11. Tag (11. November 2003)

Lebendes Transportgut

Die Clarté

Ich verlasse die Batista Villas nach dem Frühstück bei dem ich noch mit Gabi und Michael zusammengesessen bin. Ich dachte es ist eine gute Idee mit dem Bus nach Victoria zu fahren und von dort das Frachtboot nach La Digue zu nehmen, wenn ich schon den ganzen Tag dazu Zeit habe. Mit dem Bus ging es gut bis nach Victoria. Als ich am Terminal angekommen bin wurde mir mitgeteilt, dass der Schoner so gegen 12.00Uhr ablegen würde. Ich begebe mich an den Kai an dem das Boot festgemacht hat. Es ist ein recht kleines Boot, welches gerade mit jeder Menge Steine und Baustoffe, dazu kistenweise Bier und sonstigen Dingen beladen wird. Der Kahn liegt schon ziemlich tief im Wasser, wie man sagt ist die See jedoch zu dieser Jahreszeit recht ruhig und somit wird das wohl kein Problem sein. Wie es aussieht werden auch noch andere Passagiere mitfahren, so dass ich darüber nicht mehr weiter nachdenke.

Nachdem noch ein paar weitere Kleinlaster Pakete, Fracht, die Post und fünf Kisten mit lebenden Küken angeliefert haben und alles noch irgendwo verstaut wurden ging ich auch an Bord. Wir liefen aus dem Hafen aus, vorbei an einer vorgelagerten Insel und steuerten schnurstracks auf La Digue zu. Als wir jedoch die geschützten Gewässer verließen, traf uns die Dünung des Indischen Ozeans voll von der Seite. Die Clarté, ein ca. 18m Boot fing augenblicklich zu Rollen und Stampfen an. Der Himmel ist bedeckt und die Sicht diesig, so dass Parslin und La Digue am Horizont noch nicht zu erkennen sind. Wir fahren die ganze Zeit quer zur Dünung und das Rollen des Boots war teilweise so stark das immer wieder Wasser über die seitliche Bordwand schwappte um wieder abzufließen als sich das Boot aus dem Wasser hob. Die Besatzung war jedoch sehr entspannt und somit nahm ich es auch nicht all zu Ernst.

Zuvor in Victoria ist noch ein Passagier mit an Bord gegangen der irgendwie klischeehaft einem schrulligen Wissenschaftler ähnelte und sich am Bug des Bootes die Fahrt über langlegte. Als Schwarzweißfotografie wäre dieser Typ mit seinem Bart, der Nickelbrille und der Lupe sowie seiner Umhängetasche und den Klamotten locker als Jemand aus dem letzten Jahrhundert glaubhaft gewesen. Beim Ausladen im Hafen von La Digue habe ich dann mitbekommen das es sich bei ihm um einen, jedenfalls auf den Seychellen bekannten deutschen Maler handeln soll. Nun ja so trifft man auch noch Prominente.

Nach dreiviertel der Überfahrt forderte das Geschaukele seinen Tribut. Ich musste die Fische füttern! Anschließend ging es mir jedoch erstaunlicherweise wieder gut und ich habe den Rest der Fahrt gut überstanden. Ich war jedoch trotzdem froh, nachdem wir endlich nach knapp vierstündiger Überfahrt angekommen sind. Gleich als ich von Bord war schnappte ich meinen Rucksack und lief los. Nach der Ankunft im Guesthouse wurde ich zuerst mit einem überraschten Gesicht begrüßt, da die Leute hier eine Frau erwarteten. Nun ja nachdem dies kein Problem darstellte wurde gleich auf ein kleineres Problem hingewiesen. Es ist voll und ich müsste umquartiert werden!

Was ich im ersten Moment dachte kann ich so nicht mehr genau wiedergeben, jedoch wollte ich mir die Sache zuerst einmal anschauen. Sie sprach von einer Villa, auf deren Grundstück noch Platz zum Übernachten wäre. Ich stellte mir also eine alte Kolonialvilla vor in deren muffigen Räumen ich nun nächtigen sollte. Aber wie es oftmals im Leben ist habe ich mich getäuscht. Es war ein neu gebautes großes Haus mit zwei Zimmern, einer riesigen Terrasse und wunderschön in einem Garten gelegen. Als ich dies gesehen habe waren die Buchungsprobleme für mich kein Thema mehr.

Meine Zimmernachbarn waren Rolf und Marise, die in Deutschland förmlich bei mir um die Ecke wohnen. Wir sind auch gleich problemlos ins Gespräch gekommen und hatten anschließend beim Essen einen schönen Abend.