New Zealand im Oktober '99

Die Ankunft und die Zeit in den Northlands

1. Tag (03. Oktober 1999)

17.51 Uhr, der ICE nach Mannheim setzt sich langsam in Bewegung und unser Urlaub beginnt. Es geht nach Neuseeland und Walter ist keine Aufregung anzumerken, obwohl er zum ersten Mal mit dem Rucksack unterwegs ist. Gleich nach dem Einsteigen in den ICE wandern wir von einem Wagen zum Nächsten, denn der Zug ist unwahrscheinlich voll. Schließlich konnten wir uns doch einen Platz sichern mußten jedoch wenig später schon wieder aufstehen um in Mannheim in den IC zum Frankfurter Flughafen umzusteigen. Es ist schon eine tolle Sache in etwas mehr als einer Stunde direkt zum Airport zu kommen. Im Terminal 2 essen wir noch etwas, nachdem wir vor wenigen Minuten bei der JAL eingecheckt haben. Der Magen ist nun wieder gut gefüllt und es kann für mich zum zweiten Mal dieses Jahr wieder nach Down Under gehen! In Tokyo wird sich hoffentlich die Radioaktivität durch den Nuklearunfall von vor 3 Tagen in Grenzen halten. Aber in 12 Stunden werden wir mehr wissen.

2. Tag (04. Oktober 1999)

Die Nacht ist vorüber und in einer Stunde landen wir in Japan, dem Land der aufgehenden Son-ne. Neben uns im Flieger sitzt ein Paar aus Hamburg. Er ist im Auftrag des Verkehrsministeri-ums auf dem Weg zu einer Konferenz über Sicherheit in der globalen Seeschiffahrt die in Tokyo stattfindet. Wir haben uns sehr angeregt unterhalten und ich konnte einigen Neuigkeiten er-fahren die in der Öffentlichkeit eigentlich nicht so sehr bekannt sind. Die Zahl der Schiffsunglü-cke auf den Weltmeeren ist seit Jahren fallend und ich wußte auch nicht, daß jedes Schiffsun-glück wie in der Luftfahrt durch Speziallisten weltweit untersucht werden. Schließlich kamen wir noch auf die Pallas zu sprechen, das Schiff welches vor einigen Monaten vor der deutschen Nordseeküste gestrandet ist. Er vertrat die Ansicht das die ganze Diskussion die in den einzel-nen Medien stattgefunden hat einfach eine völlig falsche Darstellung der Situation ist und nur widergespiegelt das die Leute wenig Ahnung von der Seefahrt haben, denn die Pallas wäre nämlich unter den herrschenden Umständen schon frühzeitig hoffnungslos verloren gewesen.
Wir sind nun auf dem Narita Airport, es wird dunkel und unser nächster Flug läßt noch ein paar Stunden auf sich warten. Wir sitzen im einzigen Cafe des Airports und versuchen die Zeit tot zu schlagen, da der ganze Airport nicht sehr viel zu bieten hat. Man kann es kaum glauben das eine Weltmetropole wie Tokyo einen solch langweiligen Airport besitzt, der auch noch so wenig ein-ladend ist. Vielleicht hat dies auch mit der japanischen Inselmentalität zu tun. Aber ich spekulie-re nur.

3. Tag (05. Oktober 1999)

Jetzt ist es mir klar geworden warum wir mehr als 13 Stunden von Tokyo nach Auckland unter-wegs sind. Wir machen in ein paar Stunden noch eine Zwischenlandung in Christchurch auf der Südinsel. Also noch eine Landung und ein weiterer Start. Somit „sehen“ wir die Südinsel auch noch, jedenfalls einen Flughafen für ca. eine Stunde.
Wir sind wieder in der Luft und auf unserer letzten Etappe. Die Wolken unter uns scheinen sich auch etwas zu lichten. Wir landen endgültig in der größten Metropole Neuseelands, in Auck-land. Es ist Mittag und die Sonne lacht. Gleich nach der Ankunft habe ich Jo, die Frau von Deb-bies Bruder angerufen, weil wir unsere Kleidung für die Hochzeit bei ihr deponieren wollen. Sie war sehr erfreut von mir zu hören hat uns auch gleich darauf am Airport abgeholt. Ich war ganz überrascht, da ich sie eigentlich überhaupt nicht kenne. Mein Hut hat als Erkennungszeichen gute Dienste geleistet. Als alles im Auto verstaut war ist Jo mit uns auf dem Weg in die Stadt noch auf den One Tree Hill, einen ehemaligen Vulkankrater gefahren, so daß wir gleich einen supertollen Blick über die ganze Stadt hatten. Nachdem wir uns in allen Himmelsrichtungen die Weitläufigkeit Aucklands angesehen hatten sind wir zu Jo‘s Eltern gefahren. Eigentlich wollten wir nur kurz bleiben, aber Mary und Reg haben uns gleich angeboten bei ihnen zu übernachten, was wir gerne angenommen haben. Telefonisch haben wir unsere Reservierung in einen Back-packer in der City für heute Nacht abgesagt. Es war ein wunderbarer Empfang in Neuseeland und es ist unglaublich wie freundlich die Kiwis sind. Ich jedenfalls habe mich sofort, eigentlich schon am Flughafen wie zu Hause gefühlt und bin nach dem Abendessen zufrieden und hun-demüde ins Bett gefallen.

4. Tag (06. Oktober 1999)

Nach einer behaglichen Nacht in einem normalen Bett und einem Kaffee zum Frühstück hat uns Reg zum Bus gebracht, den wir gestern Abend noch gebucht hatten. Somit sind wir nun schon in den Norden zur Bay of Islands unterwegs. Nach wenigen Stunden sitzen, wir sind es ja nach über 20 Stunden Flug nun gewöhnt, sind wir in Paihia angekommen und im der Peppertree Lodge abgestiegen. Paihia ist ein sehr gemütliches Nest in dem es wahrscheinlich in der Hoch-saison nur so von Touristen wimmelt. Zu dieser Zeit ist eigentlich nichts los, es gibt viele kleine Läden und eine nette Warf, von der aus wir morgen eine Bootstour machen wollen.
Nachdem wir uns mit dem nötigen Kleinkram im Supermarkt versorgt haben sind wir noch kurz entschlossen zu den Hururu Falls gewandert. Der Weg führte hin und zurück in drei Stunden an einer phantastischen Flußmündung entlang zu einem Wasserfall, wie der Name schon verrät. Ein herrliches Gefühl die frische Luft zu atmen und den Frühling zu genießen. Hier, Down Under habe ich sowieso jedes Mal auf‘s Neue den Eindruck endlich mal wieder ohne Druck frei durch-atmen zu können. Vielleicht liegt es daran das ich Urlaub habe, vielleicht jedoch auch am Land und vor allem an den Menschen!
Auf dem Rückweg, als wir wieder in Paihia waren haben wir schnell etwas gegessen und sind am Abend im Hostel mit den anderen Backpackern zusammengesessen. Dabei hat uns Tina, eine Holländerin einen guten Tip gegeben. Somit werden wir morgen nicht wie gedacht auf eine Bootstour gehen sondern auf einen Segeltrip auf der „She‘s a Lady“. Es ist einfach toll außerhalb oder am Anfang der Saison unterwegs zu sein. Alles ist viel ruhiger und es sind nicht so viele Leute unterwegs. Ein spontanes Reisen ist zu dieser Zeit einfach noch möglich.

