17. Tag (19. Oktober 1999)

Mit dem Intercity fuhren wir heute über Thames und Tauranga nach Roturua, dem Zentrum der geothermischen Aktivitäten und der Maori Kultur hier in Neuseeland. Gegen Nachmittag sind wir angekommen und anschließend im Funky Green Voyager Backpacker abgestiegen, in dem ich schon im Februar war. Als ich im Anschluß in der Stadt war habe ich mir erst einmal einen Haarschnitt verpassen lassen. Ich muß schon sagen, schon der Kaffee der mir serviert wurde war überraschend und ich wußte auch nicht, dass man Haare waschen zu solch einem Erlebnis machen kann, was sehr angenehm war. Jedenfalls bin ich nun wieder hübsch genug für Debbie & Mikes Hochzeit am Samstag.

Am Abend sind wir ins Tamaki Maori Village um ein traditionelles Maori Konzert anzuhören, im Anschluß daran das berühmte Festmahl der Maoris, den Hangi zu essen und einfach ein bißchen mehr über die Maori Kultur zu erfahren. Diese Veranstaltung war natürlich touristisch voll durchorganisiert, aber dennoch sehr schön und interessant.

Wir wurden abends vom Funky Green mit dem Bus abgeholt. Der Bus wurde daraufhin nicht mehr zu unserem Bus, sondern stelle unser „Waka“, Kanu dar mit dem wir zum Dorf des Gaststammes fuhren. Während der Fahrt wurden wir auf die Bräuche und Riten der Maoris eingestimmt. Als Erstes mußte unser Kanu ein Oberhaupt bekommen, der das Friedenssymbol entgegennimmt. Diese Rolle bekam ein älterer Aussi aus Melbourne und somit waren wir gut vor-bereitet um das „Wero“, die Herausforderung anzunehmen nach der Ankunft im „Marae“, dem Dorf. Niemand darf das Dorf betreten, bevor das offizielle Begrüßungszeremoniell beendet ist. Der Gastgeber zelebriert eine Friedenszeremonie. Der Krieger zeigt gebräuchliche Gesten und bestimmte Bewegungen mit seiner Waffe bis unser Oberhaupt das Friedenssymbol von Vertreter des Gaststammes entgegengenommen hat. Der Begrüßungsruf ertönte und anschließend durfte unser Stamm das Dorf betreten. Im „Whare-Nui“, dem großen Haus fand nun das Kon-zert statt. Das „Hongi“, Nasendrücken zwischen unserem Oberhaupt und dem Stammesältes-ten besiegelte die Freundschaft zwischen unseren verschiedenen Kulturen. Das Konzert, wäh-rend dessen verschiedene Lieder und Tänze aufgeführt wurden konnte beginnen. Der berühm-te Kriegstanz „Haka“ wurde schließlich am Ende des Konzerts aufgeführt.

Jetzt ist der Moment des Abendessens gekommen. Der „Hangi wird aus seinem Erdofen her-ausgenommen, in dem es für ca. vier Stunden auf heißen Steinen in der Erde gegart hat. Im Eßhaus nehmen wir Platz an dem uns zugeteilten Tischen Platz und versuchen des Hangi, nach-dem wir an Büfett unseren Teller gefüllt haben. Die Kochweise verleiht dem ganzen Essen ei-nen ganz eigenartigen Geschmack, der zwar etwas gewöhnungsbedürftig ist aber das Essen zu einem Besonderen macht. Die Abschiedszeremonie markiert das Ende und wir werden mit Wüschen für eine gute Reise verabschiedet. Der Haka wurde jedoch als weiterer Höhepunkt für uns Touristen nochmals aufgeführt, was unter den Leuten natürlich für Begeisterung sorgte.

Auf der Rückfahrt später nach Roturua sollte noch jede Nationalität ein Lied singen und da Wal-ter und ich die einzigen Deutschen im „Kanu“ waren hätten einer von uns auch etwas zum Besten geben sollen. Da mir jedoch überhaupt kein Lied eingefallen ist das sich bei meiner schlechten Stimme einigermaßen anhörbar gewesen wäre habe ich nicht gesungen. Daraufhin hat der Busfahrer den Bus am Straßenrand angehalten und das Licht ausgeschaltet und wollte erst dann wieder weiterfahren, wenn einer von uns gesungen hat. Zum Glück ist er schließlich doch noch weitergefahren und ich konnte den Leuten meine Stimme ersparen. Jedenfalls war es ein sehr schöner und interessanter Abend, den ich nicht so schnell vergessen werde.