6. Tag (14. Juli 2004)

Der Vogelfelsen

Papageientaucher

Eine unserer längsten Wanderungen steht heute auf dem Programm. Wir besuchen den größten Vogelfelsen Europas, Latrabjarg, am westlichsten Zipfel des Kontinents. Dazu fahren wir bei gutem Wetter los. Die Straße wird immer schmaler und steiniger, denn wir werden heute nicht, wie die meisten Touristen, nur den vordersten Teil mit den Papageientauchern anschauen, sondern die enorme Steilküste in ihrer ganzen Länge von 14 km entlanggehen. So erreichen wir am östlichen Ende, kurz nachdem wir das Auto abgestellt hatten, einen kleinen Felsvorsprung, von dem aus ein Blick auf die über 400 m hohe Wand möglich ist. Vögel kreisen über unseren Köpfen, und wir sind von ihrer enormen Anzahl beeindruckt, denn sie scheinen überall zu sein.

Wir wandern entlang der senkrecht abfallenden Küste und haben einen tollen Blick aufs Meer. Beim Anstieg aus einer Senke heraus ziehen jedoch dicke Wolken vom Meer her über die Klippen. Wir haben Nebel, und es wird in kurzer Zeit richtig frisch und fängt leicht an zu tropfen. Wir lassen uns jedoch nicht beirren. Kurze Zeit später ist der Schauer durchgezogen, und es wird wieder heller. Nach einem Picknick besteht die Chance für denjenigen der will in eine steil abfallende Schlucht abzusteigen und sich somit mitten unter die Vögel zu begeben. Etwa die Hälfte der Gruppen nimmt den steilen und auf dem Gras recht rutschigen Abstieg in Angriff. Nach etwa einer halben Stunde befinden wir uns auf halber Höhe in der Wand. Der Ausblick und die Tatsache, sich nun inmitten dieser gigantischen Vogelkolonie zu befinden, entschädigt jedoch mehrfach für die Anstrengung.

Als wir nach mehr als einer Stunde Kletterpartie wieder oben sind, hat der Himmel aufgerissen und die Sonne schien. Je weiter wir nun entlang der Klippe gehen, desto niedriger wird die Wand. Zwischendurch legen wir uns immer wieder an der Kante auf den Bauch und beobachten die Tordalken, Eissturmvögel, Dreifingermöwen, Papageientaucher, Seeschwalben und Trottellummen. Dabei sind die Landeanflüge aufs Nest und das Begrüßungsgeschnatter herrlich anzuschauen. Je näher wir zum Ende des Vogelfelsens kommen, desto mehr Papageientaucher sehen wir und sind verblüfft darüber, wie nahe man sich diesen Vögeln nähern kann, ohne dass diese sich stören lassen oder die Flucht ergreifen. Echt unglaublich!

Von der Sonne gebräunt und nach einem super schönen Tag mit viel frischer Luft, an dem wir viele herrliche Eindrücke von Millionen von Vögeln sammeln konnten, fahren wir in die Juhe zurück und lassen den Tag in einer gemütlichen Runde beim Abendessen ausklingen.