchen aus England. Kurz nach der Abfahrt legen wir uns gleich noch einmal schlafen, da es sowieso dunkel ist. Nach eineinhalb Stunden werde ich wieder wach, gerade rechtzeitig zum Sonnenaufgang über dem Baikal. Es ist ein gewaltiges Bild. Der Zug folgt dem See nur wenige Meter vom Wasser entfernt. Die Sonne steigt höher und je länger wir dem Seeufer folgen, desto breiter wird der See. So fahren wir fast drei Stunden am Ufer entlang, was auch zum Teil damit zu tun hat, dass wir streckenweise nur sehr langsam vorankommen. Der See und die ihn umgebenden Berge, die am Horizont in den See zu versinken scheinen, beeindrucken in ihrer Schönheit.

Nachdem wir vor wenigen Minuten die Küste des Baikals wieder verlassen haben, fahren wir wieder durch die Steppe mit ihren goldgelben Birken. Nichts deutet daraufhin, dass in nur wenigen Kilometern hier der größte Süßwassersee der Welt liegt. Im Schneckentempo kriechen wir Richtung Ulan-Ude. Als wir den Fluss Selenga erreichen, ist die Landschaft wieder anspruchsvoll und fotogen.

Der Bahnhof in Ulan-Ude leuchtet im Sonnenschein. Wir haben eine halbe Stunde Aufenthalt und sehen dabei, wie die Lok gewechselt wird. Männer prüfen die Drehgestelle und füllen wieder den Kohlevorrat für den Samowar. Einige Reisende versorgen sich mit Getränken und Essbaren. Dann geht es weiter und wir biegen nach ungefähr einer Viertelstunde auf die mongolische Strecke ab, die nur eingleisig und nicht elektrifiziert ist. Dafür bietet sich jedoch ein herrlicher Ausblick auf das Tal, nachdem wir die rauchenden Kamine von Ulan-Ude hinter uns gelassen hatten. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und leuchtet herrlich im Sonnenschein. Der Fluss, dem wir folgen, entspringt überraschenderweise einem großen See dessen Ufer unser Zug im Schneckentempo folgt. Wir erreichen eine Ausweichstelle, lassen zwei Züge in Gegenrichtung passieren und fahren Richtung Grenze. Auf der Fahrt dahin nehmen wir noch eine Kuh mit, die sich um ein Drehgestell eines Wagens wickelt. Nach fast einer halben Stunde Rangierfahrt war es endlich möglich, sie wieder loszuwerden. Die beiden Hälften des Tierkadavers wurden am Rand der Schienen liegen gelassen.

So erreichen wir schließlich den Grenzbahnhof auf russischer Seite. Die Zöllner kommen recht schnell, nehmen sich unsere Pässe und bleiben dann für mehr als vier Stunden verschwunden. Zwischendurch wird noch die Zolldeklaration angeschaut und auch sämtliche Abdeckungen in unserem Abteil geöffnet. Ansonsten bleiben wir unbehelligt und bekommen kurz vor unserer Weiterfahrt die Pässe zurück. Wenig später wiederholt sich das Schauspiel auf mongolischer Seite erneut, nur mit dem Unterschied, dass ich von einer hübschen Zöllnerin in fließendem Deutsch angesprochen werde. Nach zwei Stunden geht es auch hier weiter, und die Fahrgäste können sich endlich um zwei Uhr morgens aufs Ohr legen. Gute Nacht!