12. Tag (05. Februar 1999)

The Southern Alps

The Southern Alps

Westküste - Südinsel

Früh am Morgen nehme ich ein Shuttle zum Bahnhof. Heute geht es nun richtig los. Mit dem „Tranz Alpine Express“ quer durch die Berge nach Greymouth an die Westküste. Der Zug ist gut ausgebucht, den er gehört zu den berühmtesten Zügen der Welt. Es sind gerade einmal 6 Wagen die um einen offenen Aussichtswagen in der Mitte des Zugs geschart sind. Zwei mächtige Dieselloks sollen uns über den Pass bringen. Wir verlassen Christchurch durch die weite Ebene der „Cantabury Plaints“. Ich unterhalte mich nett mit einer Engländerin die ich vorher im Shuttle kennen gelernt habe. Unser erster Stopp ist in Springfield, wir befinden uns nun auf ca. 280m und es geht anschließend in die Berge hinein. Der Zug windet sich über unzählige Brücken und durch zahlreiche Tunnel eine Schlucht empor. Immer häufiger geben die umliegenden Berge nun den Blick auf eine spektakuläre Landschaft frei. Wir sehen im offenen Aussichtswagen, die Haare wehen im Wind, die Leute unterhalten sich über die Schönheit der Natur und in den Tunnel riecht es stark nach den Abgasen der Loks. Der Zug steigt über die schmale Schlucht hinaus in ein sich weit öffnendes Hochtal. Ausgetrocknete Graslandschaft beherrscht das Bild. Es sind noch eineinhalb Stunden bis zum Pass, aber die schneebedeckten Gipfel der Alpen sind schon am Horizont zu erkennen. Graue Steinwüsten in denen überall ein kleiner Wasserlauf zu sehen ist lösen die Graslandschaft ab. Im Frühjahr, bei Schneeschmelze wird sich hier wohl ein reisender Strom ins Tal hinunter wälzen und alles mit sich reißen was ihm im Weg ist. Heute aber erscheint alles friedlich, die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel, wir kreuzen ein paar Mal die Passstraße die uns nun schon seit einiger Zeit begleitet. Es herrscht kaum Verkehr. Die Loks ziehen den Zug weiter hinauf und immer tiefer in die Alpen. Die Gipfel erscheinen nicht mehr so hoch wie noch vor einer Stunde. Wir erreichen „Arthurs Pass“. Der Zug macht einen Stopp für eine viertel Stunde. Ich steige aus, fotografiere den Zug und genieße die unglaubliche Landschaft. Ich würde gern für ein paar Tage hier zum Wandern bleiben was viele Leute machen die mit dem Zug hier hochgekommen sind.
Als ich wieder in den Zug steige ist der Aussichtswagen abgeschlossen. Aus gutem Grund, den kurz nachdem der Zug anrollt verschwindet er auch in einem 8km langen Tunnel, der uns zur anderen Seite führt auf der sich die Landschaft grundlegend geändert hat als wir wieder Tageslicht erblicken. Es ist viel grüner auf der Westseite des Bergmassivs. Der Zug rattert nun wieder talwärts, der Westküste entgegen. Der Aussichtswagen ist wieder geöffnet, aber es tummeln sich nicht mehr so viele Leute darauf. Das Tal weitet sich wieder im Verlauf der Fahrt und das Flussbett ist auf dieser Seite gefüllt mit üppiger Vegetation. Der Zug passiert noch kleinere Seen bis er nach gut vier Stunden Fahrt den Grey River erreicht, dem er dann eine halbe Stunde bis nach Greymouth folgt um dort schließlich seine Fahrt zu beenden.
Greymouth ist ein kleines Nest, aber sicherlich weltweit bekannt, da man sich hier im Zentrum des neuseeländischen Jadegebiets befindet. In der Greenstone Boulder Gallery ist jede Variation von Jade zu sehen und natürlich auch zu kaufen. Ich kenne mich damit nicht so aus und weiß deshalb auch nicht ob die Preise gerechtfertigt sind oder nicht. Deshalb verlasse ich die Galerie und begebe mich an den Strand. Genieße dort zusammen mit Louise, der Engländerin die ich aus dem Zug kenne, den Blick auf die Tasman Sea. Es ist schön, aber wir finden nur den Mut bis zu den Knien ins Wasser zu gehen. Es ist doch sehr frisch. Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die Shops in der Einkaufsstraße an bevor wir am Abend zum „all you can eat“ ins Railway Hotel gingen und uns einige Biere gönnten.