5. Tag (07. Oktober 1999)

Bay of Islands

Bay of Islands

Auf geht‘s zu unserem Segeltrip durch die Bay of Islands! An Bord der „She’s a Lady“ sind wir gerade fünf Leute die es wagen. Die Jacht nimmt Kurs auf die andere Seite der Bucht, Richtung Russel wo der Wind besser ist. Kurz nach dem Auslaufen erhielt unser Skipper einen kurzen Telefonanruf mit der Nachricht das zwei weitere Leute an Bord kommen wollen. Kurz darauf steuerte auch schon ein kraftstrotzendes Jetboot in voller Fahrt auf die „She’s a Lady“ zu und hat kurzerhand die zwei angekündigten Leute gebracht.
Mit einer guten Brise und unter Vollzeug laufen wir Richtung Offene See. Ich sitze am Bug und lasse mir den Wind um die Nase wehen, während Walter am Ruder steht und unser Boot auf Kurs hält. Wir machen gute Fahrt, einzelne Inseln, Buchten und einige Boote in der Ferne zie-hen langsam an uns vorbei. Wir sind nun mitten in der Bay of Islands, kreuzen zwischen den Inseln und laufen Waewaetorea an. In einer windgeschützten Bucht vor einem herrlichen Strand gehen wir vor Anker. Nachdem die Kette in die Tiefe gesaust ist gibt es für uns erst ein-mal Lunch. Anschließend fahren wir mit dem kleinen Beiboot an den Strand. Von dort führt ein schmaler Pfad durch kniehohes Gras auf den Gipfel dieser Insel. Es fängt nun leicht, und wenig später stärker an zu Regnen, was uns jedoch nicht hindert weiter dem Gipfel entgegen zu ge-hen. Als man oben angekommen ist eröffnete sich ein ausgezeichneter Blick hinüber zu den umliegenden Inseln und Buchten. Die vom Wind getriebenen Wolken und die Regenschauer tauchen die Szene in eine ganz eigenartige Atmosphäre. Tief unter uns krachen die mächtigen Brecher des Pazifiks an die Felsen und am Horizont heben sich die Kontur der Küstenlinie nur schwach vom Grau des Himmels ab. Als wir den Abstieg hinter uns hatten und den Strand wie-der erreichten ergoß sich ein kurzer aber heftiger Schauer über uns. Unsere Gruppe flüchtete sich unter einen Felsvorsprung und beobachteten das Treiben der Möwen denen der Regen nichts auszumachen schien. Anschließend gingen wir wieder an Bord der Jacht und nahmen wieder Kurs auf Paihia. Auf der Rückfahrt kamen wir in schlechtes Wetter und jeder an Bord streifte sich das vorhandene Ölzeug über. Der Skipper wollte den Leuten nach einer Stunde „Kap Horn Feeling“ etwas Gutes tun und ging zum Kaffeekochen. Derweil übernahm ich das Ruder und versuchte auch bei schlechter Sicht den Kurs zu halten, als uns plötzliche eine heftige Windböe erfaßte. Die „Lady“ bekam heftige Schlagseite, lief außer Kurs, was ich trotz voll einge-schlagenem Ruder nicht verhindern konnte. Nach meinen verzweifelten Rufen kam der Skipper aus der Kajüte, ließ den Kaffee Kaffee sein und raffte erst einmal Segel um der Schlagseite Herr zu werden, was ihm auch sehr schnell gelang. Der Kaffee war danach immer noch in der Kanne und wir genossen einen warmen Schluck, denn als wir im Hafen von Paihia ankamen waren alle doch ziemlich naß aber happy nach einem tollen Tag auf See.
Im Backpacker sind gerade zur etwa gleichen Zeit zwei Engländer vom Fischen zurückgekommen und hatten herrliche Fische mitgebracht. Tina, die Holländerin hat mit ihnen geredet und einen Fisch abbekommen, den wir anschließend in die Pfanne gehauen haben. Mit ein paar Zutaten und einem guten Wein ergab sich ein üppiges Abendessen welches den Tag im richtigen Rah-men ausklingen ließ.

6. Tag (08. Oktober 1999)

Bay of Islands - Russell

Bay of Islands

Heute Nacht und am Morgen hat es sehr stark geregnet, so daß wir uns nach einem kurzen Blick aus dem Fenster wieder auf die andere Seite umgedreht haben und den halben Morgen ver-schliefen. Nach dem Aufstehen und einem langen Frühstück haben wir den Bus nach Kaitaia gebucht, und fahren morgen nun weiter nach Norden. Gegen mittag hat der Regen aufgehört und die Sonne kam wieder zum Vorschein, so daß wir uns einfach Fahrräder im Backpacker aus-geliehen haben um die Gegend ein bißchen zu erkunden. So sind wir als erstes mit der Fähre nach Russell auf die andere Seite gefahren. Russell ist die älteste europäische Siedlung in Neu-seeland, liegt an einer wunderschönen Bucht und ist deshalb ein entsprechend hübsches Ört-chen, an dem natürlich auch die älteste Kirche zu bewundern ist. Nachdem wir von der Fähre runter waren und uns das Örtchen ein bißchen angeschaut haben sind wir um einen Überblick zu erhalten auf einem Aussichtspunkt hinaufgefahren. Na gut, hinaufgefahren sind wir zwar nicht, aber die Räder haben wir trotzdem mitgenommen. Der Ausblick vom Kororareka Point war einfach grandios. Der Blick reichte über die ganze Bay of Island und diese erstreckte sich fast von Horizont zu Horizont. Die Abfahrt war anschließend natürlich schön und unser nächsten Stop legten wir am Long Beach knapp außerhalb von Russell ein. Walter ist sogar baden gegan-gen und ich habe mich in den Schatten verzogen, weil mir das Wasser einfach ein bißchen zu frisch war. So verbrachten wir dort eine ganze Weile und genossen die Welle wie sie sich un-aufhörlich am Strand brachen. Als wir wieder aufgebrochen sind haben wir Russell verlassen und sind Richtung Autofähre gefahren, mit der wir wieder auf die andere Seite wechseln. An einer Austernfarm entlang des Wegs haben wir noch angehalten, so daß wir vor Ort sehr an-schaulich die Austernzucht erklärt bekamen, und was mir natürlich mit am wichtigsten war: Ich konnte zum ersten Mal frische Austern probieren! Einfach ein Hochgenuß, muß ich schon sa-gen. In Neuseeland werden vor allem hier im Norden die pazifischen Austern gezüchtet und in die ganze Welt exportiert. Dabei sehen Austern von außen scheußlich aus und man könnte glauben es sei nur ein Stück harter Schlamm, jedoch, wenn man sie öffnet offenbaren sie ihre ganze Schönheit. Am Liebsten hätte ich gern noch ein paar mitgenommen, aber ich hätte wohl wesentlich mehr Schwierigkeiten bekommen sie zu öffnen als der Typ! Vielleicht kommen wir nochmals an einer Austernfarm vorbei.
Auf dem weiteren Weg unserer Schleife zurück nach Paihia eröffneten sich noch zahlreiche Ausblicke von den Hügeln die wir zu überwinden hatten. Aber jedes Mal konnte man die Ge-gend wieder aus einem anderen Blickwinkel bewundern. Mit der Autofähre setzten wir schließ-lich auf die andere Seite über, haben noch etwas getrunken und sind der Hauptstraße zurück nach Paihia gefolgt. Am späten Nachmittag waren wir zum Schluß ziemlich müde und von der Sonne gerötet wieder im Backpacker.

7. Tag (09. Oktober 1999)

Nach dem Radfahren gestern haben wir heute nicht viel vor. Es geht mit dem Bus nach Kaitaia. So verbrachten wir einen gemütlichen Vormittag im Backpacker und fuhren gegen Nachmittag weiter nach Norden, vorbei an Kerikeri und der Doubless Bay, die bei Sonnenschein in einer tollen Farbenpracht vor uns lag als wir vorbeifahren. Als wir in Kaitaia angekommen sind war nicht sehr viel los und es scheint ein bißchen so, wie wenn hier in der Vorsaison der Hund be-graben liegt. Eine Glow Worm Cave die hier in der Gegend liegt haben wir leider nicht erreichen können, da dorthin leider keinen Bus gefahren ist und ich eine Mitbewohnerin, die ein Auto hatte nicht überreden konnte sich dies auch anzuschauen. Somit haben wir am Abend in der Glotze die Rugby Weltmeisterschaft angeschaut, die momentan das Hauptgesprächsthema im Land ist.

8. Tag (10. Oktober 1999)

Cape Reinga

Cape Reinga to Tokyo?

