6. Tag (31. August 2000)

Collingwood - Blue Mt.

Nach dem Frühstück auf dem Balkon mit dieser tollen Aussicht auf den See habe ich mich dazu entschlossen mich auch heute den anderen anzuschließen. Wir fahren wieder in die Blue Mountains hinein, jedoch nicht zum Wandern, sondern zum Klettern! Ich bin ja mal gespannt wie es wird, da ich mich bis jetzt nicht an steile Felsen gewagt habe.

Nach einer kurzen Fahrt über abgeschiedene Straßen stellt Jenny den Van ab. Wir befinden uns am berühmten Bruce Trail, der sich durch die Blue Mountains zieht und an dessen Rande sich unser heutiges Klettergebiet befindet.

Während Jenny die erste Kletterroute als „Top Robe“ in den Felsen vorbereitet gehen wir auf einen kleinen Rundgang, der uns in den sogenannten „Kühlschrank“ führt. Hier zwischen den Felsen wo kaum die Sonne hinscheint ist es sicherlich um 10°C kälter und die Luftfeuchtigkeit beträgt fast hundert Prozent. Unser Atem wird unvermittelt sichtbar. Die Moose, das morsche Holz und die feuchten Felsen geben dem Ganzen eine fast schon gespenstische Atmosphäre.

Unsere erste Klettertour ist gerade einmal fünf Meter hoch, Jenny erklärt genau worauf es beim Klettern ankommt und ich versuche es anschließend als Erster. Ich musste jedoch gleich beim Einstieg feststellen, dass es gar nicht so einfach ist wie es von unten aussieht. Aber nach den ersten Griffen lief es besser, so dass ich es schließlich geschafft habe, wie auch alle anderen nach mir. Die zweite Route war mit 12m etwas höher, lag in der Sonne und war besser zu klettern, weil der Fels trocken war. Hier hat es Spaß gemacht, ich kam zügig nach oben und man hatte sogar einen ganz netten Ausblick als Belohnung.

Nach einem kurzen Mittagessen hatte Jenny auch schon die dritte Klettertour in der Wand vorbereitet, die nun schon 20 Meter in die Höhe ging. Der Einstieg war eigentlich ganz einfach, dennoch konnte ich mich nicht halten und fiel ins Seil. Beim zweiten Anlauf hat es besser geklappt und ich habe schnell an Höhe gewonnen, bis ich zu den letzten Metern gekommen bin. Hier musste man sich in einem kleinen Kamin ganz nach oben schieben bis man schließlich wieder einen vernünftigen Griff erreichen konnte um sich letztendlich zum Karabiner hinaufzuziehen. Dort drin konnte man sich kaum bewegen und ich war froh, als ich wieder mehr Platz um mich herumhatte. Das anschließende Abseilen machte viel Spaß, weil man sich einfach nur mit den Füßen vom Fels abdrückt und in die Tiefe gleitet. Zwischendurch durfte man auch die anderen am Seil sichern, was viel Aufmerksamkeit erfordert und Spaß macht. Zum Abschluss unseres Tages haben noch einige von uns den höchsten Aufstieg, eine 28m Tour versucht. Leider ging mir irgendwie bei der Hälfte der Stecke die Kraft aus oder ich konnte keinen vernünftigen Tritt mehr finden, so genau weiß ich es auch nicht mehr, — jedenfalls spürte ich das mich ich nicht mehr halten konnte und empfing eine eigenartige Beklemmung als ich nach unten sah und damit rechnete gleich zu fallen. Das Seil fing mich natürlich auf, ich pendelte einige Male hin und her und konnte mich unbeschadet wieder abseilen. Einen weiteren Versuch wollte ich jedoch nicht wieder starten, so dass wir anschließend zusammenpackten und uns auf den Rückweg machten. Jenny und die anderen der Tour fuhren gleich danach nach Toronto zurück, so dass heute Abend nur noch Bastian und ich in der Auberge waren. So gingen wir am Abend zusammen noch ins Dorf um eine Pizza zu essen, bevor sich der Tag zu Ende neigte.