20. Tag (31. Oktober 2001)

Cloncurry Airport - QLD

Die Fahrt geht nach Queensland und weil ich kaum schlafen kann werde ich zwischendurch mal wieder wach. Als ich aus dem Fenster schaue stelle ich fest, dass die einzige West-Ost Verbindung, dieser Barkly Highway nur aus einer befestigten Spur besteht, die sich der Verkehr in beide Richtungen teilt. Es ist kaum zu glauben, ein großer Highway mit nur einer Spur. Wenig später nicke ich dann doch ein und werde aber gleich darauf wieder vom zweiten Busfahrer geweckt, weil es wegen Unfallgefahr verboten ist die Beine über den Gang hinaus zu stecken. Also kurz gesagt, ich war sehr froh als die Sonne wieder aufgegangen ist und wir Mt. Isa erreicht hatten.

Vom Transit Center aus laufe ich mit meinem Gepäck zur Tourist Information von wo aus eine Touren durch die Kupfer-, Zink-, Blei- und Silbermine von Mt. Isa starten soll. Die Luft ist angenehm kühl, die Sonne steigt rasch und als ich dort ankomme ist noch alles geschlossen und ich bin der einzige Mensch dort. Wenig später gesellt sich noch jemand aus Japan dazu. Kurz bevor es losgehen soll kommen noch einige andere Besucher und schließlich auch Eleen, die uns zur Tour abholt. Es ist eine Underground Mining Tour durch eine noch voll arbeitende Mine. Als ich dies vor ein paar Tagen hörte und telefonisch buchte war ich darüber sehr überrascht, da es sehr selten ist das Touris in eine Mine einfahren können.

Als erstes werden wir entsprechend ausgerüstet. Jeder erhält einen Overall, Helm, Gürtel, Grubenlampe, Handschuhe, Schutzbrille und eine Staubmaske. Kurz nachdem wir die Sicherheitsschleuse der Mine passiert hatten wurde uns per Video die Sicherheitsausrüstung erklärt. Ein komisches Gefühl! Anschließend hängen wir unsere Ausweise auch an das Brett, auf dem alle Kumpels die in die Mine eingefahrenen ihre Ausweise hängen. Damit wird überwacht wie viele Kumpels eingefahren sind und wo ihr Aufenthaltsort in der Mine ist. Und los geht’s! Wir hatten noch keine große Vorstellung wie dies nun ablaufen sollte und deshalb hat uns Ralf, unser Guide die Mine an einer Schautafel erklärt. Es handelt sich um eine der größten Untertage Mine der Welt. Jährlich werden ca. 11 Millionen Tonnen Erz gefördert. Die Tunnel erstrecken sich auf eine Länge von ca. 1.000km in 32 verschiedenen Ebenen. Zukünftig wird die Mine weiter vergrößert und soll in neue Tiefen vorstoßen, weil dort ein weiteres, sehr großes Kupferlager entdeckt wurde. Wir werden aber mit dem Korb „nur“ auf Ebene 19 hinunterfahren, was ungefähr einer Tiefe von 1.000m entspricht. Wir steigen in einen umgebauten Geländewagen ein und fahren damit direkt in den Korb. Die Türen werden geschlossen und nach knapp drei Minuten erreichen wir den 19. Level. Nach einer kurzen Wartezeit werden die Türen öffnet und wir erkennen das der Korb immer noch fast einen halben Meter pendelt, aber wir fahren trotzdem oder gerade deswegen mit Vollgas aus dem Korb.

Nun sind wir also fast einen Kilometer unter der Oberfläche und wollen mit dem Auto durch die unendlich vielen, weit verzweigten Tunnel zurück an die Oberfläche fahren. Zuerst schauen wir uns die Aufenthaltsräume in dieser Ebene an, die eigentlich fast überall sein könnten, wenn man nicht gerade auf die aus dem Fels herausgesprengten Wände schaut und vergisst das keine Fenster vorhanden sind. Als wir aus dem klimatisierten Raum wieder in den Tunnel gehen merke ich erst wie warm es eigentlich Untertage ist. Auch die Orientierung habe ich nach kaum einer Minute völlig verloren und wäre schon hier in die falsche Richtung gefahren. Unser Guide meinte nur, dass dies völlig normal sei und sich ein Minenarbeiter erst nach ca. 6 Monaten selbständig hier unten orientieren könnte. Er kennt sich nach Jahren gut aus und so fahren wir zielsicher durch die Tunnels. Der Schachtwind bläst uns teilweise recht kräftig ins Gesicht. Wir passieren eine der wenigen „Airlooks“ die den Schachtwind im Tunnellabyrinth in einzelne Tunnelsegmente lenkt und fahren zu einem Arbeiter der damit beschäftigt ist mit einem hydraulisch betriebenen Bohrer die 6m langen Löcher für den Sprengstoff zu bohren. Als nächstes besuchen wir ein Team welches gerade dabei ist einen 260m tiefen senkrechten Schacht zu bohren. Hierzu wird eine ganz spezielle Bohrtechnik eingesetzt, da mit Frontladern nicht gearbeitet werden kann. Immer wieder erzählt uns Ralf wie die einzelnen Schritte in einem Bergwerk ablaufen um möglichst sicher einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Als nächstes besuchen wir die wirklich riesige Werkstatt in der die tonnenschweren Frontlader gewartet und repariert werden. Dies ist notwendig da der Transport an die Oberfläche viel zu lang dauern würde und zu aufwendig wäre.

