14. Tag (14. November 2003)

Vor der Wand aus Granit

Anse Marron

Südspitze

Anse Source á Jean

Ich hatte bereits vor meiner Ankunft hier auf La Digue vorgenommen die Südspitze der Insel zu umrunden. Mit gepacktem Rucksack mache ich mich auf dem Weg quer über die Insel zur Grand Anse, komme am Chateau St. Cloud vorbei und folge weiter der Straße. Kurz vor der Grand Anse biege ich rechts ab und folge einem schmalen Pfad nach Süden. Als der Weg an einem Granitfelsen ankommt schenke ich nach links da es auf den ersten Blick so aussieht als ob der Weg hier weitergeht. Jedoch lande ich gleich darauf knietief im Morast. Dies war wohl die falsche Richtung. Da ich nicht weiß wo es weitergeht marschiere ich wieder an die Straße zurück und frage dort ein paar Einheimische. Sie erklären mir, dass der Weg rechts über die Felsen weitergeht. Als ich wieder an die Stelle zurück komme erkenne ich den Trampelpfad und steige in die Felsen hinauf. Wenig später erreiche ich die nicht so schöne Anse Songe. Ich wasche mir erst einmal die mit getrockneten Schlamm bedeckten Beine im Meer. Dort treffe ich noch auf Fischer mit denen ich kurz ins Gespräch komme und erzähle, dass ich heute um die Südspitze gehen will. Sie lächeln nur müde und erklären mir, dass es für mich wohl aussichtslos ist den Weg dorthin zu finden. Nun ja ich schenke dieser Aussage wenig an Bedeutung, gehe weiter und stehe am Ende dieser Bucht vor einem Berg aus Granit. Ich schaue mich aufmerksam um, jedoch kann ich nicht den geringsten Ansatz eines Weges entdecken. Mag dies nun das Ende meiner heutigen Wanderung bedeuten? Ich habe keine Chance und entschließe mich zu den Fischern zurück zu gehen um mir ein paar Tipps geben zu lassen.

Zufälligerweise kommt mit auf dem Weg dann ein älteres französisches Ehepaar entgegen die ich nach dem Weg Frage. Wie sich schnell herausstellt wollen Sie dieselbe Tour wie ich machen. Sie kennen den Weg im Gegensatz zu mir gut, da sie bereits seit 25 Jahren nach La Digue kommen und die Südspitze schon mehrfach umrundet haben. So frage ich ob ich mich ihnen anschließen dürfte. Zu dritt gehen wir dann wieder an die Granitfelsen und machen erst einmal eine Pause. Derweil klettert er durch die Felsen und sucht nach einer Möglichkeit daran vorbeizukommen. Nach einer Viertelstunde ist alles klar und wir klettern fortan über Felsen, kriechen durch Spalten und Tunnel, waten durchs Wasser und brechen uns durchs Unterholz und die üppige Vegetation. Eine Machete wäre an manchen Stellen ganz sinnvoll gewesen, jedoch hatten wir keine dabei und so haben wir mit bloßen Händen die Äste und Zweige abgebrochen um uns den Weg zu bahnen. Alleine hätte ich diesen Weg auf keinen Fall gefunden. Doch schließlich erreichen wir einen Felsvorsprung und können den ersten Blick auf die Anse Marron werfen. Es ist ein wunderschöner, einsamer Sandstand der in einer kleinen Bucht mit großen Wellen liegt und auf beiden Seiten von gigantischen Granitfelsen eingerahmt wird. Dort verbringen wir den Tag. Ich habe mich mehrfach in die Fluten gestürzt um mich von den Wellen hin und her werfen zu lassen. Im Sand waren sogar Spuren von Meeresschildkröten zu erkennen, die hier irgendwo im Sand ihre Einer abgelegt haben muss. Es ist einfach schön hier! Das französische Ehepaar hat sich vor einer Stunde zum Picknick verabschiedet, doch jetzt interessiert es mich doch wohin sie gegangen sind und folge ihren Fußspuren im Sand durch die Felsen. Gleich um die Ecke entdecke ich sie beim Picknick im Schatten unter einen riesigen Felsen. Es scheint als ob dieser bizarre Koloss auf einem kleinen Ständer stehen würde und von nichts Anderem gehalten wird als seinem eigenen Gewicht.

Anschließend verlassen wir diesen wunderschönen Ort wieder und gehen quer durch die Felsen mit ihren Aus- und Durchblicken zur Anse Source d’Argent. Zuerst kommen wir an die Anse Bonnet Carré und treffen an deren Ende wieder auf eine Art Trampelpfad dem wir weiter folgen. Am Horizont hinter den Bergen ist auch bereits die Nachbar Insel Praslin zu sehen, doch bevor wir letztendlich den Anse Source d’Argent erreichen müssen wir noch durchs Wasser waten um eine weitere Felsformation zu umrunden. Doch schließlich haben wir es geschafft und haben die Südspitze der Insel umrundet.

Es ist ein fast wolkenloser Himmel heute Abend und deshalb beschließe ich noch zum Haus mit der Terrasse zu gehen um mir von oben den Sonnenuntergang anzuschauen. Als ich dort nach einer sportlichen halben Stunde ankomme ist die Aussicht phantastisch. Ich bestelle mir eine Cola und genieße den Sonnenuntergang und das Schauspiel als überall auf La Digue und der Nachbarinsel Praslin langsam die Lichter angehen während es immer dunkler wird. Mit Taschenlampe bewaffnet mache ich mich anschließend auf den Rückweg und es geht wieder einmal ein wunderschöner Tag zu Ende.