Down Under New Zealand '99

Beachcomber Island - Fiji

1. Tag (25. Januar 1999)

Nach den sehr aufregenden Tagen in der letzten Zeit sitze ich nun im Zug und befinde mich auf dem Weg in den Urlaub. Heute Morgen konnte ich mein Studium mit der letzten Klausur endgültig beenden. Alles erledigt!
Vorher waren noch ein paar Freunde in der WG und haben mich verabschiedet. Eine tolle Sache so in den Urlaub zu starten. Fast hätte ich mich noch verquatscht, so dass ich gerade mal 3 Minuten vor der Abfahrt des ICE´s nach Frankfurt am Bahnhof war. Der Zug ist halb leer und ich glaube es wird wohl eine angenehme Fahrt werden. Hier am Flughafen ist auch nichts mehr los. Der ganze Flughafen ist tot, es geht glaube ich nur noch die Qantas nach Sydney raus und dann machen die den Laden dicht. Ich bin jedenfalls ziemlich müde und will endlich abfliegen!

2. Tag (26. Januar 1999)

Es ist nur noch eine Stunde bis Singapore. Die halbe Strecke bis Nadi wäre damit geschafft. Bis jetzt läuft alles wie Butter, konnte sogar richtig gut schlafen, das erste Mal im Flieger überhaupt. Nach 1 ½ Stunden Aufenthalt geht es gleich weiter nach Sydney. Es sind dann nur noch ein paar Stunden bis ich wieder Down Under bin. Ich freue mich schon darauf wieder durch die künftige Olympiastadt zu laufen und noch einige Besorgungen zu machen und mich einfach nur umzuschauen.

3. Tag (27. Januar 1999)

Kaum in Sydney angekommen habe ich auch schon meine Flugroute umgebucht. Als ich wach wurde im Flieger nach Sydney habe ich mir überlegt, dass es doch einfach wesentlich besser wäre gleich nach Christchurch auf die Südinsel zu fliegen, anstatt nach Auckland und dann 2 Tage mit dem Bus nach Süden zu fahren. Deshalb muss ich nun einen Tag früher von den Fijis zurück und in Sydney einmal übernachten. Fliegen ist manchmal ebenso einfach wie Bus fahren. Down Under ich liebe dich!!
Nach einem Frühstück und einigen Einkäufen sitze ich nun mitten in der Stadt, es ist Sommer, die Sonne strahlt vom Himmel, ich bin ziemlich müde und habe es im Grunde noch überhaupt nicht gerafft, dass ich nun zum 3. Mal in dieser Stadt bin. Es könnte auch irgendwie ein banaler Ort in Europa sein. Im Moment gäbe es für mich wohl keine Unterschiede. Ich glaube ich bin einfach viel zu müde und die mentale Vorbereitung, die eigentlich nur aus dem Flug bestand war viel zu kurz. Aber schließlich hatte ich auch zu viel um die Ohren man will ja auch keinen Tag verschenken, was zu verstehen sein dürfte.
Wieder sitze ich beim Boarding, die Augen fallen fast schon zu, aber ein paar Stunden muss ich noch durchhalten, bevor ich endgültig abschalten kann und der Urlaub beginnt. Zuerst muss ich jedoch noch eine Bleibe finden, sollte aber kein großes Problem darstellen. Gerade habe ich noch gehört, dass es infolge von schweren Regenfällen heftige Überschwemmungen in Nadi geben soll. Na mal sehen was an der Meldung dran ist, aber schließlich herrscht dort Regenzeit in dieser Zeit des Jahres.
Der Pazifik liegt ruhig und mächtig 10 km unter uns. Kein Schiff ist weit und breit zu sehen, überall sind einzelne Wolken zu sehen, die wie Eisberge im Wasser zu schwimmen scheinen. Es entsteht der Eindruck, als ob in diesem Teil des Pazifiks erst in ein paar Jahren wieder ein Schiff vorbeikommen wird oder noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Mitte drin liegt ein Riff, keine Insel nur ein Riff, welches mit seinen verschiedenen Farben überraschend aufgetaucht ist und nun ziemlich schnell wieder hinter uns verschwindet. Ist die Welt an solch einem Ort noch in Ordnung?
Wir nähern uns den Fiji´s. Die Wolken werden dichter, türmen sich in drei, vier Schichten bis zu unserer Flughöhe. Wir gehen tiefer, um uns herum sind nur noch schwarze Wolken, es beginnt zu regnen. Der Regen wir heftiger je tiefer wir sinken. Der Kapitän erklärt uns, dass wir wegen anderem Flugverkehr eine Warteschleife fliegen müssten. Aber das glaube ich nicht! Wir sind garantiert die einzige Maschine im Landeanflug auf Nadi. Der Regen nimmt weiter zu, die Sicht ist gleich Null. Man kann kaum die Spitzen der Tragflügel erkennen. Nach der 3. Schleife entschließt sich der Pilot eine Landung zu wagen. Es schüttet nun wie aus Eimern, 100m über Grund plötzlich Sicht, ein Glück! Der Pilot setzt den Jumbo sauber auf und kommt am Gate zum Stehen.
Als die Tür geöffnet wird schießen erst einmal Massen von Wasser ins Flugzeug die vom Dach herunterstürzen. Nachdem es nicht zu stoppen ist und im Flugzeug das Wasser schon steht wird die Tür wieder geschlossen. Die Bodencrew versucht fieberhaft das Problem zu lösen. Sie manövriert mehrfach mit der Gangway neu heran. Nach einer viertel Stunde ist das Problem gelöst. Beim Aussteigen fällt mir erst auf, dass die Landebahn fast eine halbe Handbreit unter Wasser steht. Im Flughafengebäude empfängt eine Combo mit Südseeklängen die Neuankömmlinge. Ich fühle mich gleich wohl, zumal ein angenehm feuchtwarmer Luftzug das Gebäude durchströmt. Ich bin in der Südsee!
Nach meiner Ankunft kann ich auch gleich noch ein Resort auf einer kleinen Insel zu buchen. Einen Backpacker in Nadi habe ich auch gleich gefunden. Ich will nur noch dort hin! Komme dort an, sage noch zu allen Anwesenden „Hallo“ und falle gleich darauf, nach zwei Tagen im Flugzeug hundemüde ins Bett.

4. Tag (28. Januar 1999)

Beachcomber Island

Es ist kurz vor 9.00 Uhr, ich bin nach 12 Stunden Schlaf gerade aufgestanden. Es schüttet immer noch pausenlos und ich warte auf den Bus der mich zum Schiff bringen soll, mit dem es zur Beachcomber Island gehen soll. Die Fahrt führt durch eine grün wuchernde Fauna. Die Gräben rechts und links der Straße sind bis zum Rand gefüllt und oftmals wälzen sich die braunen Wassermassen quer durch die Felder. Manche Zuckerrohrfelder gleichen eher einer Seenplatte als einer Anbaufläche. Am Hafen wartet auch schon die Tui Tan, die uns rund 20km Offshore bringen soll. Es regnet immer noch und als wir den Hafen verlassen ist nach kurzer Zeit nichts mehr von der Küste zu erkennen. Wir, ein Pärchen aus der Schweiz und ich sitzen unter Deck. Ich genieße mein erstes Fiji Bier und uns werden frische Früchte gereicht. Zum ersten Mal esse ich eine Kokosnuss und bin total begeistert. Es ist eben doch ein Unterschied ob man etwas frisch vor Ort bekommt oder aus einem Supermarkt in Europa.
Bei unserer Ankunft werden uns gleich Regenschirme gereicht und Jemand trägt unser Gepäck. Es ist wohl das absolute Luxus Backpacker Resort. Wir werden auch hier von einer Combo empfangen und herzlich begrüßt. Die Insel selbst ist jedenfalls so klein das man in 10min gemütlich drum herumlaufen kann. Unsere direkte Nachbarinsel, Treasure Island hebt sich nur als Silhouette in den Regenschwaden ab. Es werden wohl 3 gemächliche Tage. Gegen Spätnachmittag hört es zu regnen auf, ich laufe das erste Mal um die Insel herum. Es kommt mir alles völlig unwirklich vor, wie im Traum! Der erste Abend vergeht in geselliger Runde mit zwei netten Mädels aus Mailand, die gestern hier angekommen sind und einmal um die Welt reisen.

5. Tag (29. Januar 1999)

Beachcomber Island

Kurz nach dem Aufstehen ergießt sich ein kurzer, heftiger Regenguss über unser kleines Eiland, das Festland ist nicht zu sehen und 100m um unsere Insel herum scheint die Welt zu Ende zu sein. Egal! Es ist warm. Ich gehe zum Frühstück, treffe dort die zwei Italienerinnen von gestern Abend wieder. Sie wollen heute mit einem Tauchkurs anfangen. Ich selbst habe nur ein Ziel. So wenig wie möglich zu tun! Nachdem jedoch der Himmel aufreißt und die Sonne für mich zum ersten Mal zum Vorschein kommt mache ich mich doch auf den Weg um die Insel zu laufen um einige Bilder zu machen.
Die Sonne tut ihr Bestes. Meine Schultern sind schon ziemlich rot. Es ist jedes Mal das gleiche. Nachdem meine Haut ziemlich heftig reagiert braucht sie meist eine Woche um sich zu beruhigen und braun zu werden.
Am Nachmittag konnte ich mich zu nichts mehr aufraffen, obwohl interessantes angeboten wird. Ich hing einfach nur so herum und habe aufs Meer hinausgeschaut. Nach einem hervorragenden Abendessen gab es wie jeden Abend wieder eine Party. Sämtliche Leute auf der Insel haben sich wie jeden Abend im Haupthaus eingefunden, trinken Bier oder leckere Cocktails. Sehr hübsche Mädels tanzen Hulla und bringen vor allem die männlichen Gäste in Stimmung, aber auch die Vorführung der männlichen Performer war toll den die weiblichen Gäste waren voll mit dabei.

6. Tag (30. Januar 1999)

Beachcomber Island

Das Zeitgefühl ist schon total im Eimer. Durch die Nachwirkungen der letzten Nacht habe ich heute Morgen glatt das Frühstück verpennt. Einen Kaffee habe ich allerdings noch bekommen und somit war alles in Butter. Ansonsten war nicht viel angesagt: Auf der faulen Haut liegen und Nichtstun! Das Wetter entspricht wieder dem üblichen. Wolken und Regen über dem Festland und hier über der Insel Sonne, so wie es sich gehört.
Beim geselligen Zusammensitzen am Abend habe ich mich mit einem Kiwi unterhalten, der als Ingenieur in New Zealand arbeitet. Es ist gar nicht so einfach einen Job dort zu finden, weil natürlich die Auswahl nicht sehr groß ist wegen der „fehlenden“ Industrie. Zwei Dänen, die gerade ein Praktikum in Christchurch beendet haben und auf dem Weg zurück ins kalte Europa sind konnten mir auch schon einiges über mein nächstes Ziel erzählen. Wir hatten noch viel Spaß bevor sie den Abend abgebrochen haben, weil sie am nächsten Tag zum Tauchen gehen. Danach ging die Party erst richtig los, die Combo heizte mit Südseeklängen wieder richtig ein und der Alkohol floss in Strömen.

