15. Tag (08. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Nachdem ich heute Morgen leider erfahren musste, dass das Skydive Team heute schon ausgebucht ist habe ich mich kurz entschlossen zum Roberts Point zu gehen. Der Weg beginnt am Parkplatz und ist als medium hard in die Karte eingezeichnet. Ich mache mich also auf den Weg zum Parkplatz. Nach einer halben Stunde Fußmarsch habe ich Glück und mich nimmt Jemand bis zum Parkplatz mit. Der Staub der Straße steckt aber trotzdem schon in den Klamotten. Ich wollte einfach nicht noch einmal den Weg von gestern Abend riskieren. Vom Parkplatz aus ging es als erstes über eine Hängebrücke auf die andere Seite des Flusses. Durch Regenwald und über unzählig viele, kleine Wasserläufe hinweg führt der Weg steil bergan. Einige Hängebrücken folgen, und der Weg wird steiniger und unwegsamer. Ich bin absolut glücklich darüber, dass ich meine Bergstiefel anhabe. Es ergeben sich im weiteren Verlauf einige Aussichtspunkte, aber der Gletscher scheint immer noch weit entfernt zu sein. Zu allem Überfluss führt der Pfad wieder weit hinunter bevor es schließlich endgültig zum Roberts Point ansteigt. Meine Trinkflasche scheint auch ein Loch zu haben, denn die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel. Nach 100 Minuten und 600 Höhenmeter erreiche ich ziemlich ausgepumpt Roberts Point. Der Blick der sich dort schlagartig vor mir ausbreitet, als ich aus dem Regenwald heraustrete ist grandios und entschädigt für die Mühen. Der Gletscher breitet sich tief unten vor mir aus und der Blick ist frei bis zum Schneefeld aus dem er gespeist wird. Es waren einige Gruppen von Leuten zu erkennen die sich auf dem Gletscher aufgehalten haben. Sie waren kaum zu erkennen und erschienen sehr winzig. Somit konnte man gut eine Vorstellung von der Größe der Eismassen bekommen. Aus dieser Höhe war auch gut zu erkennen warum dieser Gletscher so etwas Besonderes ist. Nicht nur wegen seiner extremen Nähe zum Meer, sondern auch wegen seiner bizarr zerklüfteten Oberfläche, die von Tausenden von Spalten zerrissen ist.
Ich verbrachte mehr als eine Stunde an Roberts Point und frühstückte noch gemütlich bevor ich mich auf den Rückweg ins Tal machte. Die ersten Wolken zogen schon wieder über die Gipfel. Der Abstieg war anschließend nicht mehr so anstrengend und ich ließ mir auch ein wenig mehr Zeit. Die Füße kochten in den Schuhen und es war eine Wohltat, kurz vor dem Parkplatz diese für eine viertel Stunde ins kalte Flusswasser zu stecken und abzukühlen. Auf dem Rückweg vom Parkplatz zum Village hatte ich auch wieder Glück, ein englisches Ehepaar hat mich noch die halbe Strecke mitgenommen. Das Bier am Abend hat nach so einem Tag wieder einmal ganz besonders gut geschmeckt.