5. Tag (19. Juni 2002)

Am Rande des Wegs

Der Preikestolen

Der Morgen fängt langsam an, wir machen uns keinen großen Stress beginnen irgendwann man Morgen unsere Tour auf den Preikestolen, dem überragenden Felsen, hoch über dem Lysefjord. Wir haben noch etwas Proviant eingepackt und starten am Parkplatz, der nur spärlich besucht ist. Der Weg führt gleich zu Beginn steil bergan und uns kommen schon die ersten Leute entgegen die schon früher als wir aufgebrochen sind. Den ersten Aussichtspunkt erreichen wir recht bald und können den ersten Blick auf die doch schon recht tief unter uns liegende Jugendherberge werfen, die an einen nun sehr ruhig liegenden See liegt. Am Horizont kann man durch die Wolken den Hogsfjord erkennen. Nach kurzer Rast gehen wir weiter und durchstreifen auf holzbeplanktem Pfad die Moore die den Weg säumen. Es folgt nun der schwerste Teil des Wegs. Es geht über jede Menge Felsen und Steine hinauf auf einem Kamm von dem wir in einiger Entfernung den ersten kleinen Teil des Lysefjords sehen können. Die Anstrengung hat sich bis hier schon einmal gelohnt. Weiter geht es nun im leichten Auf und Ab, an Wollgrasfeldern und kleinen Wasserläufen vorbei immer weiter Richtung Rock. Wenn man sich von hier aus umschaut sind schon jede Menge Seen und Tümpel auf den Anhöhen um uns herum zu sehen. Die Landschaft ist schon einmalig, wenig bewachsen, man könnte fast Glauben die ganze Welt besteht nur aus Granit, wo das Wasser kaum versickern kann und sich in unzähligen Seen sammelt um anschließend meist über Wasserfälle ins Meer zu stürzen.

Schließlich erreichen wir die Felskante die fast senkrecht zum Fjord abfällt. Wir gehen an der Kante entlang weiter zum Preikestolen und erreichen nach ein paar hundert Meter unser Ziel. Im ersten Moment erscheint der Ort wenig spektakulär. Jedoch erst auf den zweiten Blick erkennt man genau das sich dieser Fels wie eine riesige Plattform, die an drei Seiten senkrecht über 600m tief in den Fjord abfällt über den Fjord zu schieben scheint. Ein erstes komisches Gefühl im Magen stellt sich ein als ich mich näher an die Kante wagte. Der Fuß des Felsen ist nur zu erkennen, wenn man flach auf den Bauch legt und sich soweit vorwärts schiebt bis der Kopf über die ungesicherte Kante hinausragt. Wow! Nach den ersten Eindrücken ziehen wir uns in ein etwas windgeschütztes Eck zurück und stärken uns erst einmal.

Während ich noch die Felswand oberhalb des Preikesolen hinaufgestiegen und einen phantastischen Blick von oben auf den Rock hatte ist Silke auf der Plattform geblieben und hat sich an der Schönheit des Lysefjords kaum satt sehen können.

Mit der Zeit kommen immer mehr Leute hier herauf und nach gut einer Stunde wir entschließen uns wieder den Rückweg anzutreten. Es scheint als ob die ersten Busse des Tages hier angekommen sein müssen, da die Massen an Leuten immer mehr anschwellen. Zum Teil mit atemberaubenden Schuhwerk und total verschwitzt. Damit zeigt sich auch, dass der Preikestolen eine der größten Touristenattraktion Norwegens ist.

Beim Abstieg hat es sich wieder ein bisschen zugezogen und auch kurz geschauert, so dass wir leicht angefeuchtet wieder in der Juhe zurück waren. Nach einer kurzen Erholung und dem Aufblitzen der Sonne kamen wir noch auf die Idee einen Spaziergang um den so friedlich daliegenden See zu machen. Der Weg war zwar mit 2 ½ Stunden angegeben, jedoch dachten wir das dieser doch recht eben verlaufen wird. Dies war jedoch nicht ganz der Fall. Zuerst mussten wir einen Felsvorsprung überwinden und der Weg stieg steil an. Es ergaben sich dadurch jedoch immer wieder sehr schöne Ausblicke auf den See und die umliegenden Berge. Über Stock und Stein ging es weiter. Wir kamen wieder nach unten an die Wasserlinie und überquerten jede Menge Wasserläufe, den größten davon auf einen quergelegten Baumstamm. Nach der Hälfte des Wegs, auf der anderen Seeseite wurde der Weg teilweise immer mehr zum aufgeweichten Morast. Ein Umkehren kam nicht in Frage und so waren wir über unser guten Schuhwerk und unsere Geschicklichkeit recht froh. Schließlich kamen wir ziemlich geschafft wieder in der Juhe an. Das Bier anschließend hat richtig gezischt und unheimlich gut geschmeckt.