2. Tag (27. August 2000)

Ich bin wieder einmal auf einem Flughafen, habe eingecheckt und warte auf den Abflug nach Amsterdam. Heute Morgen war es ein richtig tolles Gefühl nach dem Frühstück im Hotel einfach nur über die Straße zu gehen und im Abflugterminal zu stehen, ohne großartig mit dem Auto rumkurven zu müssen. Der Airport hier in Bremen ist ein sehr kleiner, jedoch netter Flughafen und bei mir macht sich wieder richtiges Fernweh breit, als ich so am Check-in Schalter stand. Jetzt geht es erst einmal mit Eurowings nach Amsterdam und später nach Detroit. Ich gerade erfahren habe muss ich als Transferpassagier in Detroit mein Gepäck selbständig durch den Zoll schleppen um anschließend nach Toronto wieder neu einzuchecken! Schwachsinn! Aber so sind die Staaten eben, das freiste und unkomplizierteste Land der Erde!

Wir fahren mit einem Bus hinaus zur Maschine auf das Rollfeld und ich musste feststellen, dass ich zum ersten Mal mit einer Propellermaschine unterwegs bin. Die Kabine ist sehr klein und die Maschine voll. Mit Armin, meinem Sitznachbarn unterhalte ich mich über Belüftungsanlagen in der Viehhaltung. Er ist für einen Tag auf dem Weg nach Tokyo um dort mit seinen asiatischen Geschäftspartnern über eine neue Anlage für 1,5 Mio. Hühner zu sprechen. Dies ist sicherlich ein typischer Zubringerflug, denn es aussieht so aus, als ob die wenigsten Passagiere in Amsterdam bleiben und die meisten Leute sowieso geschäftlich unterwegs sind.

Da wir vom gleichen Terminal weiterfliegen trinke ich mit Armin zusammen noch einen Kaffee und verabschiede mich nach einer Stunde zum Boarding. Am Gate herrscht schon dichtes Gedränge und die Leute besteigen in der Reihenfolge von farbigen Karten den Flieger. Wie ich später erfahre ist der Jumbo mit 475 Passagieren, plus Besatzung vollgestopft. Wenn man sieht wie lange das Boarding bei dieser Anzahl von Passagieren gedauert hat fragt man sich wie die großen internationalen Airports einen Flieger wie den geplanten Airbus A3XX mit über 600 Passagiere verkraften sollen? Das ist wohl noch ein großes, und vor allem ungelöstes Problem.

Der Flug nach Detroit war ganz angenehm und auch der Zoll hier in Amiland wollte nichts von mir. Jedoch habe ich hier 5 Stunden Aufenthalt, versuche die Zeit totzuschlagen und warte darauf, dass es um 21.30Uhr das letzte, kurze Stück noch weitergeht. Ich bin ziemlich müde und schaue ein bisschen TV. Während ein paar Bilder des Formel 1 Grand Prix’s über den Bildschirm huschen lerne ich noch jemand aus Guatemala kennen, der auch gerade aus Deutschland kommt und das letzte Jahr über in Freiburg studiert hat. Wir unterhalten uns noch recht nett und so vergeht die Zeit etwas schneller.

Nach einem halbstündigen Flug will ich eigentlich nur noch ins Bett, aber an der kanadischen Immigration bekomme ich erst einmal Schwierigkeiten. Den Beamten gefällt wohl meine Planlosigkeit nicht und somit werden ich zu einem halbstündigen Gespräch gebeten in dem ich so einiges zu erklären hatte. Bosch war Ihr schon bekannt, als sie mich nach meinem Arbeitgeber fragte, jedoch habe ich ganz bewusst meine Visitenkarten und den Ausweis zu Hause gelassen, so dass ich diese Aussage nicht explizit beweisen konnte. Jedoch, nachdem ich mich in keine Widersprüche bezüglich Ausreisedatum und sonstigen verwickelt habe durfte ich schließlich doch einreisen und wurde zum Abschluss ermahnt in Zukunft bei einer Reise nach Kanada besser vorbereitet zu sein.

Meine „Planlosigkeit“ tritt anschließend gleich ziemlich krass zu Tage. Ich steige am falschen Ende der Stadt aus den Shuttle Bus, laufe in die falsche Richtung und finde deshalb die Jugendherberge nicht. Es ist mittlerweile 0.15Uhr, mir reicht es und ich nehme ein Taxi, welches mich auch wenig später vor der Tür des Hostels absetzt. Meine Reservierung steht noch, ich kann einchecken und falle todmüde ins Bett.