25. Tag (19. September 2000)

Mt. Washington

Mt. Washington

Indian Summer?

Früh am Morgen fahren wir auf dem State Highway zum Mt. Washington, dem höchsten Berg der New England States. Zuvor machen wir jedoch noch kurz einen Abstecher zum Mt. Washington Hotel, einem sehr mondänen Palast in dem nach dem Krieg der Welt Währungs-Fond gegründet wurde. Das schneeweiße Hotel im Vordergrund und der 1.900m hohe Mt. Washington im Hintergrund ergeben ein imposantes Bild.

Gleich danach zweigt die Straße zur Talstation der Crog Railway Zahnradbahn ab, die seit 1866 im Sommer den Gipfel täglich und dampfgetrieben bezwingt. Wir schnüren die Stiefel fest, packen den Rucksack auf den Rücken und marschieren los. An diesem Berg, der es für sein schlechtes und wechselhaftes Wetter berühmt ist sind schon 126 Menschen gestorben. Einheimische haben uns schon von Schneestürmen im August erzählt und im Reiseführer steht zu lesen, dass hier die weltweit höchste Windgeschwindigkeit gemessen wurde. Also alles gute Vorraussetzungen für eine Bergwanderung heute. Na, wir haben jedenfalls gutes Wetter, es ist leicht bewölkt, aber wir haben heute eine stabile Wetterlage.

Der steinige Weg führt an einem Wildbach entlang und steigt leicht an, so dass wir gut vorankommen. An einem kleinen Wasserfall überqueren wir den Bach und von nun an geht es steil bergan. Die ersten von uns atmen schon heftig und wir verlangsamen das Tempo und rasten zwischendurch. Schließlich steigen wir höher als die Baumgrenze und ein gewaltiger Ausblick nach Westen, Richtung Vermont tut sich vor uns auf. Neu motiviert streben wir dem Grat an der westlichen Flanke des Mt. Washington entgegen und erreichen die Lakes of the Cloud Hütte. Hier werden die ersten Fotos geschossen, denn wir haben das steilste Stück des Anstiegs in der letzten anderthalb Stunden hinter uns gebracht. Das Wetter hält und somit können wir weiter zum Gipfel vorstoßen. Gleich nach der Hütte passieren wir die Lakes of the Clouds, in deren klaren Wasser sich der bedeckte Himmel spiegelt. Nur durch aufgeschichteten Steinhaufen markiert führt der Weg nun über Geröllfelder weiter zum Gipfel. Der Wind hier oben bläst sehr kräftig und auch frisch. Je höher wir steigen desto besser wird die Aussicht und die Lakes of the Cloud Hütte immer kleiner. Schließlich erreichen wir nach dreieinhalb Stunden geschafft aber glücklich den Gipfel. Uns zu Füßen breitet sich nun in alle vier Himmelsrichtungen eine nicht enden wollende Bergwelt aus und wir genießen den Blick in vollen Zügen.

An der Railway Station fragen wir nach ob wir mit der Bahn wieder hinunterfahren können. In einer Stunde fährt die letzte Bahn talwärts und wir können auf jeden Fall mitfahren. Wir müssten eben stehen, wenn der Wagen voll besetzt sein sollte.

So kam es dann auch, Jens und ich mussten die Fahrt überstehen, aber die Fahrt in einer der steilsten Zahnradbahnen der Welt war jedoch ein einmaliges Erlebnis. Der ganze Wagon und die Lokomotive haben von den harten Einschlägen der Zähne in der Stange mächtig vibriert und geklappert. Zwischendurch mussten wir noch auf ein Abstellgleis rangieren um einen bergwärts fahrenden Zug passieren zu lassen. Nach knapp einer Stunde waren wir wieder an der Station im Tal und schauten sehnsüchtig zum Gipfel empor.

Nach einer kurzen Diskussion über das nächste Fahrziel haben wir uns entschieden weiter in den Norden nach Maine zu fahren. Wir vermuten, dass wir dort vielleicht mehr vom Indian Summer schon zu sehen ist. Am Straßenrand auf dem Highway nach Bethel hatten wir dann doch noch unser Indian Summer Erlebnis. Denn dort stand ein Ahorn, dessen Blätter schon komplett die knallrote Färbung des Herbstes hatte. Es war nicht irgendein ins Orange oder Gelb driftendes Rot, sondern solch eine intensive Farbe wie ich sie im Herbst noch nicht gesehen habe.