7. Tag (31. Januar 1999)

Beachcomber Island

Weil es mir hier so gut gefällt und ich mir nicht vorstellen kann das es auf dem Festland besser sein soll bleibe ich einfach noch einen Tag länger hier auf diesem Eiland. Den ganzen Vormittag habe ich auf der anderen Seite der Insel in einem Pool verbracht, der schön im Schatten lag, und genoss die wunderschöne Aussicht aufs Meer und die anderen Inseln der Mamanuca Gruppe zu der auch Beachcomber Island gehört. Das Wetter ist noch besser als in den letzten Tagen inklusive eines fast schon kitschigen Südseesonnenuntergangs gestern Abend.
Am Abend stieg anschließend wieder die übliche Party, diesmal mit einem Krabbenrennen, bei dem die einzelnen Krabben vorher an den Meistbietenden versteigert wurden. Das Rennen selbst war dann innerhalb einer Minute vorbei und die 3 Gewinner teilten sich den Pott. Natürlich wurden die paar hundert Dollar gleich wieder an der Bar investiert und wir saßen noch feucht fröhlich an der Bar, der Vollmond stand hell am Himmel, die Wellen platschen an den Strand und ein lauer Wind wehte vom Pazifik herüber. Spät in der Nacht löste sich die muntere Gesellschaft schließlich auf.

8. Tag (01. Februar 1999)

Beachcomber Island

Mein letzter Tag auf Beachcomber. Das Zusammenpacken heute Morgen war eigentlich die größte Leistung die ich in den letzten Tagen vollbracht habe. Danach war erst einmal wieder Entspannung in Pool angesagt. Am Nachmittag hat sich wie üblich der Himmel gegenüber auf dem Festland zugezogen und hier ist es schön geblieben.
Beim Packen muss irgendwie mein Duschgel aufgegangen sein, jedenfalls sind der ganze Kulturbeutel und mein darunterliegender Hut voll davon gewesen. Die eingeleitete Säuberungsaktion behob das Problem doch wieder recht schnell und die Sonne trocknete die ganzen Sachen in kürzester Zeit. Mein Duschgel scheint sich aber wie ein roter Faden durch meine Touren zu ziehen. Auf den letzten beiden Touren habe ich es jedes Mal in der ersten Woche verloren, dieses Mal ist es ausgelaufen, ich bin mal gespannt was auf der nächsten Reise damit passiert!
In ein paar Minuten fährt die Tui Tan in Richtung Festland und bringt mich wieder nach Nadi zurück. Dort scheint aber gerade die Welt unter zu gehen. Der Himmel ist rabenschwarz, der Donner grollt herüber und es schüttet wohl fürchterlich.
Als zwei Stunden später das Schiff in Nadi festgemacht hat war alles trocken und die Überschwemmungen der letzten Tage verschwunden. Im White House Hostel habe ich Sam wieder getroffen, die ich schon auf Beachcomber kennen gelernt habe. Sie ist Engländerin mit indischer Abstammung und brachte mich dazu zum ersten Mal indisch Essen zu gehen, als wir zusammen ins Zentrum von Nadi gelaufen sind. Sie ist in eine ganz andere Richtung unterwegs und so trennen sich unsere Wege morgen wieder. Ich fliege nach Süden und Sie nach Osten in die Staaten.

9. Tag (02. Februar 1999)

Beachcomber Island

Die Fijis müssen wohl die Kanaren der Aussis sein. Heute Morgen fliegen fast gleichzeitig 2 Jumbos nach Australien, einer nach Brisbane und meine Maschine nach Sydney. Die Maschine nach Melbourne ist schon weg. Das entsprechende Gedränge am Check-in kann man sich vorstellen, zumal die Charter-Flieger wieder “Tonnen“ von Gepäck mit sich schleppen und die Warteschlangen deshalb in den ganzen Terminal quollen. Wohl überall das gleiche! Eine Departure Tax habe ich idiotischer Weise auch noch abgedrückt, nur, weil ich nicht gesehen habe, dass auf meiner Bordkante das entsprechende Steuerzeichen schon aufgeklebt war und sämtliche Leute vor dem Schalter anstanden sind. Der Mensch ist eben doch nur ein idiotisches Herdentier ohne Geist und Verstand!
Die letzten Tage auf Fiji waren genauso wie ich es mir vorgestellt hatte. Eigentlich könnte ich mir jetzt auch vorstellen weiter durch die Südsee zu touren. Samoa, Tonga oder auch die Cook Islands liegen nur ein paar Stunden Flug entfernt, man ist schon geneigt zu sagen: Gleich um die Ecke! Ich fand es klasse auf Fiji und ich bin mir sicher, dass ich irgendwann einmal ein paar Wochen einfach nur durch die Südsee touren werde. Für mich geht es jedoch nun weiter nach Süden. Ich verspüre langsam Urlaubslaune und es ist schön, dass dieser, nach einer angenehmen Einführung nun morgen beginnt!
Nachdem ich anschließend wieder in Sydney gelandet bin habe ich erst mal wieder meinen Kram in Ordnung gebracht, bin danach den ganzen Tag in der Stadt unterwegs gewesen. Man stellt schon fest, dass die ganze Stadt vom Olympiafieber gepackt ist. Es wird noch an vielen Stellen der Stadt gebaut und gewühlt. Der Flughafen ist eine einzige Katastrophe, aber andererseits sind auch viele Dinge schon fertig und man kann bereits eine gewisse Struktur erkennen. Darling Habour, eine gelungene Sache, recht nett und so ein bisschen der Waterfront in Kap Stadt abgekupfert. Die beiden Wohnblocks, welche die Sicht auf die Oper stark einschränken stehen kurz vor der Vollendung. Somit war die Unterschriftenaktion von vor 2 Jahren gegen dieses Projekt wohl erfolglos, aber was will man auch schon von japanischen Investoren und von dieser Stadt erwarten?
Richtig toll gelungen war dagegen das Open Air Cinema Festival am Macquaris Point, welches ich am Abend besuchte. Der Film Atlantis, der heute Abend gezeigt wurde war allerdings nicht ganz mein Geschmack, aber die Location war Top! Im Farms Cove wurde eine riesige Leinwand aufgebaut. Man hatte einen wunderbaren Backround mit der Oper und der Habour Bridge rechts und der Skyline von Sydney links der Leinwand. Somit schweifte der Blick der Zuschauer des Öfteren ab und das Open Air war eine gelungene Sache an einem lauen Sommerabend.

Von Christchurch durch die Alpen. Die Westküste bis Milford Sound

10. Tag (03. Februar 1999)

Christchurch

Wieder am Airport, wieder Check-in, wieder Boarding, wieder fliegen! Dieses Mal nach Christchurch, gleich direkt auf die Südinsel.
Wie aus dem Nichts tauchen unter uns die Alpen auf und erheben sich majestätisch aus den Fluten des Südpazifiks. Wir sind schon im Landeanflug auf die drittgrößte Stadt von New Zealand, die sich an der Ostküste auf der anderen Seite der Südinsel befindet.
Es ist eine kleine, nette Stadt und das Zentrum hat einiges zu bieten. Ich schlendere so herum und überlege mir nun wie ich meinen Urlaub gestalte. Es gibt verschiedene Angebote von Backpacker-Bussen, die sich wiederum in Dauer und Reisestrecke unterscheiden. Es gibt sogar ein Angebot welches im Prinzip die Strecke abdeckt welche ich geplant habe zu machen. Aber das möchte ich gar nicht, denn es ist nie gut einen ganzen Trip bei einer Company zu buchen. Falls es einem nicht gefallen sollte ist man mehr oder weniger ausgeliefert und das Risiko in eine schlechte Stimmung zu fallen steigt.
Gegen Abend trieb mich der Hunger noch in eine kleine nette Pizzeria hier gleich um die Ecke und somit konnte ich doch gleich mein erstes New Zaeland Bier genießen bevor ich ziemlich müde ins Bett gefallen bin.

11. Tag (04. Februar 1999)

Christchurch

Heute Morgen habe ich mich nun spontan für eine Tour mit „Magic Bus“ entschieden. Die Route die ich nun gebucht habe deckt die Hauptpunkte der südlichen Südinsel ab und ich habe trotzdem die Freiheit mich später noch zu entscheiden wie ich im Anschluss daran weiter nach Norden reise. Ein Vorteil ist auch, dass ich nun morgen mit den „Tranz Alpine Express“ auf einer der schönsten Bahnstecken der Welt zur Westküste unterwegs bin.
Heute Morgen ist das Wetter nun traumhaft schön und ich habe mich entschlossen mit der Gondel auf den Mt. Cavendish zu5.2.99 fahren, von dem man einen tollten Blick bis in die Alpen haben soll. So ging es mit dem Stadtbus in Richtung Banks Peninsula. Mit der Gondel war man schnell auf dem Gipfel und es erschloss sich auf der einen Seite ein atemberaubender Blick über Christchurch und die hohen Gipfel der Alpen im Hintergrund, die jedoch nur wenige Kilometer von der Westküste entfernt sind. Auf der anderen Seite spiegelte sich die Morgensonne in den unendlichen Fluten des Pazifiks. Im Süden schweifte der Blick über die ehemaligen Krater der Peninsula in der sich heute der Hafen von Christchurch befindet. Es ist so schön hier, dass ich nicht mehr mit der Gondel hinunterfahren werde, sondern einfach die Sonne und die Aussicht genieße, wenn ich zum Bus zurücklaufe. Davor bin ich aber noch auf einen Nachbargipfel gestiegen und saß einfach nur für eine Stunde da und starrte in die Weite der Landschaft. Keine Menschenseele weit und breit. Es sind nur ein paar Surfer unten in Hafennähe zu sehen, die nicht müde werden von einer auf die andere Seite zu fahren und wieder zurück.
Der Abstieg war sehr schön, ich erreichte den Shuttlebus genau zu seiner Abfahrtszeit und musste deshalb nicht warten. Zurück im Stadtzentrum bin ich noch ein bisschen durchs Zentrum geschlendert, war noch im Supermarkt und saß am Abend gemütlich mit Anderen im Hostel vorm TV!

