16. Tag (09. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Westküste - Südinsel

Westküste - Südinsel

Der Himmel hat sich ein wenig zugezogen, ich rufe bei den Skydivern an und bekomme mein O.k. für einen Sprung heute. Ich bin total happy und soll gegen Mittag abgeholt werden. Mit der üblichen Verspätung in down under geht es los. Ein Mädel aus Dänemark und ich werden zum Fox Glacier rübergefahren, über dem wir heute abspringen sollen. Dort angekommen steht auch schon die kleine Cessna bereit um jeden einzelnen von uns auf 12.000 Fuß zu bringen. Ich lasse der Carmen den Vortritt. Sie zieht sich den Overall an und erhält mit mir zusammen ihre Instruktionen wie man sich beim Absprung verhalten soll um unseren Tandempartner und uns selbst nicht zu gefährden. Gleich darauf geht es auch schon los und die kleine Cessna ist nach wenigen Metern mit Robert und Carmen in der Luft. Wir machen uns auf den Weg zur Drop Zone. Die Berge um uns herum sind alle in dichte, tiefhängende Wolken gehüllt, aber über der Drop Zone herrscht klarer Himmel. Ich konnte die beiden sogar als winzigen Punkt erkennen, als sie aus der Maschine gefallen sind. Wenige Minuten Später ist sie wieder am Boden und strahlt über das ganze Gesicht wie ein Maikäfer.
Nun bin ich an der Reihe! Wir fahren zurück zum Startplatz, der Flieger ist schon da, ich ziehe den Overall an und bekomme die Gurte umgeschnallt. Alles ganz relaxed. In der Maschine gibt es nur einen Sitz für den Piloten, wir sitzen auf dem Boden der Maschine, die nach wenigen Metern in der Luft ist. Wir fliegen zuerst Richtung Meer, gewinnen an Höhe und steigen weiter nachdem wir eine Schleife flogen und nun Richtung Berge zusteuern, immer den alles überragenden Mt. Cook im Blick. Wie der Höhenmesser anzeigt sind wir nun auf 5.000 Fuß und befinden uns schon über den Wolken. Die Aussicht ist überragend! Der Fox Glacier liegt genau unter uns und wir können sehen wie die Hubschrauber auf den Schneefeldern landen um die Touristen kurz aussteigen zu lassen. Wir steigen weiter, der Zeiger steht nun aus 8.000. Der Pilot macht noch einige Fotos von mir mit der Kamera, die an der Tragfläche befestigt ist. Ich bin auch schon die ganze Zeit am Bilder machen. Bei 10.000 lege ich die Kamera beiseite. Rob schnallt mich nun an sich fest und zieht nochmals die Gurte stramm. Ich bin immer noch ganz entspannt und genieße die Aussicht. Als wir schließlich unsere Sprunghöhe von 12.000 erreicht haben geht die Tür auf, es bricht kalter Wind herein, ich bin ziemlich überrascht und bekomme für Sekunden ein laues Gefühl im Magen. Rob und ich krabbelten nun zur offenen Tür, ich hänge schon aus dem Flugzeug und er sitzt auf dem Rand. Ich starre in die Tiefe. Es ist das steinige Bett des Gletscherflusses zu sehen. Ich habe nur noch einen Gedanken: Spring, spring, SPRING endlich! Aber Rob deutet noch auf die Kamera. Wir müssen noch die Bilder machen! Dann lässt er sich fallen. Wir rollen vorne über. Das Flugzeug über uns ist zu sehen. Alles scheint ziemlich langsam abzulaufen. Es ist der Augenblick der völligen Freiheit. Der Fahrtwind des Flugzeugs ist schlagartig weg, kein rumpeln der Maschine ist mehr zu spüren, ebenso ist das Gefühl des Fallens nicht wahrzunehmen, kein laues Gefühl im Magen und auch die Kälte scheint wie weggewischt. Die absolute Schwerelosigkeit!
Nachdem uns Rob in der Luft stabilisiert hat strecke ich die Arme weit von mir und wir fallen mit ca. 200km/h der Erde entgegen. Es ist genial. Rob dreht uns etliche Male im Kreis, wir sehen die Berge auf der einen Seite und das Meer auf der anderen. Die Berge werden wieder rasch größer, der Wind zerrt am ganzen Körper und als er die Leine zieht öffnet sich der Schirm mit einem kurzen Ruck. Nun geht alles viel langsamer. Ich kann die Brille abnehmen und wir schweben dem Landepunkt in großen Schleifen und engen Spiralen entgegen. Nach der Landung ist leider alles schon wieder vorbei und ich würde gern gleich noch einmal springen und bin fest davon überzeugt irgendwann wieder zu springen! Es ist ein unglaubliches Erlebnis.
Wir fuhren zurück zum Startplatz ich entledigte mich der Gurte und des Overalls, bekam noch mein Zertifikat und anschließen wurden wir wieder nach Franz Josef zurückgefahren. Und wie! Der Fahrer prügelte das Auto in einer affenartigen Geschwindigkeit über die 25km lange, kurvenreiche Strecke, so dass mir sich fast der Magen drehte. Aber wir beide haben die Fahrt überlebt und sind am Abend noch zusammen Essen gewesen. Carmen ist gerade mal 21 und ist auf dem Weg nach NZ über 6 Wochen lang alleine durch China gereist. Musste aber auch gestehen, dass es sehr anstrengend war, da man schon mal einen Tag dafür einplanen kann nur um einen Bahnfahrkarte zu kaufen. Und so unterhielten wir uns noch recht nett an diesem Abend bis es schließlich Zeit wurde zurück in den Backpacker zu gehen.