3. Tag (27. Januar 1999)

Kaum in Sydney angekommen habe ich auch schon meine Flugroute umgebucht. Als ich wach wurde im Flieger nach Sydney habe ich mir überlegt, dass es doch einfach wesentlich besser wäre gleich nach Christchurch auf die Südinsel zu fliegen, anstatt nach Auckland und dann 2 Tage mit dem Bus nach Süden zu fahren. Deshalb muss ich nun einen Tag früher von den Fijis zurück und in Sydney einmal übernachten. Fliegen ist manchmal ebenso einfach wie Bus fahren. Down Under ich liebe dich!!
Nach einem Frühstück und einigen Einkäufen sitze ich nun mitten in der Stadt, es ist Sommer, die Sonne strahlt vom Himmel, ich bin ziemlich müde und habe es im Grunde noch überhaupt nicht gerafft, dass ich nun zum 3. Mal in dieser Stadt bin. Es könnte auch irgendwie ein banaler Ort in Europa sein. Im Moment gäbe es für mich wohl keine Unterschiede. Ich glaube ich bin einfach viel zu müde und die mentale Vorbereitung, die eigentlich nur aus dem Flug bestand war viel zu kurz. Aber schließlich hatte ich auch zu viel um die Ohren man will ja auch keinen Tag verschenken, was zu verstehen sein dürfte.
Wieder sitze ich beim Boarding, die Augen fallen fast schon zu, aber ein paar Stunden muss ich noch durchhalten, bevor ich endgültig abschalten kann und der Urlaub beginnt. Zuerst muss ich jedoch noch eine Bleibe finden, sollte aber kein großes Problem darstellen. Gerade habe ich noch gehört, dass es infolge von schweren Regenfällen heftige Überschwemmungen in Nadi geben soll. Na mal sehen was an der Meldung dran ist, aber schließlich herrscht dort Regenzeit in dieser Zeit des Jahres.
Der Pazifik liegt ruhig und mächtig 10 km unter uns. Kein Schiff ist weit und breit zu sehen, überall sind einzelne Wolken zu sehen, die wie Eisberge im Wasser zu schwimmen scheinen. Es entsteht der Eindruck, als ob in diesem Teil des Pazifiks erst in ein paar Jahren wieder ein Schiff vorbeikommen wird oder noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Mitte drin liegt ein Riff, keine Insel nur ein Riff, welches mit seinen verschiedenen Farben überraschend aufgetaucht ist und nun ziemlich schnell wieder hinter uns verschwindet. Ist die Welt an solch einem Ort noch in Ordnung?
Wir nähern uns den Fiji´s. Die Wolken werden dichter, türmen sich in drei, vier Schichten bis zu unserer Flughöhe. Wir gehen tiefer, um uns herum sind nur noch schwarze Wolken, es beginnt zu regnen. Der Regen wir heftiger je tiefer wir sinken. Der Kapitän erklärt uns, dass wir wegen anderem Flugverkehr eine Warteschleife fliegen müssten. Aber das glaube ich nicht! Wir sind garantiert die einzige Maschine im Landeanflug auf Nadi. Der Regen nimmt weiter zu, die Sicht ist gleich Null. Man kann kaum die Spitzen der Tragflügel erkennen. Nach der 3. Schleife entschließt sich der Pilot eine Landung zu wagen. Es schüttet nun wie aus Eimern, 100m über Grund plötzlich Sicht, ein Glück! Der Pilot setzt den Jumbo sauber auf und kommt am Gate zum Stehen.
Als die Tür geöffnet wird schießen erst einmal Massen von Wasser ins Flugzeug die vom Dach herunterstürzen. Nachdem es nicht zu stoppen ist und im Flugzeug das Wasser schon steht wird die Tür wieder geschlossen. Die Bodencrew versucht fieberhaft das Problem zu lösen. Sie manövriert mehrfach mit der Gangway neu heran. Nach einer viertel Stunde ist das Problem gelöst. Beim Aussteigen fällt mir erst auf, dass die Landebahn fast eine halbe Handbreit unter Wasser steht. Im Flughafengebäude empfängt eine Combo mit Südseeklängen die Neuankömmlinge. Ich fühle mich gleich wohl, zumal ein angenehm feuchtwarmer Luftzug das Gebäude durchströmt. Ich bin in der Südsee!
Nach meiner Ankunft kann ich auch gleich noch ein Resort auf einer kleinen Insel zu buchen. Einen Backpacker in Nadi habe ich auch gleich gefunden. Ich will nur noch dort hin! Komme dort an, sage noch zu allen Anwesenden „Hallo“ und falle gleich darauf, nach zwei Tagen im Flugzeug hundemüde ins Bett.