12. Tag (05. Februar 1999)

The Southern Alps

The Southern Alps

Westküste - Südinsel

Früh am Morgen nehme ich ein Shuttle zum Bahnhof. Heute geht es nun richtig los. Mit dem „Tranz Alpine Express“ quer durch die Berge nach Greymouth an die Westküste. Der Zug ist gut ausgebucht, den er gehört zu den berühmtesten Zügen der Welt. Es sind gerade einmal 6 Wagen die um einen offenen Aussichtswagen in der Mitte des Zugs geschart sind. Zwei mächtige Dieselloks sollen uns über den Pass bringen. Wir verlassen Christchurch durch die weite Ebene der „Cantabury Plaints“. Ich unterhalte mich nett mit einer Engländerin die ich vorher im Shuttle kennen gelernt habe. Unser erster Stopp ist in Springfield, wir befinden uns nun auf ca. 280m und es geht anschließend in die Berge hinein. Der Zug windet sich über unzählige Brücken und durch zahlreiche Tunnel eine Schlucht empor. Immer häufiger geben die umliegenden Berge nun den Blick auf eine spektakuläre Landschaft frei. Wir sehen im offenen Aussichtswagen, die Haare wehen im Wind, die Leute unterhalten sich über die Schönheit der Natur und in den Tunnel riecht es stark nach den Abgasen der Loks. Der Zug steigt über die schmale Schlucht hinaus in ein sich weit öffnendes Hochtal. Ausgetrocknete Graslandschaft beherrscht das Bild. Es sind noch eineinhalb Stunden bis zum Pass, aber die schneebedeckten Gipfel der Alpen sind schon am Horizont zu erkennen. Graue Steinwüsten in denen überall ein kleiner Wasserlauf zu sehen ist lösen die Graslandschaft ab. Im Frühjahr, bei Schneeschmelze wird sich hier wohl ein reisender Strom ins Tal hinunter wälzen und alles mit sich reißen was ihm im Weg ist. Heute aber erscheint alles friedlich, die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel, wir kreuzen ein paar Mal die Passstraße die uns nun schon seit einiger Zeit begleitet. Es herrscht kaum Verkehr. Die Loks ziehen den Zug weiter hinauf und immer tiefer in die Alpen. Die Gipfel erscheinen nicht mehr so hoch wie noch vor einer Stunde. Wir erreichen „Arthurs Pass“. Der Zug macht einen Stopp für eine viertel Stunde. Ich steige aus, fotografiere den Zug und genieße die unglaubliche Landschaft. Ich würde gern für ein paar Tage hier zum Wandern bleiben was viele Leute machen die mit dem Zug hier hochgekommen sind.
Als ich wieder in den Zug steige ist der Aussichtswagen abgeschlossen. Aus gutem Grund, den kurz nachdem der Zug anrollt verschwindet er auch in einem 8km langen Tunnel, der uns zur anderen Seite führt auf der sich die Landschaft grundlegend geändert hat als wir wieder Tageslicht erblicken. Es ist viel grüner auf der Westseite des Bergmassivs. Der Zug rattert nun wieder talwärts, der Westküste entgegen. Der Aussichtswagen ist wieder geöffnet, aber es tummeln sich nicht mehr so viele Leute darauf. Das Tal weitet sich wieder im Verlauf der Fahrt und das Flussbett ist auf dieser Seite gefüllt mit üppiger Vegetation. Der Zug passiert noch kleinere Seen bis er nach gut vier Stunden Fahrt den Grey River erreicht, dem er dann eine halbe Stunde bis nach Greymouth folgt um dort schließlich seine Fahrt zu beenden.
Greymouth ist ein kleines Nest, aber sicherlich weltweit bekannt, da man sich hier im Zentrum des neuseeländischen Jadegebiets befindet. In der Greenstone Boulder Gallery ist jede Variation von Jade zu sehen und natürlich auch zu kaufen. Ich kenne mich damit nicht so aus und weiß deshalb auch nicht ob die Preise gerechtfertigt sind oder nicht. Deshalb verlasse ich die Galerie und begebe mich an den Strand. Genieße dort zusammen mit Louise, der Engländerin die ich aus dem Zug kenne, den Blick auf die Tasman Sea. Es ist schön, aber wir finden nur den Mut bis zu den Knien ins Wasser zu gehen. Es ist doch sehr frisch. Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die Shops in der Einkaufsstraße an bevor wir am Abend zum „all you can eat“ ins Railway Hotel gingen und uns einige Biere gönnten.

13. Tag (06. Februar 1999)

Louise ist heute schon weitergefahren und ich werde noch einen weiteren Tag hier bleiben in diesem wunderschönen Hostel, genannt Noahs Ark! Es ist ein großes altes Haus in dem früher der Pfarrer gewohnt hat bevor die Kirche, die gleich danebenstand, abgerissen wurde. Die Zimmer sind nicht nummeriert, sondern stellen Tiere dar. Ich wohne im Tiger Room. Auf die Wand ist ein großer Tigerkopf gemalt, über dem Waschbecken schützt eine Folie mit lauter Tigerköpfe die Wand, in der Ecke hängt ein Mobile aus Tigern und gegenüber an der Wand hängt eine große Bastmatte auf der ein Tiger vor der untergehenden Sonne zu sehen ist. Weiter gibt es noch den Cow-, Pig-, Elephant-, Leopard-, Dolphin-, Monkey oder Sheep Room. Also wie in Noahs Arche!
Anfangs dachte ich noch es wäre heute ein „verlorener“ Tag hier in Greymouth und es wäre wohl besser gewesen gleich an die Gletscher zu fahren, aber nun denke ich anders. Ich habe mich auf den Weg zum Point Elizabeth gemacht. Es herrschten die totale Einsamkeit, nur ich und das Meer. Die meiste Zeit bin ich am Strand entlanggelaufen, der aus Flusskiesel besteht und über und über mit trockenem Treibholz übersät ist. Danach führte der Pfad hinein in den Regenwald vorbei an baumhohen Farnen und einer dichten Vegetation, so dass man kaum den Himmel erkennen konnte. Die Luft ist merklich feuchter, aber angenehm kühl, nicht so drückend wie in den Tropen. Der Weg lichtet sich schließlich wieder etwas und erreicht Point Elizabeth.
Ich verweilte eine Zeitlang. Es ist schön hier draußen. In der Bucht die sich an Point Elizabeth anschließt liegt Rapahoe, mein Ziel von wo aus ich wieder per Anhalter nach Greymouth zurückwill. Schon nach einer viertel Stunde haben mich 2 junge Kiwis mitgenommen und ich war froh darüber, denn die Strecke war eigentlich viel weiter als erwartet hatte. Man glaubt es einfach kaum wie weit man kommt, wenn man einen halben Tag nur in eine Richtung schlendert. Mit dem Auto war ich aber wieder schnell zurück und somit am Spätnachmittag wieder im Backpacker. Dort konnte ich noch ein bisschen entspannen bevor es am Abend mit zwei Holländern und einem Ami wieder ins Railway Hotel ging. Der Ami kommt gerade aus der Antarktis wo er drei Monate auf verschiedenen Basen verbracht hat. Es war sehr interessant ihm zuzuhören wie er dort gelebt und gearbeitet hat. Wir hatten viel Spaß zusammen und es war ein schöner Abend. Er meinte zwischendurch nur, dass es wirklich toll ist an einem Ort zu stehen von dem es in alle Himmelsrichtungen nach Norden geht. South Pole!!

14. Tag (07. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Am frühen Morgen ging es nun los. Der „Magic Bus“ bringt mich zu den Gletschern weiter im Süden und ich hoffe wir bekommen noch einiges zu sehen auf dem Weg dorthin. Der Bus ist rappelvoll was ich gar nicht erwartet habe. Es sind ca. 40 Leute und davon sind sogar einige mit Koffern unterwegs. Ich glaube es einfach nicht. Der Individualtourismus wird zum Massenphänomen!!
Na ja, wie auch immer, wir verließen heute Morgen Greymouth auf dem State Highway 6, einer ungewöhnlichen Strecke. Die Überquerung einiger Flüsse hatte schon etwas Besonderes, denn die Brücken sind alle Einspurig und es kommt vor das man sich diese auch noch mit der Eisenbahn teil. Im Verlauf der Fahrt machten wir noch einige Stopps. So auch in Ross, einer alten Goldgräberstadt in der heute noch eine Mine existiert. Es war aber nicht so aufregend, einige der Mitfahrer haben noch Gold gewaschen an einem Touris-Center mit eingebauter Garantie, dass sie auch etwas finden!
In Franz Josef Village angekommen habe ich mich gleich auf den Weg zum Gletscher gemacht. Der Weg dorthin führte am Gletscherfluss entlang durch Regenwald hindurch immer weiter bis zum Gletschermund. Je näher ich den Eismassen kam desto kühler wurde es. Der Fallwind vom Gletscher tat sein Übriges dazu. Es ist schon imposant direkt vor der Gletscherzunge zu sitzen und die gewaltigen Massen von Eis vor sich zu sehen, die mitten im Regenwald liegen. Als der Abend sich nähert wird es wieder Zeit zur Umkehr und der Himmel zieht sich ebenfalls immer mehr zu. Ich entschließe mich aber trotzdem den für Wanderer geschlossenen Weg zurück zum Village zu nehmen. Es war eigentlich eine gute, wie schlechte Entscheidung. Mit dem Wissen das diesen Weg Niemand außer mir benützt war es schon ein bisschen gespenstisch, zumal der Pfad schon stark von Moos und Regenwald überwuchert wurde. Nach einer Stunde wusste ich zudem auch warum der Weg geschlossen war. Ein großer Erdrutsch hat den ganzen Weg weggerissen und es ging vor mit nur noch steil hinab zum Fluss. Ich stand jedoch nicht so hoch über dem Fluss, dass es gefährlich hätte werden können und somit gab es keine andere Wahl, so dass ich mit ein bisschen Mühe auch dieses Stück überquert habe. Kurz vor meinem Ziel habe ich auch noch den falschen Weg erwischt und musste wieder eine viertel Stunde zurück. Fand aber die richtige Abzweigung auch beim zweiten Mal nicht und entschied mich schließlich zum Fluss hinabzusteigen und im Flussbett das letzte Stück zurückzulaufen. Ich war froh als ich nach insgesamt 5 Stunden strammen Fußmarsch wieder im Backpacker war. Weg war nicht ohne, aber auf jeden Falls aufregender als der staubige Fahrweg, den ich auf dem Hinweg ein großes Stück gelaufen bin.

