4. Tag (27. September 2005)

Wuxi

Heute fahren wir zu BOSCH. Thomas kennt die Strecke, und wir sind über eine absolut leere Autobahn in Nullkommanichts dort. Als wir in das Industriegebiet einbiegen, bin ich sprachlos. Gigantisch breite Straßen, riesige Industrieansiedlungen mit gigantischen Hallen, Hunderte davon aneinandergereiht. Wir gehen in die Firma, die Hallen sind erst seit ein paar Wochen bezogen, alles neu, alles riesig und die Büros top-modern. Alles was man so braucht.
Am Nachmittag habe ich noch Zeit und fahre mit dem Taxi in die Stadt nach Wuxi. Es geht kilometerweit nur durch dieses Industriegebiet. Als wir schließlich im Zentrum angekommen sind, wimmelt es nur so von Leuten. Ich schlendere durch die Straßen, wechsele noch Geld auf der Bank und lasse mich treiben. Die Kaufhäuser sind gigantisch, und die Preise sind für die Dinge, die wir von Europa her kennen, wie in Europa. Es gibt schon krasse Gegensätze in der Stadt zu erkennen, alte kleine Häuser und Läden neben den gigantischen, neuen Wolkenkratzern aus Stahl und Glas. Ich bin fasziniert von dem Treiben in den Straßen. Nach zwei Stunden mache ich mich wieder auf den Weg zurück in die Firma. Ich treffe noch einen weiteren Bekannten aus der Firma und wir gehen gemeinsam essen. Das Restaurant ist in einem mehrstöckigen Gebäude untergebracht und die Tische stehen nur im Separee. Wir sind 10 Leute und sitzen um einen großen runden Tisch, in dessen Mitte eine Glasplatte steht, auf der die Speisen aufgetischt werden. Dies alles hat einen sehr luxuriösen Rahmen. Als schließlich überraschend der Erste aufsteht und mir „Gan Bai“ zuruft, schaue ich etwas verdutzt drein. Dabei handelt es sich um eine chinesische Tradition, wobei der Gast von jedem Einzelnen gegrüßt wird und anschließend das Glas in einem Zug leeren muss. Ich hebe das Glas und trinke es auf Ex. Nun kann ich bereits ahnen, was noch kommen wird. Und so ist es auch, während des Essens steht einer nach dem anderen auf und ruft „Gan Bai!“, und wir leeren das Glas auf einen Zug. Zwischendurch wird geraucht, getrunken und gegessen. Wir unterhalten uns nett und hatten viel Spaß. Einer der Kollegen hatte heute seinen letzten Arbeitstag und reist in seine Heimatstadt, um dort zu heiraten. Wir alle wünschen ihm dazu viel Glück und Erfolg. Nachdem das Essen zu Ende war, brachen wir auf und fuhren drei Stockwerke nach oben zur Karaoke-Bar. Karaoke ist sehr beliebt in China, und so gibt jeder sein Bestes beim Singen in einem weiteren Separee. Erstaunt fiel mir dabei auf, dass nun kein Alkohol mehr getrunken wird. Jeder hat sich einen Tee, Kaffee oder Wasser bestellt. Alkohol wird hier nur zum Essen getrunken. So verbringen wir noch zwei weitere Stunden und schmettern ein Lied nach dem anderen.