Cape Reinga - Te Paki

Ninty Miles Beach

Ninty Miles Beach

Mit dem „Cape Runner“ sind wir heute morgen aufgebrochen zum Cape Reinga, an die äußerste Nordspitze Neuseelands. Wir fahren zuerst durch einen künstlichen, auf den Dünen ange-pflanzten Wald. Vor 30 Jahren war der Sand vom Wind schon so weit ins Land getrieben wor-den, daß unbedingt etwas geschehen sollte. So beschlossen die Kiwis einen der größten künst-lichen Wälder zu schaffen der sich fast die ganze Westküste bis zum Cape erstreckt. Nachdem wir noch einige Leute an einem Resort aufgenommen haben führen wir zurück auf den State Highway. In Houhora haben wir am Wagener Museum angehalten. Es ist eine ehemalige Farm und war im letzten Jahrhundert die älteste Behausung so weit im Norden. Heute beherbergt sie ein Museum, welches wirklich klasse ist. Ich muß schon sagen, daß ich sehr überrascht war wie-viel tolle alte Dinge dort zu sehen waren. Normalerweise sind solchen Museen Down Under sehr bescheiden, dieses hatte jedoch sehr viele, zum Teil auch skurrile Exponate. Speziell die vielen voll funktionsfähigen Schreibmaschinen aus dem vorigen Jahrhundert. Nach der Früh-stückspause, in der ich noch einem Freund in Deutschland telefonisch zu seiner Hochzeit gratu-liert habe, und wir ausgiebig den Blick über den natürlichen Hafen schweifen ließen ging es wei-ter.
Den nächsten Stop legten wir an einem weißen Strand ein, dessen Sand so fein was das er beim Laufen unter den Füßen quietschte. An solchen Orten könnte ich einfach nur dasitzen und die Stunden verstreichen lassen. Unsere Gruppe ist jedoch wieder aufgebrochen und hat die Exhi-bition Bay wieder verlassen um weiter nach Norden zu fahren. Die Straße führte durch die hü-gelige Landschaft und jedesmal wenn der Bus wieder eine Hügelspitze erklommen hatte waren die schneeweißen Dünen des Parengarenga Habors zu sehen der sich östlich erstreckte. Diese Farbe stand im krassen Gegensatz zum rostroten Vulkangestein direkt neben der Straße. Kurz bevor wir nun das Cape Reinga erreicht haben machten wir noch eine Rast am Tapotupotu Beach um unsere Sandwich zum Mittag zu essen. Anschließend sind wir schließlich am Cape gewesen, wo sich der Pacific Ocean und die Tasman Sea treffen. Die unterschiedlichen Richtun-gen in die sich die Wellen bewegten waren deutlich zu erkennen und an der Stelle wo sie zu-sammentrafen war das Meer weiß durch die Gischt der ineinander krachenden Brecher. Au-ßerdem ist es immer wieder faszinierend an einem Ort zu stehen der ein Stück weit das Ende der Welt symbolisiert. An einem Ort von dem es aus in 3 Richtungen für Tausende von Kilome-tern nur Wasser gibt und das nächste Land gleich ein anderer Kontinent ist!
Nach einer viel zu kurzen Zeit am Cape ging es auf dem Rückweg zum Ninety Mile Beach. Schon allein der Weg zum Strand war abenteuerlich, denn um überhaupt auf den Strand zu kommen muß man durch den Flußlauf des Te Paki fahren! Schon ein eigenartiges Gefühl! Zwischendurch haben wir noch angehalten und sind mit einem Schneebob die Sanddünen hinuntergerutscht, was großen Spaß machte. Schließlich erreichten wir mit dem Bus den unglaublichen Ninety Mile Beach. Unser Tourguide grub als erstes noch ein paar Muscheln aus dem Sand aus und öffnete sie fachgerecht, so daß wir sie probieren konnten. Eine Delikatesse kann ich nur sagen. Leider weiß ich nicht mehr um welche Muscheln es sich handelte, jedoch war ihr Fleisch recht süß. Von nun an ging unserer Fahrt einfach nur den Strand hinunter, der hier mehr oder weniger offiziell als Highway ausgewiesen ist. Wir kamen auf dem Stand wesentlich zügiger voran als auf der kurvigen und hügeligen Straße. An einem weiteren Stop sind wir über eine meterdicke Schicht von Muschelschalen zu einem Riff hinausgelaufen. Die Wellen krachten mit Wucht gegen die Felsen und ich hätte diesem Schauspiel wiederum wesentlich länger zusehen können als unsere Gruppe dazu Zeit hatte. Als es weiter ging konnten wir noch die Möwen beobachten, wie sie Muscheln zum Öffnen immer wieder in die Höhe trugen um sie fallen zu lassen. Auch ein Wild-pferd ist unserem Fahrer aufgefallen und als wir anhielten und uns vorsichtig den Dünen näher-ten konnten wir eine ganze Gruppe in unmittelbarer Nähe beobachten wie sie mit den jungen Fohlen durch die Dünen zogen.
Als wir mit dem Bus nach über einstündiger Fahrt den Strand wieder verlassen haben wurde dieser erst einmal an einem Bus-wash gründlich vom Salz befreit, so daß es für uns noch einen Stop gab und Walter und ich uns ein Eis gönnten. Auf der Rückfahrt nach Kaitaia besuchten wir noch das Ancient Kauri Kindom. Hier werden aus antiken Kauristämmen, die schon älter als 30.000 Jahre sind wunderschöne Schnitzereien hergestellt und verkauft. Unter anderem befin-det sich im Verkaufsraum ein Stamm in den die Treppe in den ersten Stock hineingearbeitet wurde. Man steigt also die Treppen im Stamm zum nächsten Etage hoch! Anschließend ging en endgültig zurück nach Kaitaia und ein unglaublich schöner und ereignisreicher Tag ging zu Ende.

9. Tag (11. Oktober 1999)

Da es von Kaitaia keine Verbindung gibt mit der man in einem Tag auf die Coromandel fahren kann haben wir beschlossen einfach eine Nacht in Whangarei zu verbringen und morgen dann auf die Coromandel Halbinsel zu fahren. So warten wir auf den Bus. Es geht wieder nach Paihia wo wir umsteigen müssen. Walter geht kurz zur Bank um Traveller Schecks zu wechseln und kommt prompt zu spät zurück. Ich konnte gerade noch unsere Rucksäcke aus dem Bus ziehen kurz bevor dieser abfuhr. So haben wir zum ersten Mal den Bus verpaßt und müssen nun die Nacht hier verbringen, da heute kein weiterer Bus mehr fährt. Wir checken also wieder in der Pepertree Logde ein und machen es uns bequem. Für das Ticket haben wir nichts mehr be-kommen. Es gibt keine Rückerstattung mehr wenn der Bus abgefahren ist. Zum Glück gibt es morgen nun eine Verbindung von hier nach Coromandel Town auf der Coromandel. Somit sit-zen wir morgen den ganzen Tag im Bus. Nachdem soweit wieder alles geregelt war bin ich noch mit der Fähre nach Russell um mich den restlichen Nachmittag ein bißchen am Long Beach zu entspannen. Die Sonne schien vom Himmel und als ich mich wieder auf den Weg machen wollte um das kurze Stück zur Fähre zurückzulaufen hat mich ein älterer Herr mitgenommen. Er mach-te meinetwegen so eine Art Stadtrundfahrt, verschaffte mir einen tollen Blick auf Russell und erzählte einiges über die Geschichte Russell’s. Die Leute sind einfach liebenswert hier!

Die Coromandel Peninsula

10. Tag (12. Oktober 1999)

Coromandel Town

Heute ging es früh aus den Federn, denn unser Bus fuhr recht früh nach Auckland. Hier wech-seln wir nach einer Stunde Aufenthalt den Bus und sind nach Süden unterwegs bis zum Highway 2, der durch die Hauraki Plains führt bis wir kurz vor Thames den beeindruckenden Waitou River überqueren, der nur von einer einspurigen Brücke überspannt wird. In Thames, dem Gateway zur Coromandel wechseln wir zum letzten Mal heute den Bus. Es geht nach Coromandel Town. Die Küstenstraße schlängelt sich in hunderten von Kurven dahin. Schon allein diese Straße zu fahren war die ganze Zeit heute im Bus wert. Es sieht so aus als ob wir in den „vergessenen“ Zipfel Neuseelands fahren. Arbeit ist hier sicherlich nicht so leicht zu finden was mir der Busfah-rer mit seiner Antwort auf die Frage nach der langen Arbeitszeit bestätigt: „But it is work!“
In Coromandel Town angekommen checken wir im White House Backpacker ein. Es ist einer der nettesten Backpacker den ich bis jetzt gesehen habe. Das Ambiente ist sehr heimelig und wir verbringen einen gemütlichen Abend, nachdem wir vorher noch im Supermarkt eingekauft ha-ben.

11. Tag (13. Oktober 1999)

Coromandel Town

Bay of Islands - Russell

Coromandel - Waterwork

Am morgen haben wir uns auf den Weg zur Driving Creek Railway gemacht, die wir uns heute anschauen und mit der wir fahren wollen. Es ist eine Schmalspurbahn die ein Töpfer in absolu-ter Handarbeit in den Regenwald gebaut hat um den Ton den er braucht leichter aus dem Wald transportieren zu können. Es ist eigentlich kaum vorstellbar das die ganzen Ausschachtungen, Brücken und Tunnels, sowie der ganze Schienenstrang Handarbeit ist. Die Bahn führt den hinter der Töpferei liegenden Hang hinauf, teilweise sogar im Zig-Zack, so daß der Zug mal vorwärts und gleich darauf wieder rückwärtsfährt. Der Regenwald reicht sehr nahe an die Schienen her-an, es sind gewaltige Farne und jede Menge einheimische Bäume zu sehen, so auch der für Neuseeland berühmte Kauri Tree. Oben am Ende der Bahnstrecke angekommen erwischte uns ein kurzer Regenschauer und schränkte die sonst sicherlich tolle Aussicht ein wenig ein. Auf der Rückfahrt konnten wir nochmals die in zweijähriger Bauzeit entstandene Doppelstockbrücke bewundern und auch die Hangabstützungen die aus Tausenden von leeren Flaschen bestehen.
Nachdem wir wieder im Hostel zurück waren hat uns Richard, der Manager des Backpackers gegen Nachmittag zum Anfang des Castle Rock Track gefahren, dem wir anschließend bis auf dessen Gipfel gefolgt sind. Er liegt ungefähr 10km vom Backpacker entfernt und es war sehr nett von Richard uns zu fahren. Auf dem Rückweg müssen wir mal sehen wie wir zurückkom-men. Der Weg zum Gipfel steigt steil durch dichten Regenwald bergan. Der ist zudem sehr schlammig und es tropft überall von den Bäumen aufgrund des Regens letzte Nacht. Oben am Gipfel angekommen konnten wir noch einen kurzen Blick auf die Linien der West- und Ostküste der Coromandel erhaschen bevor es schlagartig zuzog und zu regnen begann. Wir standen in-nerhalb weniger Minuten auf dem „Dach der Welt“, da um uns herum nur noch Wolken in ei-nem strahlenden Weiß zu sehen waren. Wir beschlossen wegen des doch sehr kühlen Winds uns wieder auf den Rückweg zu machen. Als wir den nun sehr rutschig gewordenen Weg hinun-ter gingen mußte ich feststellen, daß es eigentlich kein großes Problem ist im Regen unterwegs zu sein, solange die Füße und der Kopf trocken und warm bleiben. Ich war jedenfalls ein weite-res Mal sehr froh an meinen Lederhut. Als wir kurz vor erreichen der Straße noch durch einen kleinen Bach waten mußten kam die Sonne wieder zum Vorschein und unsere Sachen waren schnell wieder trocken. Auf der berühmten Straße 309 sind wir anschließend noch ein Stück zu den Waiau Falls gelaufen. Auf dem Rückweg gab es danach die zweite Dusche von oben. Als wir jedoch die „Waterworks“ erreicht haben war die Sonne wieder da. Es ist schon erstaunlich wie-viel Dinge sich durch Wasser bewegen lassen. Selbst eine wassergetriebene Uhr gab es zu be-staunen. Zurück nach Coromandel Town haben wir schon nach kurzer Zeit eine Mitfahrgele-genheit bekommen und somit war der Weg nicht ganz so anstrengend.
Was wir morgen machen ist noch nicht ganz klar, eigentlich wollen wir nach Fletschers Bay, je-doch fahren die Busse in der Low Season nicht. Richard will dies für uns noch klären. Vielleicht haben wir ja Glück.