15. Tag (08. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Nachdem ich heute Morgen leider erfahren musste, dass das Skydive Team heute schon ausgebucht ist habe ich mich kurz entschlossen zum Roberts Point zu gehen. Der Weg beginnt am Parkplatz und ist als medium hard in die Karte eingezeichnet. Ich mache mich also auf den Weg zum Parkplatz. Nach einer halben Stunde Fußmarsch habe ich Glück und mich nimmt Jemand bis zum Parkplatz mit. Der Staub der Straße steckt aber trotzdem schon in den Klamotten. Ich wollte einfach nicht noch einmal den Weg von gestern Abend riskieren. Vom Parkplatz aus ging es als erstes über eine Hängebrücke auf die andere Seite des Flusses. Durch Regenwald und über unzählig viele, kleine Wasserläufe hinweg führt der Weg steil bergan. Einige Hängebrücken folgen, und der Weg wird steiniger und unwegsamer. Ich bin absolut glücklich darüber, dass ich meine Bergstiefel anhabe. Es ergeben sich im weiteren Verlauf einige Aussichtspunkte, aber der Gletscher scheint immer noch weit entfernt zu sein. Zu allem Überfluss führt der Pfad wieder weit hinunter bevor es schließlich endgültig zum Roberts Point ansteigt. Meine Trinkflasche scheint auch ein Loch zu haben, denn die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel. Nach 100 Minuten und 600 Höhenmeter erreiche ich ziemlich ausgepumpt Roberts Point. Der Blick der sich dort schlagartig vor mir ausbreitet, als ich aus dem Regenwald heraustrete ist grandios und entschädigt für die Mühen. Der Gletscher breitet sich tief unten vor mir aus und der Blick ist frei bis zum Schneefeld aus dem er gespeist wird. Es waren einige Gruppen von Leuten zu erkennen die sich auf dem Gletscher aufgehalten haben. Sie waren kaum zu erkennen und erschienen sehr winzig. Somit konnte man gut eine Vorstellung von der Größe der Eismassen bekommen. Aus dieser Höhe war auch gut zu erkennen warum dieser Gletscher so etwas Besonderes ist. Nicht nur wegen seiner extremen Nähe zum Meer, sondern auch wegen seiner bizarr zerklüfteten Oberfläche, die von Tausenden von Spalten zerrissen ist.
Ich verbrachte mehr als eine Stunde an Roberts Point und frühstückte noch gemütlich bevor ich mich auf den Rückweg ins Tal machte. Die ersten Wolken zogen schon wieder über die Gipfel. Der Abstieg war anschließend nicht mehr so anstrengend und ich ließ mir auch ein wenig mehr Zeit. Die Füße kochten in den Schuhen und es war eine Wohltat, kurz vor dem Parkplatz diese für eine viertel Stunde ins kalte Flusswasser zu stecken und abzukühlen. Auf dem Rückweg vom Parkplatz zum Village hatte ich auch wieder Glück, ein englisches Ehepaar hat mich noch die halbe Strecke mitgenommen. Das Bier am Abend hat nach so einem Tag wieder einmal ganz besonders gut geschmeckt.

16. Tag (09. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Westküste - Südinsel

Westküste - Südinsel

Der Himmel hat sich ein wenig zugezogen, ich rufe bei den Skydivern an und bekomme mein O.k. für einen Sprung heute. Ich bin total happy und soll gegen Mittag abgeholt werden. Mit der üblichen Verspätung in down under geht es los. Ein Mädel aus Dänemark und ich werden zum Fox Glacier rübergefahren, über dem wir heute abspringen sollen. Dort angekommen steht auch schon die kleine Cessna bereit um jeden einzelnen von uns auf 12.000 Fuß zu bringen. Ich lasse der Carmen den Vortritt. Sie zieht sich den Overall an und erhält mit mir zusammen ihre Instruktionen wie man sich beim Absprung verhalten soll um unseren Tandempartner und uns selbst nicht zu gefährden. Gleich darauf geht es auch schon los und die kleine Cessna ist nach wenigen Metern mit Robert und Carmen in der Luft. Wir machen uns auf den Weg zur Drop Zone. Die Berge um uns herum sind alle in dichte, tiefhängende Wolken gehüllt, aber über der Drop Zone herrscht klarer Himmel. Ich konnte die beiden sogar als winzigen Punkt erkennen, als sie aus der Maschine gefallen sind. Wenige Minuten Später ist sie wieder am Boden und strahlt über das ganze Gesicht wie ein Maikäfer.
Nun bin ich an der Reihe! Wir fahren zurück zum Startplatz, der Flieger ist schon da, ich ziehe den Overall an und bekomme die Gurte umgeschnallt. Alles ganz relaxed. In der Maschine gibt es nur einen Sitz für den Piloten, wir sitzen auf dem Boden der Maschine, die nach wenigen Metern in der Luft ist. Wir fliegen zuerst Richtung Meer, gewinnen an Höhe und steigen weiter nachdem wir eine Schleife flogen und nun Richtung Berge zusteuern, immer den alles überragenden Mt. Cook im Blick. Wie der Höhenmesser anzeigt sind wir nun auf 5.000 Fuß und befinden uns schon über den Wolken. Die Aussicht ist überragend! Der Fox Glacier liegt genau unter uns und wir können sehen wie die Hubschrauber auf den Schneefeldern landen um die Touristen kurz aussteigen zu lassen. Wir steigen weiter, der Zeiger steht nun aus 8.000. Der Pilot macht noch einige Fotos von mir mit der Kamera, die an der Tragfläche befestigt ist. Ich bin auch schon die ganze Zeit am Bilder machen. Bei 10.000 lege ich die Kamera beiseite. Rob schnallt mich nun an sich fest und zieht nochmals die Gurte stramm. Ich bin immer noch ganz entspannt und genieße die Aussicht. Als wir schließlich unsere Sprunghöhe von 12.000 erreicht haben geht die Tür auf, es bricht kalter Wind herein, ich bin ziemlich überrascht und bekomme für Sekunden ein laues Gefühl im Magen. Rob und ich krabbelten nun zur offenen Tür, ich hänge schon aus dem Flugzeug und er sitzt auf dem Rand. Ich starre in die Tiefe. Es ist das steinige Bett des Gletscherflusses zu sehen. Ich habe nur noch einen Gedanken: Spring, spring, SPRING endlich! Aber Rob deutet noch auf die Kamera. Wir müssen noch die Bilder machen! Dann lässt er sich fallen. Wir rollen vorne über. Das Flugzeug über uns ist zu sehen. Alles scheint ziemlich langsam abzulaufen. Es ist der Augenblick der völligen Freiheit. Der Fahrtwind des Flugzeugs ist schlagartig weg, kein rumpeln der Maschine ist mehr zu spüren, ebenso ist das Gefühl des Fallens nicht wahrzunehmen, kein laues Gefühl im Magen und auch die Kälte scheint wie weggewischt. Die absolute Schwerelosigkeit!
Nachdem uns Rob in der Luft stabilisiert hat strecke ich die Arme weit von mir und wir fallen mit ca. 200km/h der Erde entgegen. Es ist genial. Rob dreht uns etliche Male im Kreis, wir sehen die Berge auf der einen Seite und das Meer auf der anderen. Die Berge werden wieder rasch größer, der Wind zerrt am ganzen Körper und als er die Leine zieht öffnet sich der Schirm mit einem kurzen Ruck. Nun geht alles viel langsamer. Ich kann die Brille abnehmen und wir schweben dem Landepunkt in großen Schleifen und engen Spiralen entgegen. Nach der Landung ist leider alles schon wieder vorbei und ich würde gern gleich noch einmal springen und bin fest davon überzeugt irgendwann wieder zu springen! Es ist ein unglaubliches Erlebnis.
Wir fuhren zurück zum Startplatz ich entledigte mich der Gurte und des Overalls, bekam noch mein Zertifikat und anschließen wurden wir wieder nach Franz Josef zurückgefahren. Und wie! Der Fahrer prügelte das Auto in einer affenartigen Geschwindigkeit über die 25km lange, kurvenreiche Strecke, so dass mir sich fast der Magen drehte. Aber wir beide haben die Fahrt überlebt und sind am Abend noch zusammen Essen gewesen. Carmen ist gerade mal 21 und ist auf dem Weg nach NZ über 6 Wochen lang alleine durch China gereist. Musste aber auch gestehen, dass es sehr anstrengend war, da man schon mal einen Tag dafür einplanen kann nur um einen Bahnfahrkarte zu kaufen. Und so unterhielten wir uns noch recht nett an diesem Abend bis es schließlich Zeit wurde zurück in den Backpacker zu gehen.

17. Tag (10. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Westküste - Südinsel

Meine zweite Fahrt mit dem „Magic Bus“ heute. Es geht nach Makarora, ein extrem kleines Nest. Wir starten wie üblich um 8.00 Uhr und verbringen unseren ersten Stopp kurz hinter dem Fox Glacier am Lake Matheson. Die Sonne strahlt vom Himmel und es ist keine Wolke zu sehen. Deshalb haben wir alle einen traumhaften Blick auf die höchsten Berge von NZ, Mt. Tasman und Mt. Cook. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir die Island of Reflection und können somit die Berge, die sich in der Wasseroberfläche spiegeln doppelt bewundern. Dieser Ort hier am Lake Matheson hat einen der berühmtesten Ausblicke von NZ. Ein typisches Postkartenmotiv!
Später im Verlauf der Fahrt besuchten wir noch einige Wasserfälle und legten kurze Stopps an reizvollen Ausblicken ein bevor der Bus den Haast Pass überquerte um Makarua zu erreichen. Nach dem Einchecken folgte ein weiteres, ausgesprochenes Kiwi Abenteuer. Jetbooting bedeutet mit atemberaubender Geschwindigkeit über einen Fluss zu brettern. In einen einstündigen Trip auf dem Wilkin River geht es das Sibirria Valley einmal hoch und wieder runter. Die Boote allein sind schon bemerkenswert. Mit einem 360 PS starken, 6,5 Liter V6 Motor erreichen sie eine Geschwindigkeit von ca. 80 – 90Km/h und können noch bei einer Handbreit Wasser unter dem Kiel ohne Probleme gefahren werden. Acht Leute, bewaffnet mit Kamera und Schwimmweste besteigen das Boot und los ging es. Damit das Boot aus dem Wasser kommt gibt es nur eines. Vollgas! Somit schossen wir nach ein paar Sekunden mit Höchstgeschwindigkeit über den River. Als unser Pilot gleich nach dem Start das erste Mal direkt aufs Ufer zuschießt und nur wenige Meter davor, mit dem absolut wendigen Boot die Richtung ändert kreischen die Mädels und allen war geboten sich richtig festzuhalten. Die folgenden Schwenks und Aktionen waren anschließend ein riesiger Spaß, besonders der 360° Hamilton Spin aus voller Fahrt! Nach einer halben Stunde erreichten wir unseren Umkehrpunkt, denn ab hier war es nicht einmal mehr möglich mit einem Jetboot weiter zu kommen.
Nach einer Pause in einer tollen Umgebung ging es wieder den Fluss hinunter. Auf dem Weg zurück haben wir noch einige Kühe am Ufer erwischt, die gerade am Trinken waren. Mit voller Geschwindigkeit sind wir direkt auf die Kuh zugefahren um kurz vor dem Ufer abzudrehen. Der Wasserstrahl und die Gischt erledigten den Rest. Das Vieh war klatschnass! Was man nicht alles mit einem Jetboot machen kann.

