13. Tag (06. Februar 1999)

Louise ist heute schon weitergefahren und ich werde noch einen weiteren Tag hier bleiben in diesem wunderschönen Hostel, genannt Noahs Ark! Es ist ein großes altes Haus in dem früher der Pfarrer gewohnt hat bevor die Kirche, die gleich danebenstand, abgerissen wurde. Die Zimmer sind nicht nummeriert, sondern stellen Tiere dar. Ich wohne im Tiger Room. Auf die Wand ist ein großer Tigerkopf gemalt, über dem Waschbecken schützt eine Folie mit lauter Tigerköpfe die Wand, in der Ecke hängt ein Mobile aus Tigern und gegenüber an der Wand hängt eine große Bastmatte auf der ein Tiger vor der untergehenden Sonne zu sehen ist. Weiter gibt es noch den Cow-, Pig-, Elephant-, Leopard-, Dolphin-, Monkey oder Sheep Room. Also wie in Noahs Arche!
Anfangs dachte ich noch es wäre heute ein „verlorener“ Tag hier in Greymouth und es wäre wohl besser gewesen gleich an die Gletscher zu fahren, aber nun denke ich anders. Ich habe mich auf den Weg zum Point Elizabeth gemacht. Es herrschten die totale Einsamkeit, nur ich und das Meer. Die meiste Zeit bin ich am Strand entlanggelaufen, der aus Flusskiesel besteht und über und über mit trockenem Treibholz übersät ist. Danach führte der Pfad hinein in den Regenwald vorbei an baumhohen Farnen und einer dichten Vegetation, so dass man kaum den Himmel erkennen konnte. Die Luft ist merklich feuchter, aber angenehm kühl, nicht so drückend wie in den Tropen. Der Weg lichtet sich schließlich wieder etwas und erreicht Point Elizabeth.
Ich verweilte eine Zeitlang. Es ist schön hier draußen. In der Bucht die sich an Point Elizabeth anschließt liegt Rapahoe, mein Ziel von wo aus ich wieder per Anhalter nach Greymouth zurückwill. Schon nach einer viertel Stunde haben mich 2 junge Kiwis mitgenommen und ich war froh darüber, denn die Strecke war eigentlich viel weiter als erwartet hatte. Man glaubt es einfach kaum wie weit man kommt, wenn man einen halben Tag nur in eine Richtung schlendert. Mit dem Auto war ich aber wieder schnell zurück und somit am Spätnachmittag wieder im Backpacker. Dort konnte ich noch ein bisschen entspannen bevor es am Abend mit zwei Holländern und einem Ami wieder ins Railway Hotel ging. Der Ami kommt gerade aus der Antarktis wo er drei Monate auf verschiedenen Basen verbracht hat. Es war sehr interessant ihm zuzuhören wie er dort gelebt und gearbeitet hat. Wir hatten viel Spaß zusammen und es war ein schöner Abend. Er meinte zwischendurch nur, dass es wirklich toll ist an einem Ort zu stehen von dem es in alle Himmelsrichtungen nach Norden geht. South Pole!!