6. Tag (20. Juni 2002)

Lysebotn Fjord

30 Serpentinen

Unsere Zeit am Predigerstuhl ist um, wir packen wieder zusammen und machen uns auf den Weg zur Fähre mit der wir den ganzen Lysefjord bis nach Lysebotn entlangfahren wollen. Wir sind früh dran und warten am Anleger auf die Fähre, die aus Stavanger kommt. Hier lernen wir noch ein älteres Ehepaar und auch Michael aus Zwickau kennen, der alleine unterwegs ist. Er hat für die Fähre keine Reservierung wie wir, aber viel Glück und so kommt er auch noch als letztes Fahrzeug an Bord. Wir gingen nach oben auf Deck und eroberten uns noch ein paar Stühle bevor die Fahrt losging.

Zuerst unterquerten wir die imposante Brücke über die wir zuvor mit dem Auto zum Fähranleger gefahren sind. Weiter geht es nun in den Fjord hinein. Der Blick öffnet sich und wir können das Ende bei Lysebotn erkennen. Zuvor führt die Fahrt an schroffen, senkrecht aus dem Wasser aufsteigenden Felswänden vorbei. Unser Kapitän fährt an einer Stelle mit der Fähre bis fast auf einen Meter an die Wand heran. Die klassischen Klänge aus der Lautsprecher werden deutlich reflektiert und es verbreitet sich eine ganz eigene Atmosphäre an Bord aus.

Weiter auf der Fahrt ist plötzlich der Preikestolen in der Felswand zu erkennen. Von hier unten sieht er ziemlich klein aus, jedoch kann man erst aus dieser Blickrichtung erkennen wie beeindrucken dieser Felsvorsprung regelrecht an der Wand klebt. Es wird von den Touris mächtig viel fotografiert auf der Fahrt, auch als wir auf die andere Seite des Fjords wechseln und ein paar Stopps machen um Fracht an ziemlich einsame Behausungen und Siedlungen entladen.

Kurz bevor wir unser Ziel am Ende des Fjords erreichen konnten wir noch den beeindruckenden Felsen von Kjerag sehen, der freischwebend in einer Felsspalte 1000m über dem Fjord hängt. In der Nähe davon müssen noch einige Gleitschirmflieger auf die Fähre gewartet haben da genau zu diesem Zeitpunkt drei von Ihnen zur Begeisterung der Touris von den Fjordwänden abgesprungen sind.

Von Lysebotn aus führte die Straße anschließend recht spektakulär über ca. 30 Haarnadelkurven auf die Hochebene hinauf. Oben befand sich der Parkplatz von dem aus man zum Kjerag Aussichtspunkt hätte gehen können. Uns war jedoch die ungefähr 8 Stunden für Hin- und Rückweg einfach zu viel und deshalb sind wir über die sehr karge und teilweise noch schneebedeckte Hochfläche ins Otradal weitergefahren. Wir folgten dem Flusslauf und übernachten am Abend in einer tollen Hütte in der Gegend von Haukeli direkt neben einem See. Somit war es doch gut, dass wir nicht direkt an der Straße übernachtet haben wofür ich mich kurzentschlossen entschieden hätte. Da so früh im Jahr noch keine richtige Saison herrscht sind wir so gut wie alleine. Wir suchen uns eine Hütte aus und nehmen diese in Beschlag. Wie auf einem Schild zu lesen ist, sollen wir einfach das Besetztschild hinaushängen und heute Abend bezahlen, wenn Jemand vorbeikommen wird.

Nachdem wir noch ausgepackt haben machen wir noch einen kleinen Spaziergang und entdecken eine Skisprungschanze, die wir auch gleich erklimmen und einen Blick über den See und den Campingplatz erhalten.