18. Tag (11. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Westküste - Südinsel

Die nächste Etappe mit dem „Magic Bus“ geht heute nach Queenstown, der Hauptstadt des Abenteuers. Am frühen Morgen fahren wir am Lake Wanaka entlang, der ruhig unter uns liegt und nur von Bergen umsäumt ist. Er hat schon eine stattliche Größe den wir fahren schon fast eine halbe Stunde am Ufer entlang und schauen auf die tief blauen Fluten. Kurze Zeit später biegen wir links zum Lake Hawea ab, der die gleiche Größe besitzt. In Wanaga angekommen verbringen wir eine ganze Weile damit Leute abzusetzen und aufzunehmen. Kurz vorher hatten wir schon eine längere Rast im Puzzling World. Eine Anlage die wohl ziemlich einzigartig sein dürfte. Es gab dort jede Menge Puzzle, holografische Bilder und ein verrücktes Haus in dem der Boden und die Wände um 15° geneigt waren. Das Auge „erzählte“ dem Gehirn deshalb etwas Anderes wie der Gleichgewichtssinn, es war einfach verrückt.
An der Kawarau Suspention Brigde machten wir unseren letzten Stopp vor Queenstown. Es ist die Brücke an der AJ Hackett die erste kommerzielle Bungy Location der Welt eröffnete. Ich habe jedoch nur zugeschaut und konnte mich nicht so recht entschließen selbst zu springen. Wir fuhren schließlich weiter nach Queenstown und nachdem ich dort ins YHA eingecheckt bin habe ich mich auf den Weg ins Zentrum gemacht um die nächsten Tage zu verplanen. Somit fahre ich morgen in Richtung Milford Sound. Das schönste daran ist, dass das Wetter genauso traumhaft bleiben soll wie es im Moment ist.
Gegen Abend habe ich mich noch spontan dazu erschlossen mit der Gondel auf Bobs Peak zu fahren um mir Queenstown wie es am Lake Wakatipu liegt von oben anzuschauen und zuzusehen wie ein altes Dampfschiff langsam vor dem Sonnenuntergang in den Hafen gleitet. Hier oben gibt es noch eine weitere Bungy-Anlage von AJ Hackett. Auf einer Felskante befindet sich die Absprungplattform mit freiem Blick auf den 400m tiefer liegenden Ort. Der Sprung selbst ist nur 47m, aber das Feeling muss schon anders sein an der „Ledge“. Die neueste Attraktion hier in Queenstown ist jedoch „Fly by Wire“! Dabei hängt man an einem 105m langen Stahlkabel und liegt in einer Art Fluggerät. Das Kabel ist in der Mitte an einem Zentrum über einem großen Tal befestigt und somit ist es möglich wie in einer riesigen Schüssel zu fliegen.

19. Tag (12. Februar 1999)

Den Morgen habe ich ganz gemütlich verbracht und habe mir Queenstown etwas näher angeschaut und bin ein bisschen umhergelaufen. Am Nachmittag nahm ich anschließend den Bus nach Te Anau und bin mal gespannt wo ich hin komme werde.
Der Bus ist zuerst am Lake Wakatipu entlanggefahren und als die Straße später die Küste des Sees verließ hat sich das Land wieder geweitet bis wir am Lake Te Anau und schließlich in der Stadt selbst angekommen sind. Gleich darauf gab es eine Überraschung. Der Backpacker in dem ich gebucht hatte hat sich bei meiner Ankunft als Homestay herausgestellt. Eine ganz spezielle Kiwi Art zu übernachten. Als ich ankam war Niemand zu Hause, es stand nur eine Tafel vor der Tür auf der mit Kreide eine Nachricht geschrieben stand. Ich solle doch hineingehen und es mir bequem machen, es würde erst gegen Abend Jemand nach Hause kommen! Ich ging hinein, wunderte mich und machte es mir bequem.
Es ist eine Familie die einfach ein Zimmer an Backpacker vermietet und sonst ihre Küche, Toilette und das restliche Haus teilt. Abends saß man mit den Kindern und dem Rest der Familie im Wohnzimmer zusammen und unterhielt sich bis spät in den Abend.

20. Tag (13. Februar 1999)

Milford Sound - Südinsel

Milford Sound - Südinsel

Milford Sound - Südinsel

Am Morgen bin ich nun zu einer Tour zum Milford Sound aufgebrochen. Es ist traumhaftes Wetter, was ziemlich ungewöhnlich ist, da es über 250 Regentage am Sound gibt. Der Bus ist also auf seinem Weg. Nachdem die Straße den 325 km2 großen Lake Te Anau verlassen hat fahren wir in dem Fjordland National Park und die Landschaft ändert sich ziemlich abrupt. War bis dahin weites Land mit sehr viel Weidefläche zu sehen wird das Tal nun schmal und die Berge zeigen sich nun schroff und felsig. Der Bus hält an einigen Stellen und wir steigen aus, machen ein paar Bilder und genießen einfach die Aussicht, schließlich erreichen wir Homer Tunnel, der das Felsmassiv durchsticht und zum Milford Sound hinunterführt. Der Tunnel selbst ist schon ein Erlebnis. Er ist Einspurig und ohne Beleuchtung. Zudem besitzt er ein starkes Gefälle und ist einfach aus dem Granit herausgesprengt, so dass überall das Wasser von der Decke tropft. Aber als wir auf der anderen Seite aus dem Tunnel heraus kommen breitet sich eine tolle Landschaft vor und aus und die Straße windet sich in einer Vielzahl von Serpentinen hinab zum Sound. Wir machen noch einen kurzen Stopp am Chasm Walk. Hier stürzt ein Fluss über mehrere Stufen in die Tiefe und hat im Verlauf der Zeit regelrecht Löcher in die Felsen gebohrt durch die das Wasser heute sich durchzwängt und sich immer tiefer eingräbt. Auf dem Weg dorthin lerne ich noch drei Mädels aus Berlin kennen die auch mit im Bus sind.
Am Milford angekommen geht es gleich direkt vom Bus an Bord der „Friendship“, einem kleinen Schiff mit dem wir unsere Fahrt machen. Es wimmelt nur so von Bussen und Touristen, aber auf dem Boot verläuft es sich ein wenig. An Bord stehe ich mit den Mädels zusammen und genieße Fahrt hinaus in Richtung Meer. Die Landschaft ist noch viel gewaltiger als es auf einer Postkarte zu erkennen ist. Der ganze Fjord wird vom Mitre Peak dominiert, der 1.700m direkt aus dem Meer aufsteigt und dessen Spitze steil in den Himmel ragt. Einige Wasserfälle auf dieser Seite waren leider ausgetrocknet, aber ich bevorzugte lieber das schöne Wetter. Als wir unseren Wendepunkt in der Tasman Sea erreichten habe ich noch einen Happen zu mir genommen um beim Hineinfahren wieder am Bug des Bootes stehen zu können. Auf der anderen Seite des Fjords, an der wir nun entlang fuhren befinden sich die Stiring- und vor allem die beeindruckenden Bowen Falls, die das ganze Jahr über Wasser führen. Das Wasser fällt zwischen 140 und 160m direkt ins Meer. Auch die Steilwand am Mt Cion, die wir zwischen den beiden Wasserfällen passiert haben wirkt gewaltig. Die Wand ragt 600m senkrecht aus dem Wasser empor und wenn man nah genug ist entsteht der Eindruck als ob die ganze Wand überhängt und gleich umkippt. Auf der ganzen Fahrt habe ich mich gut mit den Mädels unterhalten und wir hatten viel Spaß zusammen, wieder im Hafen wollten wir noch kurz zu Fuß zu den Bowen Falls laufen, die gerade mal 5 Minuten vom Anleger entfernt sind, aber es war leider keine Zeit dafür und wir mussten direkt wieder in den Bus steigen. Leider ein kleines negatives Ereignis an einem ansonsten traumhaft schönen Tag.
Wieder zurück in Te Anau traf ich dann noch Cosette, eine Irin, die ich schon am Franz Josef Gletscher getroffen habe. Sie ist auch in diesem Homestay abgestiegen und bleibt allerdings noch etwas länger als ich. Meinen Vorschlag noch baden zu gehen nahm Sie spontan an und so waren wir noch ein bisschen baden im Lake Te Anau. Das Wasser war sehr erfrischend und genau das richtige nach einem heißen und anstrengenden Tag am Milford Sound.

Zurück nach Queenstown und weiter nach Norden

21. Tag (14. Februar 1999)

Queenstown

Morgens ging es wieder mit dem Bus zurück nach Queenstown. Auf der Fahrt dorthin habe ich mich schließlich doch noch dazu entschlossen einen Bungy Jump zu wagen. Gleich nach meiner Ankunft habe ich mich zur AJ Hackett Bungy Station im Zentrum begeben und einen Sprung gebucht. Gegen Nachmittag bin ich und 7 Andere mit einem Kleinbus zur Kawarau Bridge gefahren worden. Ich dachte es wird wohl am besten sein gleich als Erster zu springen um den anderen entspannt zuschauen zu können. Nach der Anmeldung wurde ich gewogen und das Gewicht auf meine Hand gemalt. Einige andere obligatorische Dinge wurden noch erledigt und ich war auf dem Weg hinaus zur Brücke. Meine innere Anspannung war erstaunlicherweise größer als beim Fallschirmspringen, besonders als an meinen Füßen der Befestigungsgurt angebracht wurde und ich diese nicht mehr auseinanderbrachte. Auf die Frage ob ich ins Wasser eintauchen will antwortete ich natürlich mit einem JA, den nur hier an der Kawarau Bridge besteht diese Möglichkeit. Als ich gleich darauf an der Kante stand und ich so hinunter schaute legte sich meine Anspannung wieder sehr schnell. Es sieht gar nicht so hoch aus und ist ja auch nur die vierfache Höhe eines Sprungturms im Freibad!
Ich springe nach vorne, mit dem Kopf voraus ab und das Gefühl des freien Falls stellt sich wieder ein, endet aber schon nach ein bis zwei Sekunden und das Gummiseil dehnt sich. Tauche mit den Armen und dem Kopf im Fluss ein und werde wieder in die Höhe gerissen, liege am oberen Punkt waagrecht in der Luft und falle erneut, leider aber nicht mehr so tief. Das Schlauchboot fährt heran, ich werde abgelassen und greife nach der Stange, die mir entgegengestreckt wird. Nun werde ich endgültig ins Boot abgelassen und es ist vorbei!
Als ich wieder zur Brücke hinaufgelaufen bin und den Anderen zugeschaut habe hat es mich doch sehr gereizt noch mal zu springen. Ich schaute mir noch das Video an welches gemacht wurde und entschied mich fürs gleiche Geld lieber einen zweiten Sprung zu machen und aufs Video zu verzichten. Ich will noch tiefer ins Wasser eintauchen und nochmals den „Kick“ zu verspüren. Deshalb springe ich nicht, sondern lasse mich einfach nach vorne in die Tiefe fallen. Die Wasseroberfläche kommt schnell näher ich tauche bis zur Hüfte ein und werde wieder in die Höhe gerissen. Das Blut läuft wieder langsam in den Kopf und alles war wie beim Ersten Mal.
Was nun aber besser ist, ein Sky Dive oder ein Bungy Jump, kann ich immer noch nicht sagen. Beides hat seine Vorteile und Reize. Beim Bungy ist die Überwindung beim Absprung größer, dafür ist der freie Fall viel zu kurz, aber der „Kick“ wiederum größer. Beim Sky Dive ist der freie Fall durch nichts zu überbieten, die Zeit am Schirm dagegen fast schon langweilig. Nun ja, was soll ich sagen? Keine Ahnung was besser ist!