Weiter geht es immer dem Schild „Surface Escape Way“ hinterher und wir schauen uns noch genau an wie das Erz gebrochen und anschließend gefördert wird. Zwischen den einzelnen Ebenen gibt es im Abstand von ca. 10-15m sogenannte Unterebenen. Hier sehen wir nun wie ein Arbeiter in den vorgegebenen Abständen von der oberen zur unteren Ebene durchbohrt. Ralf erklärt uns dabei, dass anschließend diese Löcher mit Sprengstoff gefüllt und dieser, nach der Evakuierung der Mine von der Oberfläche aus gezündet wird. Dabei wird mit ca. 60 Tonnen Explosivstoff in einem „Massive Blast“ ca. 350.000 Tonnen Erz aus dem Berg gesprengt. Dieses gebrochene Gestein fällt in die untere Ebene, von der es mit den Frontladern anschließend abtransportiert wird. Ist alles aus dem Stollen abtransportiert wird dieser mit den Frontladern gleich wieder verfüllt und das Erz somit von unten nach oben abgebaut.

Nach mehr als drei Stunden im Untergrund erreichen wir schließlich wieder die Oberfläche und obwohl ich keinerlei Beklommenheit hatte war es trotzdem schon ein Gefühl der Erleichterung wieder die Sonne zu sehen. Somit sind wir wieder am Anfang zurück, wir nehmen wieder unsere Karte vom Brett, passieren die Sicherheitsschleuse und fahren zurück zur Tourist Information wo wir uns wieder umziehen können. Leider ist somit eine sehr spannende Tour zu Ende.

Den Nachmittag schlage ich irgendwie tot. Es ist nichts weiter zu sehen in Mt. Isa und ich habe auch keine Lust irgendetwas zu tun. Deshalb fahre ich sehr frühzeitig mit einem Taxi zum Flughafen, da ich heute Abend nach Brisbane fliegen werde. Als ich am Check-in stehe und nur meinen Flug nenne werde ich gleich mit Namen angesprochen und mir wird ein ausgefüllter Anhänger für mein Gepäck über die Theke geschoben. Ich bin ziemlich überrascht und auf meine Frage woher sie meinen Namen kennen erhalte ich eine einfache Erklärung: „Sie sind unser einziger Passagier heute nach Cloncurry!“ Es werden jedoch noch eine Handvoll Passagiere in Cloncurry zusteigen. So warte ich auf einem sehr ruhigen Flughafen auf meinen Flug und freue mich schon darauf Debbie und Mike wieder zu sehen.

Die Macair Maschine ist pünktlich, ich werde beim Sicherheit Check gründlich und so genau wie noch nie geprüft, weil die vier Security Leute gemeinsam mit mir seit einer Stunde auf den Flug warten. Schließlich gehe ich begleitet von zwei Stewardessen an Bord und wir starten gleich darauf. 15 Minuten später erreichen wir Cloncurry und landen zu unserem Zwischenstopp. Der Flughafen ist dort noch sehr viel kleiner und die 36-sitzige Maschine der Macair ist wohl der größte Vogel der hier landet. Es steigen nach kurzem Aufenthalt noch Minenarbeiter zu, die nach einer zweiwöchigen Schicht wieder nach Hause fliegen. Der Flug ist ruhig und das einzige was aus der Luft in der Dunkelheit zu erkennen ist sind die zahlreichen Buschfeuer, die aussehen wie riesige Blumen am Boden.

In Brisbane begrüßen mich anschließend Debbie und Mike. Es ist schön sie wiederzusehen. Wir fahren zu ihrem neuen Haus und sitzen noch bei einem Bier zusammen, bevor ich nach einem erlebnisreichen Tag müde ins Bett sinke.