12. Tag (14. Oktober 1999)

Coromandel Penisula

Leider gibt es keine Gelegenheit nach Fletshers Bay zu fahren. Zwar besteht die Möglichkeit den Postboten zu fragen ob er uns mitnimmt, aber es ist dann nicht sicher wann wir wieder von Fletshers Bay zurückkommen können. Deshalb bleiben wir noch einen Tag länger hier und fah-ren morgen nach Hahei. Nach dem Frühstück sind wir heute losmarschiert zum Lucas Lookout und hatten dieses Mal einen phantastischen Überblick über die ganze Coromandel ohne dass es angefangen hätte zu regnen. Selbst Auckland auf der anderen Seite war schwach am Horizont zu erahnen. Zurücklaufen mußten wir auch heuten nicht, da uns ein Deutscher per Anhalter mitgenommen hat. Es war sehr nett, jedoch war es ein komischer Mensch. Er war alleine in einem Camper unterwegs und will in 4 Wochen ganz Neuseeland sehen. Er hat sich, wie er er-klärte dazu einen detaillierten Plan ausgearbeitet an welchem Tag er welche Strecke zurückle-gen muß. Ich denke mehr als das was er vom Fahrersitz seines Autos aus sieht wird er wohl auch nicht erleben, da er überall nur vorbeifährt um zeitlich in seinem Plan zu bleiben. In 4 Ta-gen hat er alles angeschaut wozu wir fast zwei Wochen gebraucht haben. Dabei jedoch hatte ich schon den Eindruck, daß wir in dieser Zeit wenig gesehen haben. Nun ja wie auch immer, wir kamen bequem ins White House zurück und konnten somit am Nachmittag zur Long Bay laufen. Dort gibt es einen sogenannten Kauri Track, an dessen Wegesrand ein mächtiger Kauri Baum stand, der sicherlich schon weit mehr als 1.000 Jahre alt war. Sein Stammdurchmesser betrug ganz bestimmt mehr als 3m und er überragte sämtliche Bäume um ihn herum bei weitem. Kau-ris zählen nämlich zu den Pflanzen mit der längsten Lebenserwartung auf unserem Planeten. Es gibt Exemplare die auf über 3.000 Jahre geschätzt werden. Am Long Bay Beach saßen wir noch eine Weile bevor wir wieder zurückgegangen sind. Auf dem Rückweg wollten wir noch Austern an einer Austernfarm probieren, aber diese Farm war schon viel zu professionell organisiert als das man dort im vorübergehen etwas bekommen könnte. Somit mußten wir eben auf den Ge-nuß verzichten.

13. Tag (15. Oktober 1999)

Coromandel - Whitianga

Hot Water Beach

Heute wollen wir an die Ostküste der Coromandel nach Whitianga um uns in den nächsten Ta-gen den Hot Water Beach und die Cathetral Cove anzuschauen. Der Bus haben wir schließlich auch erreicht und somit ging es über die „309“ nach Whitianga. Beim Aussteigen in Whitianga gab es noch ein kleines Wirrwarr, weil keiner richtig gewußt hat wen der Fahrer nun zum Aus-steigen auffordert. Am Visitor Center waren wir anschließend schwer am Planen wo wir über-nachten können und wie es mit der Tide so steht, da diese für das Erreichen des Hot Water Beach entscheiden ist. Nachdem schließlich alles soweit klar war und wir zur Fähre wollten muß-te ich leider feststellen, daß ich meinen Hut im Bus liegen gelassen hatte! Oh NO!! Also wieder rein ins Visitor Center. Die nette Frau hat, nachdem ich ihr die Sache erzählt hatte auch gleich in Thames, der nächsten Station des Busses angerufen. Die Leute dort sollten dem Busfahrer sa-gen das der Hut mir gehört und er ihn auf der nächsten Fahrt in Whitianga abgeben sollte. So hoffe ich nun das dies klappt und ich in 2 Tagen meinen Hut wieder in Empfang nehmen kann da wir ja nun nach Hahei aufbrechen.
Als wir wenig später auf der anderen Seite des Flusses waren haben wir dort den Busfahrer ge-fragt ob es heute abend noch eine Möglichkeit gibt zur Ebbe um 18.30Uhr an den Hot Water Beach zu kommen. Da es Vorsaison ist und sowieso kaum was los kam eine einfache Antwort: „Klar wir fahren heute nicht nach Fahrplan!“ Und somit sind wir kurz nachdem wir in Hahei im Backpacker abgestiegen sind zum Hot Water Beach. Es ist definitiv der einzige Ort auf der Welt an dem es so etwas gibt. Durch eine Erdspalte wird unter hohem Druck heißes Wasser durch den Sand an die Oberfläche gedrückt. Die Stelle an der dies geschieht ist nicht sehr breit und es gibt leider auch nicht mehr so viel heißes Wasser wie noch vor 200 Jahren als Cook diese Stelle fand und selbst das Meerwasser warm war.
So sind wir mit einer Schaufel bewaffnet an den Strand. Eine Handvoll Leute waren schon da und wir begannen nun auch ein Loch in den Sand zu graben. Es ist dabei nicht unbedingt einfach die richtige Stelle zu finden. Es soll auch schon Monate gegeben haben in denen kein heißes Wasser zu finden war. Wir hatten jedenfalls Glück und saßen wenige Minuten später auf dem Strand in unserem eigenen Spa-Pool. Auf der einen Seite unseres Pools wurde er mit heißem Wasser geflutet und auf der anderen Seite konnten wir mit kaltem Wasser mischen. Es war die erste Badewanne die nicht kälter wurde mit der Zeit, dafür mußten wir sie jedoch laufend wie-der neu ausgraben. Nach zwei Stunden waren wir wieder ziemlich müde im Backpacker zurück.
Abends habe ich mich noch aufgemacht zum Strand und wollte ein bißchen Sterne gucken. Lei-der war es zu bewölkt und deshalb saß ich einfach nur da und lauschte der Brandung bis es mir zu kalt wurde und ich wieder zurückging.

14. Tag (16. Oktober 1999)

Coromandel

Cathetral Cove

Nachdem wir heute morgen wieder ausgecheckt sind, und unsere Rucksäcke dort lagern konn-ten haben wir uns auf den Weg zur Cathetral Cove gemacht. Vorher rief ich noch im Visitor Cen-ter in Whitiange wegen meines Huts an und sprach auf Band. Hoffe nun, dass ich den Hut mor-gen wiederbekomme. Ja, jedenfalls haben wir vor erreichen von Marys Cove einen Abstecher zur Stingray Bay gemacht und dort eine Weile verbracht. Es ist eine sehr kleine Bucht die von Klippen eingerahmt ist. Danach sind wir wieder aufgestiegen um weiter Richtung Cathetral Cove zu gehen und schließlich erreichten wir auch Marys Cove und stiegen steil über Treppen hinab auf den Strand. Weißer Sand breitet sich vor uns aus, der von turmhohen Klippen umgeben ist. Durch ein gewaltiges Felsentor, welches das Meer über die Jahre hinweg ausgespült hat, betre-ten wir Cathetral Cove. Zuvor mußten man jedoch die Schuhe ausziehen da das Wasser bis in das Tor vordringt. Es ist wohl einer der schönsten Strände, der von einem imposanten Felsen dominiert wird der wie ein Segel geformt ist und nur wenige Meter vom Strand entfernt im Meer steht. Hier verbrachten wir den Nachmittag und es waren außer uns nur wenige Leute zugegen. Als wir schließlich uns doch aufraffen mußten um uns auf den Weg nach Hahei zurück zu machen verließen wir einen besonderen schönen Ort. Schließlich waren wir in Hahei zurück, haben uns an dem dortigen Strand noch aufgehalten bevor wir unser Gepäck holten und mit dem Bus zu Ferrys Landing fuhren. Auf dem Weg dort hin haben wir noch kurz an einer Winze-rei angehalten und neuseeländischen Wein probiert. Eine Flasche Portwein nahm ich schließlich noch mit.
In Whitianga ist es uns zum ersten Mal auf dieser Reise passiert das wir in einem Backpacker einchecken wollten und dieser ausgebucht war. Aber schließlich ist heute auch Samstag. Wen wundert es? Nachdem die Frau dort sich hinter das Telefon geklemmt hat fanden wir schließlich im Cat’s Pyjama, bei Wendy und Buster eine Übernachtungsmöglichkeit. Die Frau aus der Co-romandel Backpacker Lodge hat uns auch noch extra dort hingefahren, so daß wir mit dem Ge-päck nicht den ganzen Weg laufen mußten.