22. Tag (15. Februar 1999)

Ein Tag zu ausspannen und relaxen….
Gegen Abend habe noch Franziska aus München kennengelernt mit der ich zusammen auf dem Balkon des Backpackers eine Flasche Wein getrunken und dazu ein paar Häppchen Lachs gegessen habe. Wie sich im Verlauf des Abends herausstellte ist sie Bildhauerin. Sie zeigte mir ein paar Bilder ihrer Arbeiten und ich muss schon sagen, dass dies mich sehr beeindruckt hat, zumal man in der Regel gar nicht mitbekommt wieviel Arbeit hinter solch einer Arbeit steckt. Vom Entwurf, über einzelne Modelle bis zur endgültigen Arbeit. Jedenfalls war es ein netter Abend mit einem tollen Blick über den Lake. Der Sonnenuntergang auf der anderen Seite des Sees, der sich in der Oberfläche gespiegelt hat und die feuerroten Wolken hoch über uns waren prächtig und ein schöner Abschluss für einen gemütlichen Tag.

23. Tag (16. Februar 1999)

Ich verlasse Queenstown wieder. Wäre gern noch 1 – 2 Tage länger geblieben. Es ist ein nettes Städtchen mit beachtlich gutem Night Life und wahnsinnig vielen Tour-Büros. Aber auch vielen Shops und einem netten Hafen. Es sind zwar sehr viele Touris hier und die Stadt wird auch total vom Tourismus geprägt, jedoch ist es eigentlich nie unangenehm, weil alles einfach relaxed und freundlich abläuft ohne Proleten oder Besoffenen, die Geschrei machen. Im Prinzip habe ich eigentlich noch nirgends hier in New Zealand eine gespannte Atmosphäre erlebt. So ist es einfach sehr angenehm.
Es geht nach Dunedin, der großen Uni-Stadt auf der Südinsel. Die Landschaft gleicht in diesem Eck ziemlich der Schwäbischen Alb, außer das hier wirklich überall Schafe herumstehen. Man kann eigentlich kaum seinen Blick schweifen lassen, ohne irgendwo Schafe zu erblicken. Aber wen wundert es, denn statistisch gesehen besitzt jeder Kiwi 17 Schafe!
Dunedin liegt ist an einer schönen Bucht gelegen und besitzt ein nettes Zentrum. Bei der Fahrt ins Zentrum fällt gleich auf, dass es nur so von Studenten wimmeln muss. Aber ich bin auf dieser Tour einfach nicht an Städten interessiert. Am Abend gehe ich noch ins Kino und werde mich morgen gleich nach Christchurch weiterfahren.

24. Tag (17. Februar 1999)

Es geht nun nach Christchurch zurück. Meine letzte Etappe mit dem „Magic Bus“. Bin froh nach dieser Fahrt nicht mehr mit diesem Backpacker Bus unterwegs sein zu müssen. Ich will nicht damit sagen das es schlecht war und es mir nicht gefallen hat, aber ich bevorzuge doch lieber alleine zu reisen und weniger organisiert. Ein Vorteil den ich nicht unterschlagen will ist natürlich, dass er die landschaftlich etwas schöneren Strecken fährt und auch Stopps an sehenswerten Punkten macht. So zum Beispiel heute, als wir an den Moeraki Boulders in der Nähe von Palmerston angehalten haben. Dieser Stopp hat sich gelohnt, während unser Halt in Dunedin an der steilsten Straße der Welt wenig aufregend war und dies sicherlich auch keine halbe Stunde Wert gewesen ist. Na ja so ist es eben! Da es heute eine relativ lange Strecke ist fahren wir direkt nach Christchurch durch und verbringen noch eine Stunde damit die ganzen Leute in den einzelnen Backpackern abzuladen. Ich bin der letzte der schließlich am Bealey Backpacker abgesetzt wird. Es ist der gleiche Backpacker in dem ich war als ich vor ein paar Tagen nach New Zealand kam. Ich habe meine Sachen wieder in Ordnung gebracht und bin anschließend noch in die Pizzeria um die Ecke. Dabei schmiedete ich Pläne für die nächsten Tage.

25. Tag (18. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Ich bin nun wieder an der Westküste angekommen, nachdem ich heute Morgen den Coast to Coast Shuttle nach Greymouth genommen habe. Die Straße durch die Alpen und über den Arthurs Pass war fast genauso spektakulär wie die Bahnstrecke, die teilweise der Straße folgt oder umgekehrt. Ab Greymouth wollte ich nun weiter nach Norden, nach Westport. Dieses Mal aber nicht mit dem Bus, sondern ich wollte das erste Mal in meinem Leben per Anhalter unterwegs sein, weil es eine ganz andere Art des Reisens ist. Zudem hat mir jeder Tramper mit dem ich bis jetzt gesprochen habe mir erzählt hat, dass es furchtbar einfach sei hier mit den Daumen im Wind unterwegs zu sein. Und somit wollte ich es auch ausprobieren und stellte mich mit dem Daumen im Wind an die Straße. Ein anderer Tramper, Michael aus der Karibik, wartete auch auf eine Mitfahrgelegenheit, wir kamen gut ins Gespräch und waren frohen Mutes. Er sei schon durch ganz New Zealand getrampt und meinte auch das es sehr einfach ist eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Nach gerade einmal 10 Minuten hielt auch schon eine nette Lady. Als die Rucksäcke vertraut waren ging es los. Sie konnte uns aber nur etwa 20 km mitnehmen. Besser als nichts dachten wir und standen kurze Zeit später wieder an der Straße. 2 volle Stunden!! Dann haben wir uns entschieden zu marschieren. Bis zum nächsten Ort an den Pancake Rocks war es sicherlich noch über 40Km. Nach einer dreiviertel Stunde Fußmarsch und einigen Dutzend Touristenautos, von denen ein Teil der Fahrer freundlich gewinkt haben als sie vorbeigefahren sind, haben glücklicherweise zwei nette Amerikanerinnen aus Michigan gehalten und uns mitgenommen. Einer der Rucksäcke haben wir quer über die Knie gelegt und so ging es nach Punakaiki bei den Pancake Rocks. Als wir angekommen sind habe ich mir noch die Rocks angeschaut, die wirklich aussehen wie geschichtete Pfannkuchen. Gegen 17.00 Uhr versuchte ich noch mal für ca. eine halbe Stunde eine Fahrt nach Westport zu bekommen und habe schließlich aufgegeben. Nun bin ich im Beach Hostel direkt am Strand abgestiegen bleibe auch noch den ganzen morgigen Tag hier.
Ob ich noch mal zu trampen versuche weiß ich noch nicht, vielleicht nehme ich auch wieder einfach den Bus bis nach Wellington und versuche es noch mal auf der Nordinsel. Keine Ahnung im Moment, aber versuchen werde ich es auf jeden Fall wieder. Trampen hat was! Jetzt brauche ich aber was zum Essen, werde mal beim einzigen Pub hier in diesem Nest versuchen was Vernünftiges zum Beißen zu bekommen.

26. Tag (19. Februar 1999)

Westküste - Südinsel

Ein recht gemütlicher Tag im „deutschen“ Hostel. Dieses Hostel ist in seiner Art schon verblüffend, es sind fast ausschließlich deutschsprachige Leute hier und ich frage mich gerade ob es daran liegt das der Manager aus Hamburg ist oder ob nur Deutsche es hier in dieser Ecke New Zealands gefällt. Na ja wie auch immer, jedenfalls habe ich heute Morgen eine kleine Wanderung gemacht während der in noch Jean aus Israel kennengelernt habe und wir gemeinsam weitergegangen sind. Der Pfad führte durch dichten Regenwald und folgte einem Fluss tief hinein in den Paparoa National Park. Eine großartige Fußlandschaft breitete sich vor uns aus. Wir machten mehrere Male eine Pause, setzten uns an den Fluss, ließen unsere Beine im Wasser baumeln und beobachteten einfach das sanfte Kräuseln auf der Wasseroberfläche. Über unzählige kleine Bäche und Wasserläufe ging es weiter, später mussten wir noch den Punakaiki River durchwaten, was sich aber auf Grund des geringen Wasserstands nicht schwierig gestaltete. Wir haben einfach die Schuhe ausgezogen, die Hosen hochgekrempelt und sind durchgewatet. Nach drei Stunden war ich wieder im Beach Hostel zurück, haben aber noch vorher an den Pancake Rocks einen Kaffee getrunken und ein Eis geschleckt. Tip-Top ist wohl eines der besten Eiscremes die es gibt und ich muss zugeben, dass ich fast jeden Tag mir eine große Portion genehmige.
Gegen Nachmittag wollte ich noch im Meer baden, das Wasser war herrlich frisch jedoch waren die Wellen derartig hoch das mir das Risiko zu groß war weiter als bis zur Hüfte mich vorzuwagen. Ich habe es deshalb vorgezogen „nur“ auf dem Strand zu sitzen und dort den anstürmenden Wellen zu trotzen. Später gegen Abend als die Ebbe eingesetzt hat war es besser, weil die Wellen nicht mehr so hoch waren aber das Wasser immer noch schön warm war, was mich genaugenommen überraschte.

27. Tag (20. Februar 1999)

Heute bin ich doch nicht als Anhalter unterwegs, sondern habe das „Atomic Shuttle“ nach Nelson genommen. Es ging bis Westport immer an der Küste entlang und die Morgensonne, die klare Luft und die Wolkenfetzen, welche die Regengüsse der vergangenen Nacht hinterlassen haben, verbreiteten eine ganz eigenartige Stimmung.
Während einer Frühstückspause in Westport hätte ich fast noch die Abfahrt verpasst. Ich saß noch verhältnismäßig schläfrig im Café als ich den Minibus anfahren und wenden sah. Aber ich hatte Glück und wurde doch noch mitgenommen, nachdem ich heftig winkend auf der Straße stand.
Weiter führte die Fahrt durch die Buller Schlucht, die sich jedoch wenig spektakulär zeigte da wegen der anhaltenden Trockenheit der Wasserstand des Buller River sehr gering war. Deshalb konnte man sich auch schwerlich vorstellen, dass der kleine Wasserlauf unter uns nach schweren Regenfällen locker über 10 Meter anschwellen kann und die Straße überflutet.
Nach ein paar Stunden Fahrt sind wir schließlich in Nelson angekommen. Nelson liegt an einer reizvollen Bucht und der Paradiso Backpacker in dem ich heute abgestiegen bin scheint recht hübsch zu sein, jedenfalls fällt einem der Pool doch gleich ins Auge und auch das Gebäude war früher sicherlich mal eine herrschaftliche Villa. Nun egal ich bin recht müde, will nur noch schnell eine Dusche und mich dann einfach mal kurz entspannen. Die Strecke heute war doch ein ganz schön großes Stück. Auf der Karte sah es gar nicht danach aus und ich glaube es wäre gar nicht so einfach gewesen als Anhalter auf dieser Strecke zügig vorwärts zu kommen.

