11. Tag (05. September 2000)

Esprite Rafting - Quebec

Ich breche früh am Morgen auf und fahre auf die Quebec Seite des Ottawa Rivers, weil ich heute den Fluss hinunter raften will. Es ist ein ganz schön langes Stück zu fahren. Ich bin fast eine Stunde mit dem Auto unterwegs, komme aber trotzdem rechzeitig bei „Esprit Rafting“ an. Nachdem ich gleich nach der Anmeldung mein „Wet Suit“ in Empfang genommen habe fahren wir auch schon mit einem alten, ausrangierten School Bus los. Wir sind heute nur vier Leute, Sam, Sara und Pet aus England sowie meine Wenigkeit. Patrice wird unsere Führerin sein. Während der Fahrt zum Ausgangspunkt an der „Ile du Grand Calumet“ erhalten wir unsere Einweisung über das Verhalten in einer Raft. Eric, der uns mit seinen Erklärungen zu allen Eventualitäten zugegebenermaßen etwas ängstigt, wird mit an Bord sein, denn er bildet Patricia gerade auf dem Fuß aus und so vertrauen wir einfach seiner Aussage das bei Ihm „alten Hasen“ selten Leute über Bord gehen und eigentlich nichts passieren kann. Jedoch denkt man als Laie kaum daran, dass man vom Wasser einfach unter die Oberfläche gedrückt werden kann und ohne Hilfe niemals die Chance hätte wiederaufzutauchen.

Wir sind am Ufer des Ottawa River angekommen und die Boote werden abgeladen. Wir ziehen den „Wet Suit“ und die Rettungsweste an, streifen den Helm über und greifen uns ein Paddel. Dann geht es los. Schon beim Einsteigen füllen sich die Schuhe mit Wasser bevor ich richtig sitze. Da fällt mir ein, dass es womöglich gar keine schlechte Idee gewesen wäre ein zweites Paar Schuhe mitzunehmen, na ja! Auf dem Weg zur ersten Stromschnelle üben wir alle notwendigen Kommandos um später die Raft richtig steuern zu können. Es ist wichtig zu wissen, wie man z.B. vorwärts- und rückwärts paddelt, sich richtig festhält ohne einen Mitfahrer das Paddel an den Kopf zu hauen oder das Paddel gar zu verlieren.

Die erste Stromschnelle erreichen wir ziemlich schnell und durchfahren diese auch ohne Probleme, da sich das Wasser eigentlich nur ein bisschen verwirbelt. Die Zweite Stromschnelle ist dagegen schon etwas aufregender und ich, der vorne im Boot sitzt werde auch gleich ziemlich geduscht. Nach der Durchfahrt paddeln wir ans Ufer, denn Patricia erklärt uns wie wir mit der Raft in der Welle surfen werden. Und so paddeln wir wieder in die Stromschnelle und haben unseren Spaß als das Boot heftig in der Welle tanzt. Beim zweiten Versuch macht Patricia, die uns in der Welle halten muss irgendwie eine falsche Bewegung und geht über Bord. Wir werden sogleich aus der Welle getrieben und paddeln unserer Führerin nach, so dass wir sie wieder aus dem Wasser holen können. Danach paddeln wir wieder gemütlich den Fluss hinunter bis wir zu „Dragons Tongue“ kommen. Hier stürzt das Wasser zirka fünf Meter in die Tiefe. Zuerst paddeln wir ans Ufer um uns die Stromschnelle einmal aus der Nähe anzuschauen. Andere Rafting Führer, die uns schon die ganze Zeit als „River-Border“ begleiten sichern die gefährlichste Stelle mit einem angeleinten Helfer ab, so dass man wieder herausgezogen werden kann sollte man in diese „Waschmaschine“ hineingeraten. Die Walze an dieser Stelle erscheint gar nicht so groß, jedoch erklärt Eric, dass man hier keine Chance hat ohne fremde Hilfe wieder herauszukommen.

Nachdem wir uns nun die Sache angeschaut haben wird jedem Einzelnen freigestellt, ob man mitfahren will oder nicht. Ich entschließe mich darauf zu verzichten, während Sara und Pet es sich zutrauen. So sehe ich wenig später vom Ufer aus wie das Boot perfekt über „Dragons Tongue“ schießt und die Leute gleich darauf wie wild zu paddeln beginnen um der schon erwähnten „Waschmaschine“ zu entgehen. Sie machen es hervorragend und passieren die ganze Stromschnelle ohne irgendwelche Schwierigkeiten.

Die nachfolgenden Rapits an diesem Morgen haben wir gut gemeistert und hatte viel Spaß dabei. Nach ein paar Sandwiches zum Mittag sind wir mit dem Bus wieder den Fluss hinaufgefahren um an der gleichen Stelle wie heute Morgen die Boote ins Wasser zu lassen. Am Nachmittag sind wir jedoch einen anderen Kanal des Ottawa Rivers hinuntergefahren. Am Anfang ließen wir es gemütlich angehen. Die River Boarder, die als Paddelunterstützung im zweiten Boot sitzen warten ziemlich häufig auf uns. Eine Raft ist eben doch nicht so schnittig wie ein Kanu. Kurz bevor der Fluss wieder zu schäumen beginnt bekommen wir noch einige Instruktionen über das was uns erwartet.

Auch auf dieser Fahrt haben wir unsere Stromschnellen gut gemeistert, ohne dass jemand ins Wasser gefallen ist. Zwischendurch haben wir am Ufer festgemacht und konnten von einem Felsen ins Wasser springen. Es ist schon eigenartig mit einer Rettungsweste ins Wasser zuspringen und mit den Bergstiefeln wieder ans Ufer zu schwimmen. Schwimmen kann man eigentlich gar nicht mehr dazu sagen, es ist eher wie paddeln, die Weste zieht einen nach oben und mit Schuhen an den Füssen hat man einfach keinen Vortrieb.

Am Abend, als wir wieder am Stützpunkt von Esprit Rafting zurück waren gab es noch ein tolles BBQ, währenddessen uns unser Video gezeigt wurde. Nachdem es noch einen tollen Sonnenuntergang zu genießen gab habe ich mich wieder auf dem Weg zurück zur Algonquin Portage gemacht.