15. Tag (17. Oktober 1999)

Coromandel - Whitianga

Coromandel - Whitianga

Heute wollen wir zum Shakespeare Cliff. Somit fahren wir schon wieder mit der Fähre auf die andere Seite. Der Weg beginnt gleich an Ferrys Landing und führt als erstes über den Friedhof, auf dem noch Gräber von vor 1900 zu sehen sind. Danach folgen wir ein Stück weit der Straße bis der Weg zum Cliff abzweigt. Hoch über der Merkury Bay haben wir einen tollen Blick und als wir anschließend weiter zum Lonely Beach gegangen sind konnte man deutlich das Gesicht er-kennen, welches dem Cliff seinen Namen einbrachte. Am Lonely Beach, der seinem Namen heute alle Ehre machte haben wir den Nachmittag verbracht. Ich bin sogar ins Wasser gegan-gen, obwohl es ziemlich frisch war. Ich war zwar nicht allzu lange drin, aber immerhin. Weiter sind wir zum Cooks Beach gelaufen, der nur einen Steinwurf entfernt war. Bevor wir jedoch auf den Strand gehen konnten mußten wir noch einen Bach durchqueren, also hieß es mal wieder Schuhe und Socken ausziehen und durchlaufen. Anschließend sind wir den ganzen Strand ent-langgelaufen, haben uns noch ein Eis gegönnt bis wir schließlich auf der Straße wieder zu Ferrys Landing zurückgegangen sind.
Ich habe meinen Hut wieder!! Der Busfahrer hat ihn im Visitor Center abgegeben und ich konn-te ihn wieder glücklicherweise in Empfang nehmen, als ich zur Telefonzelle unterwegs war um Debbie & Mike in Auckland anzurufen. Es sind einfach tolle Leute hier, denn ich bin mir fast si-cher das ich in anderen Ländern meinen Hut nie wiedergesehen hätte. Somit kann ich die nächsten Tage wieder vor der Sonne geschützt durch die Gegend laufen. Ich glaube alles ande-re wäre mir relativ egal gewesen, wenn ich es verloren hätte. Aber an diesem Hut liegt mir doch sehr viel. Schön das ich ihn wieder habe!!
Heute abend wollen wir noch essen gehen und was wir morgen machen wissen wir noch nicht. Ich will vielleicht reiten gehen.

16. Tag (18. Oktober 1999)

Es ist unser ersten richtiger Regentag, das heißt einfach noch einmal umdrehen und später nochmals sehen wie es aussieht. Nach dem Aufstehen war erst einmal Video gucken angesagt, anschließend gab es gleich noch einen Film. Gegen Nachmittag, als es immer noch regnete ent-schloß ich mich dazu ein eigenes Bone Caving zu machen. Dabei schnitzt man aus einem Kno-chen einen Kunstgegenstand der in der Maori Kultur eine bestimmte Bedeutung hat. Nun gut, ich habe fast drei Stunden für mein Bone Caving benötigt und hatte am Ende ein wunderschö-nes Stück.
Gegen Abend ist die Bewölkung aufgerissen und am klaren Himmel waren die Sterne zu sehen. Bei Halbmond nach dem Abendessen hat es mich doch sehr gereizt am Strand entlang zu wan-dern. Es ist immer wieder phantastisch nur die Brandung des Meeres zu hören und über einem die Sterne funkeln zu sehen. Der Mond schien so hell das mein Körper einen Schatten warf und an einem Teil des Strandes sahen dabei die vielen Muscheln wie frisch gefallener Schnee aus, der unter den Schritten laut knirschte.
Auf dem Rückweg ist mir dann noch ein Mißgeschick passiert. Beim Überqueren eines kleinen Bachs habe ich mich ziemlich verschätzt. Das weiche Ufer gab beim Absprung nach und ich stür-ze ziemlich abrupt ab, landete mitten im Bach und war von oben bis unten klitschnaß. Der restli-che Rückweg war anschließend nicht mehr so romantisch und auch komischerweise so eigenar-tig feuchtkalt!

Rotorua und eine Hochzeit in Auckland

17. Tag (19. Oktober 1999)

Mit dem Intercity fuhren wir heute über Thames und Tauranga nach Roturua, dem Zentrum der geothermischen Aktivitäten und der Maori Kultur hier in Neuseeland. Gegen Nachmittag sind wir angekommen und anschließend im Funky Green Voyager Backpacker abgestiegen, in dem ich schon im Februar war. Als ich im Anschluß in der Stadt war habe ich mir erst einmal einen Haarschnitt verpassen lassen. Ich muß schon sagen, schon der Kaffee der mir serviert wurde war überraschend und ich wußte auch nicht, dass man Haare waschen zu solch einem Erlebnis machen kann, was sehr angenehm war. Jedenfalls bin ich nun wieder hübsch genug für Debbie & Mikes Hochzeit am Samstag.

Am Abend sind wir ins Tamaki Maori Village um ein traditionelles Maori Konzert anzuhören, im Anschluß daran das berühmte Festmahl der Maoris, den Hangi zu essen und einfach ein bißchen mehr über die Maori Kultur zu erfahren. Diese Veranstaltung war natürlich touristisch voll durchorganisiert, aber dennoch sehr schön und interessant.

Wir wurden abends vom Funky Green mit dem Bus abgeholt. Der Bus wurde daraufhin nicht mehr zu unserem Bus, sondern stelle unser „Waka“, Kanu dar mit dem wir zum Dorf des Gaststammes fuhren. Während der Fahrt wurden wir auf die Bräuche und Riten der Maoris eingestimmt. Als Erstes mußte unser Kanu ein Oberhaupt bekommen, der das Friedenssymbol entgegennimmt. Diese Rolle bekam ein älterer Aussi aus Melbourne und somit waren wir gut vor-bereitet um das „Wero“, die Herausforderung anzunehmen nach der Ankunft im „Marae“, dem Dorf. Niemand darf das Dorf betreten, bevor das offizielle Begrüßungszeremoniell beendet ist. Der Gastgeber zelebriert eine Friedenszeremonie. Der Krieger zeigt gebräuchliche Gesten und bestimmte Bewegungen mit seiner Waffe bis unser Oberhaupt das Friedenssymbol von Vertreter des Gaststammes entgegengenommen hat. Der Begrüßungsruf ertönte und anschließend durfte unser Stamm das Dorf betreten. Im „Whare-Nui“, dem großen Haus fand nun das Kon-zert statt. Das „Hongi“, Nasendrücken zwischen unserem Oberhaupt und dem Stammesältes-ten besiegelte die Freundschaft zwischen unseren verschiedenen Kulturen. Das Konzert, wäh-rend dessen verschiedene Lieder und Tänze aufgeführt wurden konnte beginnen. Der berühm-te Kriegstanz „Haka“ wurde schließlich am Ende des Konzerts aufgeführt.

Jetzt ist der Moment des Abendessens gekommen. Der „Hangi wird aus seinem Erdofen her-ausgenommen, in dem es für ca. vier Stunden auf heißen Steinen in der Erde gegart hat. Im Eßhaus nehmen wir Platz an dem uns zugeteilten Tischen Platz und versuchen des Hangi, nach-dem wir an Büfett unseren Teller gefüllt haben. Die Kochweise verleiht dem ganzen Essen ei-nen ganz eigenartigen Geschmack, der zwar etwas gewöhnungsbedürftig ist aber das Essen zu einem Besonderen macht. Die Abschiedszeremonie markiert das Ende und wir werden mit Wüschen für eine gute Reise verabschiedet. Der Haka wurde jedoch als weiterer Höhepunkt für uns Touristen nochmals aufgeführt, was unter den Leuten natürlich für Begeisterung sorgte.

Auf der Rückfahrt später nach Roturua sollte noch jede Nationalität ein Lied singen und da Wal-ter und ich die einzigen Deutschen im „Kanu“ waren hätten einer von uns auch etwas zum Besten geben sollen. Da mir jedoch überhaupt kein Lied eingefallen ist das sich bei meiner schlechten Stimme einigermaßen anhörbar gewesen wäre habe ich nicht gesungen. Daraufhin hat der Busfahrer den Bus am Straßenrand angehalten und das Licht ausgeschaltet und wollte erst dann wieder weiterfahren, wenn einer von uns gesungen hat. Zum Glück ist er schließlich doch noch weitergefahren und ich konnte den Leuten meine Stimme ersparen. Jedenfalls war es ein sehr schöner und interessanter Abend, den ich nicht so schnell vergessen werde.

