6. Tag (06. November 2003)

Jardin du Roi

Anse Royal

Michael Adams

Sonnenuntergang

Heute setzte ich mich gleich nach dem Frühstück in den Bus und fahre auf die andere Seite der Insel zur Anse Royal. Ich will ein bisschen fotografieren und mich am Strand tummeln. Die Anse Royal besitzt ein ausgeprägtes Riff ziemlich weit draußen, so dass die ganze Bucht eher wie eine riesige Badewanne wirkt in der sich noch eine Insel zur Dekoration befindet. Ein sicherlich guter Ort um zu Schnorcheln.

Da ich jedoch unternehmungslustig bin dauert der Strandaufenthalt nicht sehr lange und ich mache mich auf den Weg zum Jardin du Roi, dem königlichen Gewürzgarten, meinem eigentlichen Ziel heute. Zuerst hole ich noch ein bisschen Proviant beim Inder an der Straße, frage nach dem genauen Weg und schlage dann die Straße in die Berge ein. Zu meiner Überraschung hält gleich darauf ein kleiner Lieferwagen dessen Fahrer schon zu wissen scheint, dass ich zum Jardin du Roi will. Er fragt mich gleich ob ich mitgenommen werden will. Na klar! Ich spring rein und erspare mir auf eine angenehme Weise ein ganzes Stück Fußweg. Beim Abzweig am Fuß des Berges lässt mich der nette Fahrer raus. Ich folge nun dem Weg der zwischen den Häusern hindurch steil ansteigt. Etwas oberhalb stehen sehr schöne Häuser mit entsprechender Aussicht und gepflegten Gärten. Weiter oben wird die Straße schmäler, die Gärten weniger gepflegt und der Regenwald dichter. Man könnte schon Zweifel bekommen ob dies noch der richtige Weg ist, jedoch zeigt ein Schild immer noch weiter bergan. Nach einem sehr steilen Schlussanstieg erreiche ich schließlich den Jardin du Roi, bezahle mein Eintrittsgeld und muss erst einmal Atem schöpfen. Das T-Shirt ist ziemlich nass, aber der Ausblick entschädigt schon dafür.

Im Jardin du Roi wurden erstmalig Gewürze auf den Seychellen angepflanzt um das holländische Gewürzmonopol zu brechen, was damit auch gelang. Doch leider haben die Franzosen den in jahrelanger Arbeit aufgebauten Gewürzgarten niedergebrannt, als ein vermeintlich englisches Kriegsschiff am Horizont aufgetauchte. Doch leider stellte sich das Schiff als befreundete französische Fregatte heraus. Die verkohlten Reste des Gartens waren nicht mehr zu retten. Seit fast zehn Jahren gibt es jedoch nun wieder einen neuen Jardin du Roi um den sich auch noch andere Geschichten ranken. So sollen die Besitzer des Geländes direkte Nachfahren des französischen Königs sein. Der Thronfolger soll nach der französischen Revolution unter mysteriösen Umständen unter dem Namen Poiret nach Mahé gekommen sein. Der damalige Gouverneur von Mauritius soll daraufhin ihm dieses Land zur Verfügung gestellt haben. Nach dessen Tod wurde bekannt, dass sich in seinem Besitz Gegenstände mit königlicher Herkunft befanden, was die Theorie natürlich weiter untermauerte.

Jedenfalls würde so eine Geschichte zu diesem Stück Land mit seinen alten Kolonialhäusern passen. Ich durchstreife den Garten schaue mir die einzelnen Büsche, Sträucher und Bäumen an. Manchmal ist es schon überraschend wie unsere Gewürze die wir fast täglich verwenden in Wirklichkeit aussehen. Z.B. Zimt, es ist prinzipiell nichts anderes als getrocknete und gemahlene Baumrinde.

So verbringe ich mehr als eine Stunde auf dem Gelände und entdecke auf meinem Rundgang einen Pfad der weiter in Richtung Berge führt. Auf meine Nachfrage hin erfahre ich, dass dies ein Weg auf die andere Inselseite nach Baie Lazare ist. Ich könnte somit von hier aus die Insel durchqueren und von den Bergen den einen oder anderen schönen Ausblick einfangen. Nach kurzem Überlegen habe ich mich spontan dazu entschieden. Der Pfad ist ausgewaschen, ziemlich steil und mir rinnt der Schweiß von der Stirn, über den Rücken bis zu den Zehen. Der sehr dichte Regenwald bietet jedoch reichlich Schatten. Zum Teil wäre es gar nicht so schlecht gewesen eine Taschenlampe dabei zu haben, da die Sonne hier den Boden nirgends erreichen kann. Der Weg wirkt teilweise recht duster, manchmal sogar unheimlich. Nach einer halben Stunde wurde schließlich das Grün wieder lichter, ich erreichte den Bergkamm und konnte einen schönen Blick über die Insel erhaschen. Von nun an führte der Pfad auf der anderen Seite wieder hinab bis ich plötzlich mich in einem Hinterhof mit Schweinestall und allem möglichen Abfall befand. Ich war überrascht und hatte keinen Plan. Im ersten Augenblick dachte ich daran einen Abzweig weiter oben verpasst zu haben, jedoch auf Nachfrage wurde mir versichert das dies der Weg sei, der durch die Gärten und Hinterhöfe der Häuser auf die Straße führe. Hier oben in den Bergen wohnen eher die ärmeren Leute der Seychellen und vor diesem Hintergrund macht auch die Frage der Frau im Jardin du Roi Sinn: „Haben Sie Geld im Rucksack dabei?“ So beeilte ich mich durch die Gärten und über die Terrassen der Häuser auf die Straße zu kommen und dieser weiter zu folgen. Die Straße hat sich noch an einigen kleineren Höhenzügen vorbei nach Baie Lazare hinunter gewunden, wo ich in einem Café nun erst einmal eine kühle Cola genieße.

Hier in Baie Lazare ist der berühmte Maler Michael Adams zu Hause, dessen Galerie ich nach meiner Pause aufsuche. Das alten Kolonialhaus in dem sich die Galerie befindet liegt direkt an der Hauptstraße, ist jedoch kaum zu erkennen, wenn kein Schild am Straßenrand darauf Aufmerksam machen würde. Es scheint sich regelrecht verstecken zu wollen unter dem hohen, wild wuchernden Regenwald. Ich trete ein, es ist niemand hier und es taucht auch niemand auf so lange ich da bin. Ich schaue mir die Bilder in ihrer Farbenpracht genau an. Ich komme mir fast wie in einem Museum vor. Von der Decke hängen Ventilatoren, in der Ecke steht eine alte Standuhr und in der Mitte des Raum ein kleiner alter Tisch mit Stühlen. Überall an den Wänden hängen seine Bilder und in der Ecke stehen große Theken in denen sich wohl noch mehr Bilder befinden. Es ist einfach schön.

Da ich den Rückweg zur Anse Takamaka nicht auch noch zu Fuß zurücklegen will warte ich auf den Bus. Es muss wohl das älteste Vehikel sein welches Sie noch haben. Bezeichnend finde ich den Spruch der über dem Fahrer steht: „This bus is protected by god!“ Also will ich es hoffen, denn schlecht gefahren ist besser als gut gelaufen.

In den Batista Villas angekommen ziehe ich erst einmal meine Badehose an und gehe mich im Meer entspannen. Nach der anschließenden Dusche gibt sich auch noch die Sonne mit einem grandiosen Sonnenuntergang besonders Mühe, so dass ein herrlicher Tag zu Ende gegangen ist.