11. Tag (19. Juli 2004)

Auf dem Gipfel

Der Rückweg

Nach einer wirklich scheußlichen Nacht, ich vermute, dass ich mir gestern einen kleinen Sonnenstich eingefangen habe, ging es nun heute auf unsere größte Wanderung. Das Wetter ist gut, die Sicht klar und unser Gepäck für heute gepackt. Wir fahren ein Stück mit dem Auto nach oben und kämpfen uns anschließend zu Fuß über mächtig viel Geröll ziemlich steil ansteigend auf den Gipfel. Es ist phantastisch, wir stehen auf einem der höchsten Gipfel Islands und genießen die Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen. Von hier oben sind, im Gegensatz zum gestrigen Hausberg, auch die Hekla und der größte Gletscher Europas, der Vatnajökull zu sehen. Wow!! Nachdem wir die Aussicht ausgiebig genossen hatten und auch noch auf einen Nachbargipfel gestiegen waren, machen wir uns wieder an den Abstieg, der uns sehr leicht gemacht wird. Wir steigen über ein Schneefeld ab, und nach kurzer Zeit fangen alle an, mit großen Schritten den Hang hinunterzurennen, so dass wir in wenigen Minuten die Höhe verloren, die wir zuvor mühsam über eine Stunde lang erklommen hatten. Unten angekommen steigen wir noch ein kleines Stück über Geröll ab und machen anschließend ein Picknick. Wir befinden uns in einer irgendwie unwirklichen Welt. Es ist kein Grün zu sehen, an manchen Stellen auf der gegenüberliegenden Seite des Tals dampft es aus der Erde und kleine, heiße Quellen sind zu sehen. Die Farben des Gesteins sind Braun, Weiß, Ocker und teilweise Rot.

Nach der Rast brechen wir wieder auf und machen uns auf den Rückweg, immer dem talwärts fließenden Wasser hinterher. Es geht immer wieder hoch und runter, manchmal sind grüne Flecken aus Algen und Moosen an den Stellen zu finden, an denen warmes Wasser aus der Erde dringt. Am Ende des Wegs erfolgte nochmals ein steiler Anstieg, nach dessen Überwindung ich ziemlich kaputt bin. Als nach einer Rast wieder alle beisammen waren, sollten wir den Fahrweg zur Unterkunft zurückgehen, während Ole das Auto holte. Da ich nur noch ankommen wollte, sind Renate und ich schon einmal vorgegangen, während der Rest der Gruppe noch die Aussicht genoss und auf Ole wartete, um das Gepäck im Auto abzuladen. Als wir bereits ein gutes Stück voraus waren und Ole noch nicht zu sehen war, kam ein Auto den Berg hinunter, und ich hielt nur so zum Spaß den Daumen raus. Als die netten Isländer hielten um uns mitzunehmen, kamen wir ins Gespräch, aber Renate kamen Skrupel, und so sind wir dann doch nicht mitgefahren. Jedoch schon als das Auto hinter der nächsten Kuppe verschwunden war, bereute Renate ihre Entscheidung, da ihre Knie schmerzten. So beschlossen wir, beim Nächsten mitzufahren. Doch es dauerte noch eine Zeitlang, bis der weiße Lkw mit Schweizer Kennzeichen auftauchte, den wir bereits weiter oben gesehen hatten. Er hält auch prompt, und da mittlerweile auch Ole zu uns aufgeschlossen hat, fahren wir im Camper-Aufsatz mit zurück zur Berghütte.

In der Unterkunft kommen wir sogar noch vor Ole an, dem so etwas noch nicht passiert ist, worüber er nur den Kopf schüttelt. Aber es nimmt uns keiner krumm, und so geht ein superschöner Tag im Hochland zu Ende, den niemand von uns so schnell vergessen wird.