18. Tag (20. Oktober 1999)

Rotorua - Mt. Tarawera

Rotorua - Mt. Tarawera

Rotorua - Mt. Tarawera

Es geht mit einem 4WD zum Mt. Tarawera hinauf, der vor über hundert Jahren bei einem gewal-tigen Ausbruch die White and Pink Terrace zerstört hat. Wir fahren zum Krater hinauf und wer-den von dort aus auf den Gipfel laufen. Der Weg war ziemlich ausgewaschen, führte durch dich-ten Busch, der sich wieder nach der Eruption gebildet hat und war mal wieder 4WD nach mei-nem Geschmack. Weiter oben wurde die Vegetation karger und der Ausblick besser. Als wir schließlich am Ende des Wegs angekommen sind konnten wir nur noch zu Fuß zum Gipfel wei-terkommen. Der Pfad führte immer an der Spalte der Eruption entlang und überquerte sie auf einem schmalen Grat. Letztendlich erreichten wir den Gipfel und es breitete sich vor uns ein unglaubliches Panorama aus. Man konnte Roturua im Norden und selbst den 150Km entfernten Mt Ruaperu, den höchsten Berg der Nordinsel im Süden erkennen. Der Wind pfiff über den Gipfel und direkt vor uns breitete sich die 300m tiefe Kraterspalte aus. Der Ausbruch des Vul-kans fand damals auf einer Länge von ca. 17Km statt und ist auch heute noch auf der gesamten Länge zu erkennen. Später sind wir über einen 55° steilen Hang in den Krater abgestiegen. Der ganze Hang bestand aus losem Basalt und so konnte man nach jedem Schritt auf der Ferse nach-rutschen. Es machte einen riesigen Spaß den Hang regelrecht hinunter zu rennen. Dabei war ich nach ca. eine Minute unten und es war leider schon vorbei. Auf der anderen Seite führte ein Weg wieder aus dem Krater heraus und wieder zum Auto zurück. Bevor wir wieder zurück fuh-ren gab es noch für jeden einen warmen Tee. Zwei aus unserer Gruppe sind mit einem Helikop-ter abgeholt worden der während der Teepause einschwebte. Der Rest ist wieder mit dem 4WD zurückgefahren. Wieder zurück in Roturua bin ich noch mit einer Canadierin und einem Engländer, die ich auf der Tour kennengelernt habe zu „Fat Dog“ etwas essen gegangen und haben somit die Tour ausklingen lassen.
Mit Frank, einem Radfahrer den wir schon auf der Coromandel Halbinsel getroffen haben wollte ich am Abend ins berühmte Polynesian Spa von Roturua. Wir gingen so gegen 20.00Uhr, es war nicht gerade sehr warm und mich hat es richtig gefroren. Nach dem Umkleiden habe ich mich umgeschaut und festgestellt, daß alle Pools unter freiem Himmel sind. Wir hatten beide nicht viel Ahnung und sind deshalb gleich in den erst besten Pool gestiegen, weil dieser so schön leer war. Es war gleich der wärmste wie sich später herausstellte und es kostete viel Überwindung hineinzusteigen. Aber es war herrlich in einem Spa zu sitzen, den Himmel über sich zu haben und den Mond hell scheinen zu sehen. Nach 10 Minuten wurde es jedoch viel zu warm und wir kühlten unsere dampfenden Körper an der jetzt sehr angenehmen Luft wieder ab, bevor wir uns wieder in den nächsten Pool setzten. Nach 1 ½ Stunden sind wir schließlich gegangen und konnten nach einem Bier in einem Pub auf dem Weg nach Hause hervorragend schlafen.

19. Tag (21. Oktober 1999)

Heute ist wieder einer der faulen Tage. Ich bin spät aufgestanden, nachdem am frühen Morgen zwei Aussis über eine Stunde gebraucht haben um ihr Zeug zusammenzupacken. Aber das ist eben das Leben in einem Backpacker, schließlich sagt auch Niemand etwas wenn man selbst irgendwann früh seine sieben Sachen zusammenpackt. Durch das späte Aufstehen habe ich natürlich die Pfannkuchen verpaßt, die es heute morgen zum Frühstück gab. Walter meinte sie hätten gut geschmeckt. Na ja, man kann nicht alles haben. Gegen Mittag war ich im Zentrum, habe den Intercity gebucht und einen Backpacker in Auckland unserem nächsten Ziel reserviert. Außerdem war ich noch etwas essen. Am Nachmittag hat es begonnen zu regnen und ich ver-brachte die Zeit im Gespräch mit anderen Leuten im Funky Green. Am Abend war ich wieder im Polynesian Spa, dieses Mal mit Walter zusammen. Es war gestern einfach so toll!

20. Tag (22. Oktober 1999)

Rotorua

Auckland

Auckland

Auckland

Mit Newmann’s geht es heute wieder zurück nach Auckland. Wir hatte viel Spaß in den letzten Tagen im Funky Green Voyager und zum Abschied bot er mir noch an, daß ich beim nächsten Mal eine Nacht umsonst bleiben kann, wenn ich aufhöre mit Rauchen. Ich lächelte, denn ich glaube nicht das ich so schnell hier nochmals vorbeikommen werde, leider!
Es geht nach Auckland, jedoch mit einem Abstecher zu den Waitomo Caves südlich von Hamil-ton. Waitomo ist eine große Touristenattraktion und so ging es dort auch zu! Ein halbes Dut-zend Busse waren da und die Leute wurden in großen Gruppen durch die Höhle „geschoben“. Die Limsteinhöhle selbst war jedoch sehr beeindruckend, besonders die Kathedrale, eine enorm hohe Halle, in der auch schon große Konzerte stattgefunden haben. Weiter hinten konnte man die ersten Glühwürmchen bewundern wegen der die Höhle so berühmt ist. Eine Bootsfahrt brachte uns in eine dunkle Halle in der die Decke voll von Glühwürmchen war und sich somit ein wunderbarer „Sternenhimmel“ über uns erstreckte. Leider war der Moment ein-fach viel zu kurz und ich hatte auch angenommen das es mehrere Hallen gibt durch die man fährt und an der Decke Glühwürmchen sieht. Nachdem wir die Höhle wieder verlassen hatten ging es endgültig nach Auckland zurück. Die Stadt begrüßte uns am Abend mit einem großen Stau, weil es so aussieht wie wenn alle Leute an diesem Labor-Weekend ins Umland fahren wol-len.
Als wir schließlich im Backpacker waren haben wir Thomas noch angerufen, den wir auch auf der Coromandel kennengelernt haben. Wir verabredeten uns für den Abend um in der Upper Queensstreet gemeinsam chinesisch essen zu gehen. Wir aßen ein „Steam Boot“. Dabei wird Fleischbrühe in einem Topf über einem Brenner auf dem Tisch erhitzt. Anschließend kommen alle Zutaten gleichzeitig in den Topf. Das Fleisch wird nun in Eigelb gewendet und mit einem Drahtlöffel in der Fleischbrühe gekocht. In einer Schale wird noch Reis mit einer scharfen Chilli-Erdnuß-Soße vermischt und die Zutaten und das Fleisch aus dem Topf zusammen mit dem Reis gegessen. Zum Schluß werden dann in die Fleischbrühe Nudeln gegeben und das Ganze ab-schließend als Nudelsuppe gegessen. Es war ein sehr entspanntes Essen während dessen man sich gut unterhalten konnte.
Nachdem wir das Lokal verlassen hatte war Thomas noch so nett und ist mit uns zusammen auf den Mt. Eden, dem vom Zentrum aus nächstgelegenen Vulkankrater gefahren. Der Überblick über das nicht enden wollende Lichtermeer von Auckland war wieder einmal etwas Besonde-res. Das Zentrum war in greifbarer Nähe und man konnte von dort oben sogar die beiden natür-lichen Häfen der Stadt als schwarze Flecken erkennen. Dabei ist mir aufgefallen das Auckland wohl die einzige Stadt sein dürfte welche zwei verschiedene Hafen besitzt.
Anschließend sind wir dann etwas trinken gegangen. Thomas zeigte uns das „Shadow“, die Stu-dentenkneipe auf dem Uni-Campus. Es war die Hölle los und eine gute Stimmung. Als es gegen später etwas leerer wurde und wir noch nicht zurück in den Backpacker wollten sind wir schließ-lich noch in einem Strip-Schuppen gelandet und waren schließlich ziemlich früh an diesem Abend im Backpacker zurück.

21. Tag (23. Oktober 1999)

Long Bay Beach

Debbie & Mike

Der Tag der Hochzeit! Gegen Mittag war Reg so nett und hat uns am Cityhotel Backpacker ab-geholt. Mary und Reg sind einfach nette Leute, denn wir können schon wieder, wie in unserer Ersten Nacht in Neuseeland bei Ihnen übernachten. Wir fahren die Garagenauffahrt hinein, Mary kommt uns entgegen, wir legen unserer Sachen ab, bekommen einen heißen Tee und fühlen uns wie zu Hause. Um die Zeit noch ein wenig totzuschlagen gingen wir mit Reg zusam-men in Takapuna am Strand ein bißchen spazieren. Anschließend machten wir uns für die Hoch-zeit fein und fuhren zusammen nach Long Bay Beach, welcher ganz im Norden von Auckland liegt. Die Hochzeit fand in einem sehr netten Restaurant direkt am Strand statt. Nach einer kur-zen, aber sehr netten und lieben Zeremonie wurden unzählige Bilder vom Brautpaar gemacht, währenddessen wir uns mit den anderen Leuten uns unterhalten haben. Gegen später gab es ein wunderbares Büfett dem ein sogenannter „formeller Teil“ gefolgt ist, indem zu unserer Überraschung uns Mike, als Bräutigam sogar namentlich erwähnt hat, da wir diejenigen waren welche die mit Abstand weiteste Anreise hatten. Ich hatte wirklich den Eindruck, daß beide sich sehr gefreut haben das wir gekommen sind. Es war eine sehr schöne Hochzeit die uns sehr ge-fallen hat.
Am Ende sind wir schließlich wieder mit Mary und Reg zurückgefahren und haben den Abend noch bei einem Tee beschlossen.