28. Tag (21. Februar 1999)

Es ist Sonntag, alle Geschäfte mit Ausnahme des Supermarkts sind geschlossen und der ganze Ort wirkt wie ausgestorben. Ich habe mich entschlossen an die Beach zu gehen, aber das war auch über eine Stunde Fußmarsch denn die Busse fuhren heute ebenso nicht. Dort habe ich wohl die Einwohner wieder getroffen. Es war ziemlich voll, jedoch noch auszuhalten. Auf dem Rückweg zum Backpacker ging ich noch in den Supermarkt, schließlich will meine zweitägige Wanderung morgen gut vorbereitet werden. Am Abend gibt es noch ein BBQ am Pool und anschließend wird ein ruhiger Tag wohl früh zu Ende gehen.

29. Tag (22. Februar 1999)

Abel Tasman NP

Abel Tasman NP

Heute will ich nun in den Abel Tasman National Park und fahre deshalb schon sehr früh mit dem Bus nach Marahau. Wie ich es mir gestern schon vorgenommen habe werde ich zwei Tage im National Park verbringen und in einer Hütte auf dem Weg übernachten. Jeder den ich bis jetzt getroffen habe hat so von diesem Park geschwärmt, dass ein Tag sicherlich zu wenig Zeit ist. Gleich nachdem ich in Marahau angekommen bin konnte ich dort im Backpacker meinen überflüssigen Kram deponieren und noch die Permission holen, um im Park überhaupt übernachten zu dürfen. Als schließlich alles erledigt war habe ich mich um 9.30 Uhr auf den Track gemacht. Der Weg führt die ganze Zeit an der Küste entlang. In der ersten Stunde war der Weg wenig beeindruckend danach wurde es aber wesentlich interessanter. An der ersten großen Bucht des Torrent Rivers habe ich meine Mittagspause eingelegt und mir mit den mitgebrachten Sachen den Magen wieder gefüllt. Die Stelle war an der ich Rast machte war besonders reizvoll, weil man zuschauen konnte wie innerhalb von Minuten das Wasser in der Bucht ansteigt und die Leute sich beeilen mussten die Bucht zu durchquerten um nicht am Ende noch schwimmen zu müssen. Dort verbrachte ich also in der Sonne meinen Mittag und machte mich anschließend wieder auf den Weg der nun leicht zu einer Anhöhe anstieg. Es boten sich schöne Aussichtspunkte und schließlich erreichte ich mein für heute gestecktes Ziel. Bark Bay an der die Bark Hut liegt. Es waren überraschenderweise nicht so viele Leute da wie angenommen. Denn als ich heute Morgen aufbrach sagten mir viele Leute, dass es notwendig ist frühzeitig an einer Hütte anzukommen um noch ein Schlafplatz zu ergattern. Jedenfalls entledigte ich mich als erstes von der Last meines Rucksacks was wirklich eine Wohltat war. Nachdem ich auch die „qualmenden“ Socken ausgezogen hatte ging es gleich zum Beach um mich im Meer abzukühlen und zu entspannen. Das Wasser was wohltuend frisch und der Beach von einer herrlichen Bucht umgeben. Die einsetzende Ebbe entleerte das hinter dem Strand gelegene Inlet und das Wasser strömte rasch durch einen kleinen Auslass ins Meer zurück.
Gegen Abend irgendwann bin ich wieder zurück zur Hütte, habe erst einmal geduscht und ein frisches T-Shirt angezogen. Die Dusche entsprach genau den Vorstellungen, denn es war eine richtige „Buschdusche“ unter freiem Himmel und mit kaltem Flusswasser, aber trotzdem herrlich erfrischend. Nachdem sich noch jeder der Anwesenden etwas zum Essen gemacht hat ging es auch fast schon ins Bett, denn als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war gab es kein Licht mehr und es war stockdunkel in der Hütte. Die Trinkflaschen sind nun für morgen auch leerer, den es ist nicht möglich hier Trinkwasser aufzufüllen, da es hier keines gibt.

30. Tag (23. Februar 1999)

Abel Tasman NP

Abel Tasman NP

Abel Tasman NP

Abel Tasman NP

Bei Sonnenaufgang ging es raus aus den Federn oder genauer gesagt aus dem Schlafsack. Die Nacht über habe ich sowieso nicht so gut geschlafen und bin sogar irgendwann mitten in der Nacht aufgestanden und habe mich vor die Hütte gesetzt. Nach ein paar Minuten haben sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt und langsam wurde ein überragender Sternenhimmel sichtbar. Ich sah sogar zum ersten Mal eine Sternschnuppe leuchten.
Nach dem Aufstehen ging ich gleich in Richtung Bay und schaute mit dem Sonnenaufgang an, der hinter Wolken und Bäumen einen ganz eigenen Charakter hatte. Einige Bäume schienen regelrecht zu brennen und ihre Zweige setzten sich scharf vom leuchtend roten Himmel ab. Wenig später bin ich dann auch wieder aufgebrochen um heute noch mein Ziel zu erreichen. Der Weg zur Tonga Bay war weniger interessant und so habe ich diese Strecke zügig hinter mir gelassen, genauso wie einen Holländer, der mit mir an der Bark Hut gestartet ist. An der Bay angekommen galt es dem Weg weiter über den Onetahuti Beach zu folgen und an dessen Ende einen Fluss zu durchqueren. Das Wasser hatte seinen niedrigsten Stand und somit war es einfach den Fluss zu queren. Bei Flut geht an dieser Stelle gar nichts mehr. Das Wasser steigt um 4m und es gibt keine Möglichkeit diese Stelle zu umlaufen.
Weiter ging es zur Awaroa Lodge, der einzigen Stelle auf dem ganzen Weg der bewirtschaftet ist und an dem es Trinkwasser gibt. Dort machte ich erst einmal eine längere Frühstückspause und füllte meine Wasserflaschen wieder auf. Wieder frisch gestärkt lief ich weiter in Richtung Awaroa Inlet welches man auch queren muss. Es ist eine riesige Flussmündung bei deren Querung ich auch bei Ebbe die Schuhe ausgezogen habe und durchs Wasser gewatet bin. Der ganze Sand, der eigentlich bei Flut das Flussbett bildet war über und über mit Muscheln bedeckt. Entsprechend heikel war es auch Barfuß vorwärts zu kommen und ich benötigte eine dreiviertel Stunde um auf die andere Seite zu gelangen. Von dort folgte der Weg der Küstenlinie wieder annähernd geradlinig. Man musste noch zwei hübschen Stränden folgen bis ich schließlich Totaranui, meinen Zielort erreichte. Ich hatte noch jede Menge Zeit bis das Boot kommen sollte mit dem ich die Küste entlang wieder zurück nach Marahau fahren wollte. Somit verbrachte ich noch einige Stunden am Strand und schaute aufs Meer hinaus um Ausschau nach dem Boot zu halten. Schließlich kam es auch in Sicht. Doch erst jetzt nahm ich die starke Brandung richtig wahr, denn das kleine Boot schaukelte und rollte fürchterlich. Der Kapitän hatte einige Schwierigkeiten überhaupt den Strand zu erreichen und lief auf einem Zickzackkurs. In einem Inlet werde ich letzten Endes mit einem kleinen Beiboot abgeholt. Ein Ami der auf keinen Fall an Bord wollte hat mir noch sein Ticket verkauft und dann ging es los. Ich habe mich gleich ans Heck gesetzt um freie Sicht auf die herrliche Küste und somit auf einen Fixpunkt zu haben. Das 15m Boot hob und senkte sich um mehrere Meter und hatte viel Mühe überhaupt gegen die Wellen zu laufen und aus der Bucht wieder hinaus zu kommen. Richtig heftig wurde es aber immer dann wenn der Kapitän den Motor drosselte und Fahrt zurücknahm um bei den 3m Brechern nicht zu kentern. Denn das Boot wurde jedes Mal steil in die Höhe gehoben und schlug mit dem Rumpf so hart auf dem Wasser auf, dass der ganze Schiffsrumpf erzitterte um gleich wieder in die Höhe gerissen zu werden. Nach 3 Stunden und einem ziemlich lauen Gefühl im Magen war ich wieder am Ausgangspunkt. Wieder zurück im Barn Backpacker habe ich mich erst einmal aufs Bett gelegt. In den letzten zwei Tagen waren es nun doch annähernd 45Km zu Fuß, aber es war toll und ich will es nicht missen.

31. Tag (24. Februar 1999)

Nachdem heute Morgen alle Leute sehr früh aufgestanden sind und „ca. eine Million“ Plastiktüten gepackt haben ist es nun sehr ruhig geworden, denn wir sind nur noch zu zweit im Hostel. Ich warte auf den Bus nach Nelson am Nachmittag und hoffe, dass ich gleich noch einen Anschluss nach Picton bekommen kann. Ein gemütliches Frühstück und mal wieder ausreichend Zeit um den „Planet“ zu lesen war ein angenehmer Einstieg in den Tag.
Ich steige in den Bus und bin in weniger als einer Stunde wieder in Nelson. Eine Anschluss Verbindung nach Picton bekomme ich auch ohne großen Aufenthalt. Die Fahrt dorthin zieht sich bis in den Abend und als ich dort ankomme dämmert es schon.
Ich stehe nun vor den Interislander Fährterminal und will mir ein Ticket für eine Fähre morgen besorgen. Leider bin ich gezwungen die Fähre morgens um 5.30 Uhr zu nehmen, da ich gegen Mittag den Bus von Wellington nach Turangi erreichen will. In Wellington, der Hauptstadt von New Zealand will ich nicht bleiben. Keine Städte auf dieser Reise! Hier im Backpacker habe ich noch eine Kiwi kennengelernt. Sie kommt aus Turangi, dem Ort an den ich morgen hinwill. Jedenfalls hat sie mich eingeladen bei ihnen ein paar Nächte zu bleiben. Ich werde es mir auf jeden Fall mal überlegen.

