7. Tag (21. Juni 2002)

Der Lattefossen

Am Buer Gletscher

Ein Sonnenuntergang

Nachdem die Campingplatz Besitzerin am Morgen nochmals vorbeigekommen ist konnten wir auch noch unsere Hütte bezahlen, da gestern Abend Niemand bei uns aufgetaucht ist. Somit war alles klar. Wir fahren den Pass auf das Haukelifjell immer höher hinauf und oben eröffnet sich uns ein herrliches Panorama aus Fels und Schnee, durchzogen von Seen auf denen noch Eisschollen treiben. Die Sonne scheint und es wird ein herrlicher Tag werden. Den Straßentunnel wollten wir über eine kleine Straße umfahren, jedoch versperrte nach ein paar hundert Metern ein Schneefeld das Weiterkommen. So stellten wir spontan das Auto ab und genossen den schönen Tag, die kalte, klare Luft und die Ruhe hier oben. Gerade als wir umgekehrt sich kommt uns völlig überraschend noch Michael in seinem Golf entgegen. Wir quatschen noch ein bisschen und beschließen heute zusammen weiterzufahren.

Anschließend fuhren wir also doch durch den Tunnel weiter Richtung Roldal. Die Tunnel hier in Norwegen sind schon ein Abenteuer für sich. Die Röhren werden direkt aus dem Granit herausgesprengt und sind am Rand von scharfkantigen Felszacken geprägt, die Beleuchtung ist auf das Minimalste begrenzt und zum Teil erscheint alles ziemlich schmal, zumal man sich mit dem Auto nicht unbedingt nahe an die Tunnelwände wagt.

Als wir wieder ans Tageslicht kamen führte die Straße steil nach Roldal hinab. Am Ortseingang empfängt uns ein tolles Blütenmeer am Straßenrand. Es ist schon verblüffend wie schnell man hier zwischen Winter und Frühling wechseln kann. Nach Roldal geht es noch mal bergan, bevor wir zum Fjord hinunterfahren.

Wir kommen an den Lattefossen vorbei und halten natürlich an um uns die zu Tal stürzenden Wassermassen genauer anzuschauen. Die Straße verläuft direkt vor dem Wasserfall vorbei und ist von der Gischt pitschnass. Die Wassermassen sind schon gewaltig und durch den Donner kann man sich kaum verständigen. Ziemlich angefeuchtet fahren wir weiter nach Odda wo wir nach Buer abbiegen um dort zum Buar Gletscher zu wandern.

Wir schnallen den Rucksack auf den Rücken und gegen immer bergauf Richtung Gletscher. Zuerst noch durch Baumbewuchs, später wird der Weg abenteuerlicher. Er führt über kleine Hängebrücken, Stege und zum Teil ziehen wir uns nur an fest angebrachten Seilen bergwärts. Rechts unter uns rauscht das Gletscherwasser weiß schäumend an uns vorbei zu Tal. Der Blick zurück auf den Fjord und die umliegenden Bergen wird mit jedem Meter den wir höher steigen schöner, aber auch die Eismassen nehmen mit jedem Meter den wir ihnen näher kommen größere Dimensionen an. Wir erreichen schließlich die in der Sonne bläulich schimmernden Eismassen am Gletschertor und sind von der Größe schwer beeindruckt. Erst hier kann man sich wirklich vorstellen wie ein Gletscher den Felsen unter sich bearbeitet und formt. Der Gletscherwind hier, der doch recht stark und vor allem recht kühl vom Gletscher herunterweht treibt uns zum Rückzug, so dass wir drei beschließen etwas abzusteigen um unsere mitgebrachte Brotzeit zu verspeisen und die Sonne genießen. Die Aussicht ist genial und wir können fast nicht genug davon bekommen. Doch schließlich geht alles zu Ende und wir steigen wieder zum Auto ab. Michael verabschiedet sich dann doch überraschend schnell und so haben wir unsere heutige Begleitung wieder verloren. Aber vielleicht treffen wir ihn ja noch mal irgendwo im hohen Norden Europas.

In Odda gehen wir anschließend noch ein bisschen bummeln, bevor wir noch weiterfahren um uns in Kinsarvik wieder einmal eine Hütte zu nehmen und zu übernachten. Nachdem Silke mit viel Geschickt unter einfachsten Bedingungen wieder ein tolles Essen gezaubert hat und ich den Abwasch hinter mich gebracht habe gingen wir noch ein bisschen spazieren. Bis wir schließlich am Fähranleger uns den nicht enden wollenden Sonnenuntergang angeschaut haben. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn es keine richtige Nacht mehr gibt.