22. Tag (24. Oktober 1999)

Americas Cup 2000

Heute starten Debbie & Mike in ihre Flitterwochen und leider war keine Zeit mehr um sie heute nochmals zu sehen und mehr Zeit miteinander zu verbringen. So sind wir am Morgen unseres letzten Tages in Neuseeland nach Devenport zum Frühstücken gefahren worden. Gegen Mittag sind wir mit der Fähre nach Auckland hinübergefahren und haben uns ausgiebig das Americas Cup Village angeschaut. Da der Wind am heutigen Tag für die hochgezüchteten Superjachten viel zu stark war wurden sämtliche Rennen abgesagt und wir konnten deshalb die Jachten im Hafen bewundern. Im Casino des Sky Centers verbrachte ich auch noch einige Zeit und schaute mir am Nachmittag einen IMAX Film an. Abends waren wir schließlich wieder in der Upper Queens Street und aßen wieder einmal asiatisch, jedoch nicht chinesisch, sondern koreanisch, was sehr gut war, nachdem wir bei den anderen Gästen zugeschaut hatten wie gegessen wird. Mit dem Bus sind wir schließlich wieder nach Glenfield zu Mary und Reg gefahren.

Der Stopover in Tokyo, Japan

23. Tag (25. Oktober 1999)

Tokyo - Narita

Es ist unser Tag an dem wir nach Japan unterwegs sind. Mary und Reg brachten uns noch zum Airport und verabschiedeten uns sehr freundlich. Ich konnte mein Souvenir abholen, welches wie versprochen hier an den Airport geschickt wurde und letztendlich saßen wir am Gate und warteten auf das Boarding. Nun geht es in eine der teuersten und aufregendsten Stadt der Welt, nach Tokyo! Ich bin schon ziemlich gespannt und freue mich darauf.
Wir sind wieder in Narita gelandet, der Kapitän muß um den ganzen Flughafen herumfahren und somit sitzen wir noch gut 20 Minuten im Flieger bis wir ganz hinten an einem Gate andocken dürfen. Nach dem Verlassen der Maschine geht alles ziemlich reibungslos, doch als ich Torsten noch anrufen wollte hätte ich um ein Haar mein Portemonnaie am Telefon liegen gelassen, weil mein Rucksack auf dem Band erschienen ist. Walter hat es jedoch bemerkt und mich vor einer unangenehmen Situation gerettet.
Im Anschluß daran haben wir uns durch das Labyrinth der Gänge geschlängelt und sind zum Zug. Mit dem Express Train ging in über einer Stunde nach Nippori. Hier stiegen wir in die ziemlich volle Yamanotte Line, der Ringlinie um Tokyo um und fahren gerade einmal 6 Stationen quer durch die Stadt bis nach Ikebukuro. Dort wurden wir mit dem Problem konfrontiert, daß es kei-nen geöffneten Ticketschalter mehr gab und wir gezwungen waren am Automaten unser Ticket zu lösen. Die japanischen Schriftzeichen waren für uns wie böhmische Dörfer bis uns ein freundlicher Gijin, Ausländer, den wir erst suchen mußten weitergeholfen hat. Mit einem Ex-press ging es auf der Tobu Tojo Line in einer weiteren Stunde nun endgültig nach Higashi-Matsujuma. Vom Bahnhof dort haben wir dann Torsten angerufen der uns auch 5 Minuten spä-ter abgeholt hat. Somit haben wir durch Torstens gute Beschreibung Tokyo am ersten Abend fast ganz durchquert. Wir sind ziemlich müde trinken noch unser erstes japanisches Bier und sinken nach einem anstrengenden Tag friedlich in den Schlaf.

24. Tag (26. Oktober 1999)

Asakusa - Tokyo

Asakusa - Tokyo

Asakusa - Tokyo

Azuma Bridge; Komagata Bridge; Umaya Bridge; Kuramae Bridge; JR Soubu Line Ryogoku Bridge; Shinohashi Bridge; Kiyosu Bridge; Sumidagawa Ohashi Bridge; Eitai Bridge; Chuo-Ohashi Bridge; Tsukuda-Okashi Bridge; Kachidoki Bridge

Wir sind auf dem Weg nach Tokyo, steigen gleich mehrfach an den großen Stationen der Stadt um und erreichen nach fast 2 Stunden Asakusa. Hier scheint es so als wenn wir mitten in der pulsierenden Metropole drinstecken. Es sind überall Leute und Geschäfte. Nachdem uns die unterirdischen Gänge der U-Bahn an die Oberfläche gespült haben stehen wir mitten in der Nakamise-dori Einkaufsstraße die wir nun durchqueren und uns dem Senso-Ji Tempel nähern, der mit seinem mächtigen Thunder Gate fast wie aus dem Nichts auftaucht. Japan so wie man es sich vorstellt. Das Gate wird vom Gott des Donners und des Winds bewacht. Als wir durch-gegangen sind erstreckte sich zu unserer Linken eine fünfstöckige Pagode. Echt beeindruckend! Viele Japaner aus dem ganzen Land sind hier und zünden massenweise Räucherstäbchen an. Die ganze Luft ist voll davon. Der Tempel selbst wurde in seiner heutigen Form 1950 erbaut, ist also nicht sehr alt, jedoch steht an dieser Stelle schon seit 628 ein goldenes Bildnis des Buddhis-ten Kannon, welches der Legende nach damals von zwei Fischern aus dem nahegelegenen Fluß Sumida-gawa gefischt wurde. Auf diesem Tokyo durchquerenden Strom machten wir anschlie-ßend eine Bootfahrt flußabwärts und unterquerten in einer halben Stunde zahlreiche wunder-schöne Brücken, die majestätisch den Fluß überspannen. Die Ufer sind dagegen nicht gerade sehr anschaulich, obwohl wir den ältesten Teil Tokyos passieren, zeigt jedoch die größte Prob-lematik der Stadt. Platz! Wir verlassen das Boot am Hamarikyu-teien Garten und durchstreifen den kleinen, aber sehr schönen Park. Dieser ist von einem Shogun der Edo Dynastie nur aus einem Grund angelegt worden. Zur Entenjagd! Wir laufen zur Shinbushi Station und fahren mit der Yamanotte Line, die in der Rushhour nun sehr voll ist nach Shinjuku, dem modernen Zent-rum Tokyos. In dem wohl höchsten Rathaus der Welt fahren wir zum Observation Deck hinauf. Es bietet sich ein toller Blick über die Stadt, deren Grenzen am Horizont noch immer nicht zu sehen sind. Den Fujiama kann man von hier oben auch sehen, so sagt man uns aber heute hat der Smog die Stadt fest in seinem Griff. Wir verbringen eine ganze Weile hier und warten auf das Einbrechen der Nacht und dem Erstrahlen des riesigen Lichtermeers tief unter uns.
Nachdem wir mit dem Aufzug nach unten gefahren sind und uns wieder im Gewimmel der Stra-ßen befinden begeben wir uns östlich des Bahnhofs in das Einkaufsviertel von Shinjuku. Überall grelle Lichter, Autos, Motorräder und Menschen. Es ist Haupteinkaufszeit. In den großen, ele-ganten Kaufhäusern herrscht jedoch eine angenehm ruhige Atmosphäre. Wie ich im Allgemei-nen schon festgestellt habe gibt es zwar überall sehr viele Menschen, speziell in den Zügen, jedoch herrscht kaum Hektik wie wir sie kennen. Man sieht nur sehr wenig Leute durch die Straßen rennen und es ist jederzeit möglich stehen zu bleiben ohne dass man von der großen Masse angerempelt oder gar mitgerissen wird. Bevor wir uns wieder auf den Weg nach Higashi-Matsujama gemacht haben sind wir noch durch das Rotlicht- und Amüsementviertel geschlen-dert. Es war mal abgesehen von den vielen bunten Lichtern nicht sehr viel los um diese Zeit. Später wird sich dies sicherlich ändern, aber so lange wollen wir nun doch nicht warten zumal noch über eine Stunde Zugfahrt auf uns warten. Zu Hause bei Torsten haben wir schließlich den Tag bei einem guten japanischen Bier beschlossen.

