11. Tag (04. Oktober 2005)

Doppel Pagode

Suzhou

Auch heute sieht es nicht besser aus. Es ist zwar trocken, jedoch stark bewölkt. Trotzdem gehe ich nach Suzhou rein, um mir die Stadt weiter anzuschauen. Zuerst einmal hole ich Geld, um wieder flüssig zu sein, anschließend kaufe ich mir noch schnell eine Jacke, da es doch recht frisch ist und gehe etwas essen. Als ich damit fertig bin, regnet es wieder. Ich schlendere trotzdem durch die Straßen und schaue mir noch die Schaufenster an. Die Leute sind am Einkaufen und Tütenschleppen, so dass man sich fragen muss, woher haben die alle das Geld dazu? Es ist auffällig hier, wie viele Leute es gibt, denen es nichts auszumachen scheint, europäische Preise für Markenartikel zu bezahlen. Man hat sowieso den Eindruck, als ob überall ein riesiger Boom ausgebrochen ist. Alle Menschen wirken total beschäftigt, sind ständig am Arbeiten und ehrgeizig, etwas aufzubauen.
Ich lasse die Leute tun, was sie wollen und verziehe mich in einen Garten mit einer Doppel-Pagode. Dieser Garten ist recht klein, besitzt jedoch einen umlaufenden Bogengang, in dem ich eine Gelegenheit finde, mich zu setzen. Dort verbringe ich über eine Stunde, bevor ich mich wieder auf den Weg mache, mir ein Taxi schnappe und aus dem Zentrum verschwinden will.
Als ich noch so durch die Gassen an den Kanälen entlanggelaufen bin, komme ich an einem wunderschön restaurierten Eingang vorbei. Ich denke, es ist ein Restaurant oder ein Kultur-Club, jedenfalls führt mich einer der Angestellten durch die Gebäude und Innenhöfe. Durch den Regen draußen ergibt sich eine wunderbar ruhige Atmosphäre. Ich nehme eine Tasse Kaffee in der Lobby. Die dort befindlichen Möbel sind aus schwarzem Holz, als Kontrast sind die Vorhänge und Teile der Wände mit rotem seidenen Stoff eingerichtet. Es wird leise Instrumentalmusik gespielt, und draußen tropft das Wasser vom Dach. Eine herrliche Oase der Ruhe in einer recht hektischen Stadt!
Nach einer Weile breche ich wieder auf. Stolpere mehr, als dass ich dorthin wollte, in einen weiteren Garten. Ich gehe dort durch, schaue mich noch ein wenig um und nehme hinterher ein kleines Boot über den Kanal auf die andere Seite, wo ich eigentlich hin will. Den Park um die alte Befestigungsmauer der Stadt habe ich heute fast für mich alleine, denn es regnet immer noch. Für die Schönheit dieses Parks habe ich jedoch mittlerweile kaum Interesse, da ich doch ziemlich aufgeweicht und durchnässt bin. Deshalb gehe ich zur Hauptstraße, schnappe mir nun endgültig ein Taxi und fahre wieder zurück.
Heute Abend entschließen wir uns, noch europäisch essen zu gehen, wobei die Überraschung über ein Erdinger Weißbier bei mir groß ist. Das Weißbier zischt richtig, obwohl das chinesische Bier, welches ich in den letzten Tagen probiert habe, auch nicht schlecht ist. So verbringen wir noch einen netten Abend.