13. Tag (06. Oktober 2005)

Peoples Square

Blick auf Pudong

Aus alt mach neu

Der Blick von oben

Heute Morgen stelle ich erschreckt fest, dass mein Flug nach Dubai nicht übermorgen, sondern bereits morgen Shanghai verlässt. Ich bin sehr früh aufgestanden, weil ich mich gleich heute auf den Weg nach Shanghai machen will. Früh am Morgen fuhr ich mit dem Taxi zum Bahnhof, kaufte mir ein Zugticket und musste anschließend auf den Zug warten. Fahrpläne kann man nicht lesen, ich weiß auch nicht, wann Züge zurückfahren und ob es besser ist, morgen früh früher hier am Bahnhof zu sein. Nun ja, ich bin froh, ein Ticket zu haben und setze mich noch in die Wartehalle, nachdem ich die richtige der vier Wartehallen gefunden hatte. Der Bahnhof ist nur mit einem gültigen Ticket zu betreten, und innerhalb des Gebäudes ist alles kanalisiert und gesteuert wie auf einem Flughafen.
Ich habe wohl irgendwie ein billiges Ticket erwischt. Ich muss stehen, es ist brutal voll und es riecht nach Toilette, zudem kommt recht häufig jemand vorbei, der etwas verkaufen will. Zum Glück fährt der Zug nonstop nach Shanghai, und ich kann nach einer Stunde wieder aussteigen. Am Bahnhof dort finde ich mich leicht zurecht und nehme die Metro zum Platz des Volkes, dem Zentrum Shanghais. Ich bin nun mittendrin. Die Stadt scheint aus allen Nähten zu platzen während der Ferienzeit. Nachdem ich mich ein wenig umgeschaut habe, gehe ich in die Ausstellung für Stadtentwicklung und bin sehr beeindruckt, was alles bereits in Shanghai passiert ist und noch in Planung ist. Die Stadt wird ihr Gesicht innerhalb von 30 Jahren komplett ändern. Überall wird es nur noch Hochhäuser und neue Wohnsiedlungen geben, und alles Bestehende wird abgerissen. Die Steigerungszahlen sind enorm, so zum Beispiel der Flughafen, dessen Passagierzahl von 1982 bis 2004 von einer Million auf 20 Millionen Passagiere explodiert ist. Aufgrund dessen wird der Flughafen auch bis 2015 auf 100 Millionen Passagiere ausgelegt und ausgebaut. So ist es mit allem hier. Es sind gewaltige Metrolinien gebaut worden und auch noch in Planung, genauso ist es bei den Autobahnen. Alles wird gleich riesig dimensioniert. Manchmal frage ich mich, wie die Menschen, die hier leben, diesen schnellen Wandel nachvollziehen können.
Nachdem ich dies nun gesehen habe, wollte ich es mir natürlich selbst anschauen. Ich bin wieder auf dem Platz des Volkes und sehe um mich herum eigentlich nur neue Wolkenkratzer. Auf dem Weg zum Bund, der Promenade am Fluss, das gleiche Bild. Ich komme recht schnell dort an, obwohl ich inzwischen noch etwas gegessen hatte. Am Bund hat man einen herrlichen Blick nach Pudong, dem neuen Stadtviertel auf der anderen Seite des Flusses. Das neue Symbol Shanghais, der Pearl Tower, steht in seiner ganzen Pracht da und prägt ein imposantes neues Stadtviertel. Ich entschließe mich jedoch zuerst für eine River Cruise auf dem Fluss. Vom Fluss aus hat man einen wunderbaren Blick auf die alte Silhouette der Stadt am Bund und die neue von Pudong. Ebenfalls sind überall Kräne zu sehen, da überall in der Stadt gebaut wird, selbst neben den Jim Mao Tower, dem heute fünfthöchsten Gebäude der Welt, entsteht ein noch höheres Hochhaus, welches sich gerade im Bau befindet.
Nachdem ich das Boot wieder verlassen habe, wandere ich den Bund noch einmal auf und ab. Besser, ich schlängle mich durch die Menschenmassen. Auf der Suche nach einem geschickten Weg auf die andere Seite des Flusses stoße ich auf den Sightseeing Tunnel, welches der älteste Tunnel Shanghai ist und zu einer Touristenattraktion mit Lichteffekten und fahrerlosen Kabinenwagen umgebaut wurde. Jedenfalls komme ich so schnell und bequem nach Pudong. Auf dieser Seite geh ich noch mal am Pearl Tower vorbei und mache mich auf dem Weg zum Jim Mao Tower, auf dessen Observationsdeck ich hochfahren möchte, um mir einen supertollen Blick auf die Stadt zu gönnen. Der Aufzug bringt uns in weniger als einer Minute auf 380 m Höhe. Der Blick ist grandios. Bis zum Horizont, der im Dunst versinkt, sind nur Häuser zu erkennen. Nachdem ich ein paar Bilder gemacht habe, musste ich leider feststellen, dass meine neue Speicherkarte beschädigt ist und ich keine weiteren Bilder darauf speichern kann, obwohl die Karte erst halb voll ist. Somit ist nun Schluss mit Fotografieren, und ich genieße den Ausblick für mich ganz alleine, ohne ständig nach einem tollen Motiv zu suchen. Nachdem ich den Blick in alle Himmelsrichtungen ausführlich genossen hatte und die Zeit doch leider bereits vorangeschritten war, fahre ich wieder mit dem Aufzug zur Straße hinunter und mache mich mit der Metro auf den Rückweg. Mit der Metro klappt es sehr gut, ich komme am Bahnhof an und bekomme sogar ein Ticket für einen Sitzplatz, denn es gibt hier sogar einen englischsprachigen Schalter. Somit kann ich entspannt nach Suzhou zurückfahren. Als ich dort ankomme, ist es natürlich bereits dunkel, ich nehme mir noch schnell ein Taxi vom Bahnhof und fahre wieder nach Hause.
Am Abend sind wir noch gemeinsam essen gewesen zum Abschluss meines Besuches. Wir waren in einer italienischen Pizzeria, die recht gut war. Was es nicht alles in China gibt!