10. Tag (18. Juli 2004)

Island Pferde

Das Hochland

Die Kerlingar Berghütte

Blick vom Hausberg

Wir verlassen heute auch schon wieder das Hauptquartier und sind auf dem Weg ins Hochland. Das Wetter ist zum Glück traumhaft schön, und so machen wir uns gut gelaunt und mit viel Vorfreude auf den Weg. Als wir von der Küstenstraße auf die geschotterte Hochlandstraße abbiegen, halten wir noch an einer Brücke. Auf der Koppel nebenan stehen Isländer, die berühmten Pferde der Insel. Der Bauer ist gerade dabei, sie auf eine andere Koppel zu treiben, und als das Gatter aufgeht und sich die ersten Pferde trauen, ist die Herde nicht mehr zu halten und stürmt im Galopp die Straße hinauf. Was für eine Pracht!

Wir folgen wieder der Piste und erreichen wenig später die Vegetationsgrenze. Von hier ab gibt es nur noch Steine und vereinzelt Moose, die in dieser unwirtlichen Welt existieren können. Bei wolkenlosem Himmel und jeder Menge aufgewirbelten Pistenstaubs, der unaufhaltsam in unser Auto eindringt, erobern wir das Hochland. Zum Mittag erreichen wir Hveravellir, ein geothermisches Gebiet, in dem es durch das heiße Wasser auch wieder etwas Grün gibt. Hier verbringen wir den Nachmittag, schauen uns die heißen Quellen an und marschieren ein bisschen durch die Lavafelder dort. Plötzlich zeigt Ole auf ein Loch im Boden und fordert uns auf hineinzukriechen. Als die meisten irritiert dreinschauen, zwänge ich mich durch das Loch und betrete eine komfortabel große Lavahöhle. Als schließlich die ganze Gruppe sich in der Dunkelheit versammelt hatte, erklärt Ole in seiner unnachahmlichen Art, wie hier über Jahre hinweg Gesetzlose gehaust haben. In der kalten Jahreszeit haben sie immer wieder bei den Bauern in den Tälern Tiere und vieles andere gestohlen, um sich anschließend hierher wieder zurückzuziehen. Wir können es uns kaum vorstellen, hier zu leben, vor allem im Winter nicht. Als wir wieder an der frischen Luft sind, hört man einzelne beruhigt durchatmen.

Wir schauen uns noch ein wenig mehr um und gehen dann wieder zum Bus zurück. Die meisten nutzen die Zeit nach dem Picknick und gehen eine Runde in einem natürlichen Hot Pot baden. Ich habe keine Lust darauf und lege mich in die Sonne, die heute den ganzen Tag vom Himmel strahlt. Nachdem die letzten vom Baden zurück sind und der Rest lange genug in der Sonne relaxt hat, fahren wir weiter auf der Schotterpiste durchs Hochland. Bevor wir endgültig Richtung Kerlingarfjöll abbiegen, fahren wir noch einen Aussichtspunkt an und haben einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Rhyolithberge, die wir morgen besteigen wollen. Ich hoffe nur, das Wetter bleibt so gut.

Wir biegen nun ab, die Piste wird noch erheblich schlechter. Wir durchqueren mehrfach den Wasserlauf, der neben der Piste verläuft. An einer Stelle durchfahren wir einen Zufluss gleich neben einem großen Wasserfall des Hauptstroms. Hier, denke ich, ist Island wohl am wildesten. Das graue Gletscherwasser stürzt in eine Tiefe, deren Grund wir aus dem Auto heraus gar nicht erkennen können. Ich wäre gern ausgestiegen, um mir dies näher anzuschauen. Aber der Tag heute war bereits lang, und so fuhren wir direkt zu unserer Unterkunft, einer Berghütte, in deren Matratzenlager wir am Fuße des Kerlingarfjöll heute nächtigen.

Doch vor dem Nachtessen hat Ole noch eine Idee, der ich anschließend auch folge. Ich besteige den Hausberg, den man laut Ole in einem kleinen Spaziergang in 10 Minuten erklimmen kann. Nach einer halben Stunde stehe ich recht nassgeschwitzt auf dem Gipfel und bin sehr beeindruckt. Die Aussicht ist heute phänomenal. Das gesamte Hochland ist zu erkennen. Die Sichtweite beträgt sicherlich weit über hundert Kilometer. Überall auf der Ebene glitzern Wasserläufe in der „abendlichen“ Sonne, und am Horizont liegt der gigantische Langjökull zwischen den schwarzen Berggipfeln. Auf der anderen Seite ist der Hofjökull von hier fast in seiner ganzen Größe vorstellbar. Jedenfalls kann man deutlich erkennen, wie diese gigantischen Eismassen von ihm herunterfließen und irgendwann zu Wasser werden.

Kurz nach mir sind noch Friederike, Britta, Jan und Frank oben angekommen, so dass wir zusammen wieder abgestiegen sind, als der frische Wind sich langsam durch die Kleidung bis auf die Knochen durchgearbeitet hatte.