22. Tag (22. November 2003)

Coco de Mer

Valleé de Mai

Heute lasse ich mir meinen Verband ein letztes Mal wechseln und dann wird die Sache hoffentlich auch soweit ausgestanden sein. Der Bus war brechend voll als er angekommen ist. Als jedoch die ganzen Touris aus dem Guesthouse noch mit eingestiegen sind lief der Schweiß nur so in Strömen. Der Tata Bus quälte sich wie immer im ersten Gang die 30%ige Steigung hinauf und zu dem geöffneten Fenstern kam kein Lufthauch herein. Auf der anderen Seite hatte man alle Mühe beim Durchfahren der Serpentinen sich mit aller Kraft festzuhalten um nicht umzufallen.

Im Krankenhaus ging das Verbinden recht schnell und ich schnappte den nächsten Bus ins Vallée de Mai, dem National Park im Herzen von Praslin. Am Eingang löste ich mein Ticket und ließ mich ganz geruhsam in eine urzeitliche Zeit unter den Coco de Mer Palmen versetzen, die seit mehreren Millionen Jahren nur hier wachsen. Gleich am Eingang des Parks steht man nur noch staunend vor den riesigen Palmen und Palmenblättern. Man hat das Gefühl als ob man sich in einer prähistorischen Zeit befindet und rechnet jeden Moment fest damit das gleich über den Köpfen der Menschen Riesenlibellen und Flugsaurier hinwegfliegen. Am Boden herrscht kaum Vegetation, riesige abgestorbene Palmblätter bedecken den Boden, das Blätterdach ist dicht geschlossen, nur an wenigen Stellen trifft Sonnenlicht auf den Boden. Wenn der Wind in die Palmwedel greift und diese gegeneinander drückt könnte man annehmen Trommelschläge zu hören.

Ich lasse mich langsam auf den vorgegebenen Pfaden durch das Grün treiben und betrachte manche Details mit großem Interesse genau. Die Palmwedel die bereits abgestorben auf dem Boden liegen zeigen nach längerer Zeit eine immer noch überraschende Festigkeit und die Oberfläche fühlt sich bei Berührung immer noch erstaunlich glatt und angenehm an. Fast als wenn diese Blätter aus Kunststoff hergestellt wären.

Am nördlichen Ende des Parks gibt es einen kleinen Aussichtspunkt und eine Bank auf der ich es mir über eine Stunde lang bequem mache. Zwischendurch kommen einzelne Touristen und gehen auch wieder. Es ist einfach schön Zeit zu haben.

Irgendwann erreiche ich den Ausgang wieder und wollte noch die Straße entlang zu einem Wasserfall laufen. Als ich jedoch unterwegs bin erscheint mir der Besuch beim Wasserfall als ein wenig überflüssig und so strecke ich eher gelangweilt als mit kalkulierter Absicht meinen Daumen raus, als wieder einmal ein Motor zu hören war. Der kleine Kipplaster hält an, ich springe hinten auf die Ladefläche und „surfe“ sozusagen auf der Straße der Grand Anse entgegen. Dort steige ich wieder ab und gehe gleich gegenüber in einen Take Away um zur Abwechslung mal wieder einen Fisch zu essen.

Die fast zwei Stunden die ich anschließend auf den Bus warten musste verbringe ich auf einer Mole, am Horizont ist Mahé zu erkennen und darüber bilden sich riesige Quellwolken die die Insel zu duplizieren scheinen. Es ist immer wieder beeindruckend zuzusehen wie sich diese riesigen Wolkengebirge bilden, auflösen, weiterziehen oder irgendwo am Horizont abregnen. Innerhalb von Minuten kann sich die Form komplett verändern und sich bewegen als ob es etwas Lebendiges wäre.

Durchaus lebendig ging es auch anschließend an der Bushaltestelle zu, denn es kann unterhaltsam sein die Leute auf der Straße zu beobachten und einfach nur zuzusehen wer wie seine Zeit verbringt. Doch schließlich kam der richtige Tata Bus und ich konnte wieder zur Unterkunft zurückfahren.