25. Tag (27. Oktober 1999)

Hamarikyu-teien Garten

Shinjuku - Tokyo

Shinjuku - Tokyo

Tokyo

Tokyo

Wir sind wieder mit dem Zug unterwegs ins Zentrum der Stadt, und dabei fällt mir auf, daß es sehr viele Leute gibt die sehr auf Kleidung achten und von Kopf bis Fuß Top angezogen sind. Es wird in Japan sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt, was sich auch durch das stark ausgeprägte Markenbewußtsein ausdrückt. Bei den Männern gibt es nur eine Linie. Hemd, Krawatte und Jackett, wobei hier auch die sehr teuren Modelle vorherrschen. Bei den Frauen ist es etwas differenzierter, hier gibt es alles zu sehen, wobei jedoch von den Schuhen bis zu den Accessoires alles zusammenpasst. Auch die Gegensätze in der Kleidung fällt ins Auge. Die meisten, oder besser gesagt fast alle sind westlich gekleidet mit den ganzen Modetrends und Subkulturen wie wir sie auch kennen, aber man sieht auch Frauen im Straßenbild von Tokyo die traditionell im Kimono gekleidet sind.
In Ikebukuro steigen wir um und fahren quer durch die Stadt nach Ginza einem Einkaufs- und Geschäftsviertel. Leider regnet es heute in Strömen, weshalb wir die einzelnen Kaufhäuser durchschlendern und schließlich im Sony Building landen. Auf verschiedenen Etagen sind sämtli-che Produkte und Geräte des Konzerns ausgestellt, die man ausprobieren konnte. Von dort sind wir zur Electrical City gefahren. Wow! Man kann es sicherlich nicht glauben, wenn man es nicht gesehen hat. Ein Elektronik Laden neben dem anderen. Über und über vollgestopft mit den neuesten Geräten die auf den Markt geworfen werden. Alles was man sich nur irgendwie vorstellen kann und vermutlich noch vieles mehr. Das ganze Viertel ist grell bunt beleuchtet und überall ist Werbung, Discountpreise und Leuchtreklame zu sehen. Es ist einfach atemberau-bend und man steht staunend davor.
Anschließend sind wir von hier aus einfach weiter durch die Stadt gelaufen in Richtung der nächsten Station Uedo. Zwischendurch haben wir noch einen Kaffee getrunken um uns wieder ein bißchen aufzuwärmen und den Regen zu vergessen. Von Uedo, eine der größten Stationen in Tokyo sind wir wieder mit der Yamanotte Line nach Ikebukuro und von dort wieder mit der Tobu Tojo Line nach Higashi-Matsujama. Als Torsten von der Arbeit zurück kommt gehen wir japanisch Essen. Natürlich Zushi! In einem Restaurant in Higashi-Matsujama gibt es Kate-Zushi, Rotational Zushi, was natürlich das Bestellen für einen Gaiji wesentlich erleichtert, da die einzel-nen Portionen auf einem Fließband an jedem vorbeilaufen und man sich einfach den Teller her-unter nimmt auf den man gerade Lust hat. Bezahlt wird am Ende nur die Anzahl der Teller die eine bestimmte Preiskategorie haben. Es war ein weiteres einmaliges Erlebnis im Land der auf-gehenden Sonne und hat viel Spaß gemacht. Hinterher haben wir noch schnell in einer Spielhal-le vorbeigeschaut in denen die Japaner wie verrückt ihr Lieblingsspiel Patschinko spielen. Ich habe natürlich auch mal Geld hineingeworfen und die Kugeln durch das Labyrinth aus Nägeln laufen lassen. Leider hatte ich kein Glück und somit war es nur ein kurzes Vergnügen. Zum Ab-schluß des Abends gingen wir noch in eine Kneipe, aßen süße Kartoffeln und einen Fleischspieß zu unserem Bier. So ging schließlich ein nasser, jedoch toller Tag zu Ende.

26. Tag (28. Oktober 1999)

Shimbashi - Tokyo

Kamakura

Kamakura

Kamakura

Es geht nach Süden, wir verlassen Tokyo und fahren sogar an Yokohama der großen Hafenstadt vorbei nach Kamakura. Für einen kurzen Augenblick ist sogar der Mt. Fuji aus dem Zugfenster zu sehen der klar zwischen dem Häusermeer auftaucht und mit seiner schneebedeckten Krone uns begrüßt. Kamakura war eine Kaiserstadt im 13. JH, Japan wurde von hier aus durch den Ho-jo Clan regiert. Als erstes schauen wir uns den Hachiman-gu Shrine an, der einer der größten Tempel in Kamakura ist. Wir durchschlendern die Anlage, sind begeistert von der Architektur und verstehen doch so wenig von dem was dahintersteckt. Weiter folgen wir der „Avenue“ bis zum Haupteingang der Anlage an dem die Arche Bridge steht, die in solch einen steilen Bogen einen Bach überspannt das man sich die Frage stellt wie die Menschen früher diese Brücke wohl mit einem Wagen benutzen konnten. Danach haben wir den Jufukuji Shrine passiert und sind auf einen Berg hinaufgegangen, haben dort das Denkmal des Shoguns betrachtet und den Kuzuharaoka Shrine uns angeschaut, der jedoch nicht unbedingt ein „Muß“ darstellt. Über ei-nen Höhenweg haben wir uns nun auf den Weg gemacht um die Statue des Great Budda zu besichtigen. Zwischendurch gab es zudem noch einen tollen Aussichtspunkt von dem der Mt. Fuji deutlich, und zum Greifen nahe zu sehen war. Wow! Der Fuji in seiner ganzen Pracht und erhabener Krone. Es ist kein großes Wunder das dieser Vulkan ein heiliger Berg ist. Jedenfalls sind wir letztendlich am Great Budda angekommen und haben uns zu dessen Füßen eine etwas längere Pause gegönnt. Es ist nämlich eine der ganz wenigen Budda Statuen die unter freiem Himmel stehen. Dies war jedoch hier auch nicht immer so, aber schon vor langer Zeit hat ein großes Erdbeben das Haus zerstört und den Budda von seinem Sockel gestoßen. Die Statue jedoch ist unversehrt geblieben und man baute das Haus nicht mehr auf. Seit dieser Zeit gab es mehrere Erdbeben die zu diversen Beschädigungen führten, jedoch die Statue selbst wurde nie im Mitleidenschaft gezogen.
Hier trafen wir auch die Kanadierin wieder die wir schon heute morgen an einem anderen Shri-ne kennengelernt haben. Wir unterhielten uns ausgiebig über Kanada, Japan und dem Reisen in diesem Land. Dabei habe ich mal wieder festgestellt das ich unbedingt einmal nach Canada rei-sen muß.
Zum Schluß unseres Ausflugs nach Kamakura haben wir uns noch den Hase Kannon Tempel be-sucht, der sicherlich zu einem der prunkvollsten des Landes gehört. Schon allein die Größe des Tempels ist enorm. Der Ausblick auf das Meer war sehr schön und ein toller Abschied von der alten Kaiserstadt.
Auf dem Rückweg nach Higashi-Matsujama habe ich noch eine Pause in Ikebukuro eingelegt und bin nochmals in das Getümmel der Großstadt abgetaucht. Walter ist direkt nach Higashi gefahren, so daß ich alleine unterwegs war. Im riesigen Kaufhaus direkt am Bahnhof entdeckte ich noch einen ganz besonderes Antiquitäten Geschäft. Die zum Kauf angeboten Antiquitäten habe ich vorher nur in europäischen Schlössern gesehen. Die Preise waren dementsprechend hoch, die Auswahl jedoch erstaunlich vielfältig. Man könnte fast meinen die Adligen verhökern hier ihr Erbe. Als ich danach wieder auf der Straße war setzte ich mich einfach auf eine Bank und betrachtete das Treiben auf der Straße dieser Metropole. Ich kann es noch gar nicht fassen das ich morgen schon wieder auf dem Weg nach Europa sein soll. Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell.
Abends, als ich wieder in Higashi zurück war sind wir alle zusammen noch in die japanische Stammkneipe der Deutschen hier gegangen, haben bis spät in die Nacht gegessen und noch ein paar japanische Biere getrunken.

27. Tag (29. Oktober 1999)

Nach dem Aufstehen haben wir nun zum letzten Mal unsere sieben Sachen zusammengepackt. Anschließend waren wir noch einen Kaffee trinken im den Donut Laden gegenüber dem Bahn-hof, bevor wir uns auf den dreistündigen Weg zum Flughafen gemacht haben. Nur dieses Mal alles in umgekehrter Reihenfolge. Zuerst mit der Tobu Tojo Line, dann in die Yamanotte und zuletzt mit der Keisei Line nach Narita. Wir genießen die letzten Eindrücke sind ca. eine Stunde vor Abflug am Check-in und von da ab geht alles ganz schnell. Heute abend landen wir schon wieder auf dem Rhein-Main Airport. Jedoch sind es bis dahin noch 12 Stunden und dieses Mal ist es ein Tagflug. Walter setzt sich ans Fenster und er kann doch ein bißchen von der nördlichen Tundra Sibiriens unter uns erkennen.
In Frankfurt angekommen ist unsere Reise noch nicht ganz vorbei, zum Glück. Nun müssen wir noch mit dem ICE nach Stuttgart weiter. Es ist furchtbar kalt auf dem Bahnsteig, als wir auf den natürlich verspäteten Zug warten und so geht man in Gedanken nochmals einige Stationen durch. Japan war für mich eine ganz besondere Erfahrung und sehr interessant. Tokyo hat au-ßergewöhnlich viel zu bieten und drei Tage waren einfach nicht genug für diese Stadt. Die Men-schen dort sind nicht so hektisch wie in anderen Metropolen der Welt, auch fällt die zurückhal-tende Höflichkeit der Japaner positiv auf. Eine ganz besondere Erfahrung war für mich das Zug und Subway System in Tokyo welches ich nicht missen möchte. Ich hatte manchmal sogar den Eindruck wie wenn die Japaner eine eigene Methodik haben um die langen und überfüllten Zugfahrten so effektiv wie möglich zu nutzen.
Nun in ein paar Minuten fahren wir in den Hbf Stuttgart ein und dann sind wir nach einem lan-gen Tag endgültig wieder zu Hause.