8. Tag (01. Oktober 2005)

Nationalfeiertag 8.00Uhr

Der Kaiser Palast

Ein Blick über die Stadt

Die Einkaufsstraße

Der Night Market

Tiananmen Platz

Schnell hatte ich festgestellt, dass zwei Tage für Peking zu wenig sind, und so habe ich gestern Abend noch meinen Flug umgebucht und organisiert, dass ich einen Tag länger bleiben kann. Somit habe ich am heutigen Nationalfeiertag von China den ganzen Tag Zeit, um mir noch den Kaiserpalast anschauen zu können. Da es bei dem Verkehr hier eine Katastrophe ist, mit dem Taxi unterwegs zu sein und in die Innenstadt zu fahren, nehme ich heute die Metro. Das klappt auch wunderbar, da die Namen der Stationen auch in arabischer Schrift angeschrieben sind. In nur 15 Minuten bin ich am Platz des Himmlischen Friedens und gleich von den Menschenmassen überwältigt, die sich hier bereits morgens um 8.00 Uhr tummeln. Der ganze Platz ist schwarz vor Menschen. Ich gleite zusammen mit der Masse zum Eingang des kaiserlichen Palastes. Wahnsinn, wie riesig die Anlage ist. Ich habe mir einen Audioguide in deutscher Sprache geliehen und lasse mich nun durch die Anlage treiben: von einer riesigen Halle zur nächsten. Im vorderen Teil der „Verbotenen Stadt“ sind es nur Repräsentationshallen, während sich im hinteren Teil der private Bereich erstreckt, der eigentlich die „verbotene Stadt“ bildet. Es sind so viele Gebäude, dass man sich dazwischen verlaufen könnte. Allein die Zahl der Angestellten belief sich auf ca. 1.000 Personen, die sich um das Wohl des Kaisers gekümmert haben. Hier also lebte der chinesische Kaiser mit all seinen Konkubinen, die das Innere der verbotenen Stadt niemals verlassen durften. In den wunderbar angelegten Gärten entspannte er und verbrachte auch einen Teil seiner Zeit in einem Pavillon, der sich auf einem hohen, künstlichen Felsen am nördlichen Ende des Geländes befand.
Von den vielen Eindrücken bereits müde und nicht weiter aufnahmefähig verlasse ich die verbotene Stadt durch das nördliche Tor. Ich überquere die Straße, betrete den Jingshan Park, von dessen Hügel aus man einen wunderbaren Blick auf den kaiserlichen Palast haben soll. Die Menschen stehen hier zu Dutzenden, um zu fotografieren, doch leider ist die Luft heute sehr, sehr diesig, und man kann die Dächer der verbotenen Stadt nur schemenhaft erkennen. Deshalb mache ich mich auch gleich wieder auf den Weg zum Beihai Park. Dort möchte ich schließlich etwas zu Mittag essen. Zuvor habe ich jedoch noch Glück und kann auf dem Weg dorthin an einem Stand eine neue Speicherkarte für meine Kamera kaufen. Somit bin ich wieder ausgerüstet, um weiter fotografieren zu können, auch wenn fast mein ganzes Bargeld dafür draufgegangen ist. Im Park spaziere ich ein wenig herum und finde ein Restaurant. Erst später stellt sich für mich heraus, dass es sich dabei um das Fanshan Restaurant, der ehemaligen kaiserlichen Küche, gehandelt hat. Jedenfalls war das Ambiente entsprechend angenehm, obwohl ich mir auf der Bilderkarte ein Essen ausgesucht hatte, welches mir überhaupt nicht schmeckte. Aber das kann hier eben passieren. Den Magen einigermaßen gefüllt bin ich anschließend mit dem Boot über den See von der Insel auf die andere Seite gefahren. Ich gehe weiter durch den Park, vorbei an verschiedenen Pavillons und den Five Dragons. Anschließend verlasse ich den Park auf der nördlichen Seite, überquere die Straße und befinde mich am Eingang der Lotus Lane am Lake Side Walk. Hier gibt es sehr viele nett angelegte Restaurants mit Blick über den See, welche viel gemütlicher aussehen als jenes, in dem ich gewesen war. Na ja, das nächste Mal. Ich durchstreife die Gegend, genieße die Gassen weit weg vom Lärm der Großstadt. Überall werden Rikscha-Fahrten durch die berühmten Hutong, die alten Pekinger Gassen, angeboten. Ich habe jedoch darauf verzichtet und bin weiter zu Fuß unterwegs bis ich diese Gegend wieder verlasse und geradewegs zur Metro marschiere.
Mit der U-Bahn erreiche ich schnell und einfach die Einkaufsstraße in Wangfujing in der Nähe des Platzes des Himmlischen Friedens. In einer riesigen Shopping Mall werde ich von einem Mädchen angesprochen, Mary, sie will sich einfach nur mit mir unterhalten. Mir kommt es seltsam vor, ich nehme sie mit und warte ab, was passiert. Wir unterhalten uns, sie will Studentin sein und hier in Peking Englisch studieren. Sie ist 22 Jahre alt und sieht gar nicht so schlecht aus. Wir wollen was trinken und gehen deshalb in ein Teehaus. Ich schaue mir die Karte an und weiß, woher der Wind weht. Ich lade sie natürlich ein, auch wenn ich noch nie so viel für einen Kaffee und einen Tee bezahlt habe wie hier. Wir gehen noch ein wenig durch die Einkaufsstraße, kommen noch am Night Market vorbei, als sie anfängt, dass es doch nett wäre, wenn wir gemeinsam essen gehen. Da ich kein Bargeld mehr in der Tasche habe, die Banken geschlossen sind und ich keine große Lust habe, in weiß der Teufel was für ein Luxusrestaurant zu gehen, verabschiedet sie sich recht schnell. Sie scheint recht enttäuscht zu sein, als sie wieder bei ihren Freundinnen zurück ist. Ich geh wieder alleine los, es ist bereits dunkel, und ich schaue mich noch ein wenig um, bevor ich mich auf dem Weg zurück zum Platz des Himmlischen Friedens mache, von wo aus ich die Metro nehmen will. Es sind immer noch Tausende von Menschen unterwegs, der ganze Platz ist noch voller als heute Morgen. Meine Füße sind schon ganz schwer und tun weh, jedoch als ich an der Metro ankomme, ist die Station geschlossen, obwohl die Linie eigentlich noch fahren sollte. Ich bin etwas überrascht. Da ein Taxi nicht zu bekommen ist und die Busse total überfüllt sind, bin ich auf die Metro angewiesen. Ich denke, es sind aus Sicherheitsgründen nur hoffentlich diese beiden Stationen geschlossen. Somit mache ich mich zu Fuß in Richtung meines Hotels auf den Weg.
So war es dann auch: Nach zwei Stationen Fußmarsch schließlich war die Metro glücklicherweise wieder geöffnet, und ich konnte zurück zum Hotel fahren und erst einmal eine Dusche nehmen. Nachdem ich noch Geld gewechselt hatte, bin ich erst einmal beim Thailänder essen gegangen und fiel anschließend todmüde ins Bett. Morgen früh werde ich wohl nicht mehr viel unternehmen.