Die letzten Tage auf der Nordinsel

32. Tag (25. Februar 2006)

Cook Strait

Morgens um 4.00 Uhr rasselte schon der Wecker und fast alle Leute in meinem Zimmer mussten aufstehen um die Fähre zu erreichen. Es ist noch rabenschwarz draußen als wir uns kurz vor fünf zur Fähre gehen. Wir gehen an Bord, es ist die größte Fähre die sich Einsatz befindet. Es werden noch ganze Güterzüge einige Decks unter uns verladen, ansonsten ist nicht viel los. Es haben sich wenige Leute eingefunden so früh schon auf die Nordinsel überzusetzen. Vicky, ihre Freundin und ich bewegen uns gleich in Richtung Cafeteria um ein Frühstück oder wenigstens einen Kaffee zu bekommen, jedoch müssen wir warten. Das Schiff fängt an sich zu bewegen, durch die Fenster ist absolut nichts zu sehen, keine Sterne, kein Mond und schon gar keine Küste. Schade, denn der Mallborough Sound durch den wir die nächste Stunde fahren soll sehr schön sein, na ja was soll‘s, man kann nicht alles haben. Aber ein Kaffee wäre nun nicht schlecht, aber die Cafeteria öffnet erst eine Stunde nach der Abfahrt und wir stürmen gleich als erstes hinein und genießen einen heißen Kaffee. Die Sonne hat sich hinter Wolken versteckt, doch die Küste der Nordinsel zeichnet sich scharf ab und die See ist ruhig. Eine reinrassige Rotfärbung der Wolkendecke gönnt uns die Sonne aber doch noch auch wenn nur für wenige Minuten. Wenig später sind schon die ersten Lichter von Wellington zu sehen. Wir laufen in die Bucht und den Hafen ein, ein frischer Wind pfeift uns um die Nase als wir an Deck stehen. Die Überfahrt ist vorbei, wir hatten viel Spaß zusammen auf der Überfahrt von der Süd- auf die Nordinsel und nun geht es weiter. Vicky und Heather wollen nach Turangi per Anhalter fahren, ich habe mich für den Bus entschieden. Es ist einfach etwas stressfreier und mir bleiben noch ein paar Stunden für die Stadt. Nach dem Anlegen am Fährterminal verabschieden wir uns voneinander bis heute Abend und ich mache mich auf den Weg ins Zentrum. Dort lasse ich noch meine Bilder vom Skydive entwickeln, gehe noch einkaufen und schlendere durch die Straßen. Wellington ist ganz nett habe ich den Eindruck. Kurz bevor ich auf den Bus gehe komme ich noch zufällig am Parlament vorbei und habe somit wenigstens einen Touristenpunkt gesehen. Die anschließende Busfahrt dauert 6 Stunden. Es ist meine längste Fahrt an einem Stück, aber ich komme recht nett mit einer Studentin ins Gespräch und somit geht die Zeit schnell vorüber.
Als ich schließlich in Turangi ankomme und bei Vicky aufkreuze gab es ein großes „Hallo“ und es war gleich klar, dass ich bleiben kann und dort übernachte. Ich glaube ihre Mutter hätte mich gar nicht gehen lassen! Denn sie meinte nur ich solle doch ein paar Tage bleiben, solange ich eben Lust hätte. Nun ja mit solch einem Empfang hatte ich nicht gerechnet.

33. Tag (26. Februar 2006)

Heute wollte ich ein bisschen relaxen und einige Sachen besorgen um morgen den Tongariro Crossing Track zu laufen, aber das Wetter sieht recht schlecht aus. Richtiges Novemberwetter mit Nieselregen, welches sich laut Vorhersage auch morgen nicht ändern wird. Somit weiß ich noch nicht genau was ich machen soll.
Demnächst wollen wir mit ihrem Bruder nach Taupo fahren, denn er hat einige Besorgungen dort zu machen und vielleicht gibt es ja was noch etwas zum Anschauen.
Nun ja, den McDonalds haben wir angeschaut, weil es nur geregnet hat und es somit nicht so toll gewesen wäre irgendwo rumzulaufen und so sind wir einfach wieder zurückgefahren. Am Abend haben wir uns noch aufgerafft und sind in die Dorfkneipe. Es hat war ein netter Abend mit Billard und Flipper, sowie etlichen Bieren. Spät am Abend kamen wir wieder zurück und ich habe mich gleich ins Wohnmobil verkrochen in dem ich nächtigte. Es ist sehr komfortabel und besser als jedes Hostel, denn wo hat man schon ein „Einzelzimmer“?

34. Tag (27. Februar 2006)

Das Wetter sieht heute leider auch nicht besser aus als gestern. Es nieselt noch und eine geschlossene Wolkendecke versperrt jeglichen Blick auf die Berge. Also kein Wetter um wandern zu gehen. Ich habe aber trotzdem die Hoffnung, dass es morgen besser wird, ignoriere den Wetterbericht und gehe in den Supermarkt um alles Notwendige für die Wanderung einzukaufen.
Am Nachmittag begleite ich Vicky zu den Pferden und schaue zu wie sie mit ihnen trainiert. Ihre Mutter besitzt nämlich eine Pferdezucht und das Wohnmobil in dem ich schlafe ist eigentlich ein alter Pferdetransporter mit dem Sie früher zu Rennen gereist sind. Vicky war in ihrer Jugend, soweit man das bei einem jungen Mädel sagen kann ein erfolgreicher Jockey. Heute trainiert sie nur noch die Pferde. Da dies sehr Zeitintensiv ist kann sie morgen leider auch nicht mit Heather und mir mit auf die Wanderung.
Bei Vicky und ihrer Familie die letzten zwei Tage zu verbringen war wohl das Beste was ich machen konnte bei dem Wetter. Ich glaube in einem Backpacker wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen. Hier habe ich es einfach gut! Ich habe mein eigenes „Zimmer“, kann Fernsehen wann ich will und mir einen Kaffee aus der Küche holen, wenn mir danach ist und heute Abend gibt es wieder was zu Essen. Es ist unglaublich! Ich bin immer noch überwältigt von dieser Gastfreundschaft!

35. Tag (28. Februar 1999)

Tongariro Crossing

Tongariro Crossing

Tongariro Crossing

Tongariro Crossing

Tongariro Crossing

Der Wecker rasselt, ich schaue aus dem Fenster und sehe einen wolkenlosen Himmel. Damit seht heute der Wanderung nichts mehr im Weg! Heather und ich nehmen den Shuttle Bus und fahren zum Tangariro National Park. Das Tangariro Crossing ist vermutlich die schönste Wanderung in ganz New Zealand. Der Weg führt durch ein aktives Vulkangebiet und es ergeben sich schon auf der Hinfahrt tolle Ausblicke. Auf der Westseite des Vulkans, an welcher der Track beginnt hat es zwar noch viele tiefhängende Wolken, aber die Vulkangipfel sind frei und es wird ganz bestimmt ein toller Tag.
Am Startpunkt an der Mangatepopo Road haben sich schon Gruppen von Wanderern eingefunden die sich auf den Weg machen wollen, der erst leicht ansteigt aber nach einer Stunde Fußmarsch zum Mangatepopo Sattel am South Crater steil ansteigt. Nachdem wir diesen Abschnitt hinter uns lassen durchqueren wir den South Crater um auf der anderen Seite den Kraterrand des Mt. Tangariro zu erklimmen, den höchsten Punkt des Tracks. Hier zweigt der Weg zum eigentlichen Gipfel des Mt. Tangariro ab zu dem wir noch laufen wollen. Der Weg zum Gipfel ist sehr einfach zu gehen und steigt nur sehr leicht an. Der Ausblick von dieser Seite des Vulkankraters ist desto besser. Von dort ist auch der gewaltige Mt. Ruapehu zu sehen, der erst vor zwei Jahren das letzte Mal ausgebrochen ist. Auch die Aussicht auf den Ngauruhoe Vulkan ist phantastisch. Da dieser Vulkan noch sehr jung ist, ist sein Kegel noch absolut symmetrisch und sieht sehr beeindruckend aus.
Als wir nach unserem Frühstück weiter zum Gipfel gingen habe ich erst nach einer ganzen Weile gemerkt, dass ich meinen Hut in einer Felsspalte vergessen hatte. Nun ja wir mussten den gleichen Weg wieder zurück und ich habe ihn wiedergefunden. Das hätte mir gerade noch gefehlt das ich meinen geliebten Hut aus Dusseligkeit verloren hätte, aber ich hatte Glück das der teilweise recht heftige Wind ihn nicht fortgeweht hat und er noch an derselben Stelle lag.
Wieder zurück am Abzweig führte der Weg weiter zu den eigentlichen Höhepunkten des Tongariro Crossing. Vorbei an unwirklich erscheinenden Red Crater hinunter zu den Emerald Lakes die durch ihre beeindruckende Wasserfarbe bestechen. Hier legen wir eine weitere Pause ein, schauen erstaunt auf kleine Spalten aus denen permanent Dampf austritt, „genießen“ die schwefelhaltige Luft und laufen durch den Central Crater zum North Crater weiter. Kurz vor dem Abstieg auf der Nordseite passieren wir noch den Blue Lake, der wiederum eine ganz andere Farbe besitzt als die Emerald Lakes. Der Abstieg beginnt mit einem gewaltigen Ausblick auf Lake Rotoaira und den riesigen Lake Taupo, der am Horizont zu erkennen ist. Die Wolken vom frühen Morgen haben sich alle aufgelöst und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Ich bin total happy und absolut froh darüber zwei Tage gewartet zu haben, denn diese Wanderung ist definitiv ein absoluter Höhepunkt meiner Zeit in New Zealand.
Der Weg fällt nun leicht ab und wir machen eine weitere Rast an der Ketetahi Hütte, an der wir über eine Stunde in der Sonne liegen und einfach wie viele andere Wanderer entspannen und unsere letzten Vorräte vertilgen. Beim folgenden Abstieg zum Parkplatz kommen wir noch an den Ketetahi Hot Springs vorbei. Hier entspringt ein kleiner Bach dessen Wasser aber in einem kleinen Pool kocht und so stark dampft das man kaum das schwarze Wasser erkennen kann. Es riecht stark nach Schwefel und die umliegende Erde ist schwefelgelb. Der weitere Weg fällt dann steil ab, führt noch durch einen Wald der uns Schatten spendet, an einem Bach vorbei bis wir schließlich den Parkplatz erreichen an dem wir auf unseren Shuttlebus warten, der uns wenig später nach Turangi zurückbringt. Wir fühlen uns beide etwas müde, freuen uns auf eine Dusche und hatten einen phantastischen Tag in einer einmaligen, fast unwirklichen Gegend.

36. Tag (01. März 1999)

Taupo - Huka Fall

Crater of the Moon

Heute war so ein Tag den ich eigentlich nicht so mag. Es ist Spätnachmittag und ich sitze ziemlich fertig in einem Fast Food Laden, versuche mich wieder zu erholen und warte auf den Bus heute Abend nach Rotorura. Einfach zu viel Stress im Sightseeing Wahn!
Heute Morgen hat mir Vickys Mutter eine Mitfahrgelegenheit nach Taupo angeboten, weil sie sowieso hier hermusste. Jedenfalls war es sehr früh. So ging es gegen 6.30Uhr nach Taupo und eine Stunde später waren wir auch schon hier. Um die Zeit totzuschlagen bis die Geschäfte aufmachten bin ich erst einmal einen Kaffee trinken gegangen. Danach ging ich zur Busstation, klärte dort alles soweit, habe gleich eine Unterkunft in Roturua besorgt und bin auch gleich mein Gepäck losgeworden. Anschließend habe ich mir ein Fahrrad gemietet, weil ich dachte es wäre mal eine gute Idee die umliegenden Sehenswürdigkeiten per Rad anzufahren, weil ich keine große Lust darauf hatte in einem Tour Bus zu hocken. Im Übrigen ist es flexibler und ich konnte mir mehr Zeit nehmen, wenn ich wollte. So bin ich schließlich gegen 9.00 Uhr mit einem Helm „bewaffnet“ losgeradelt. Erst natürlich auf der falschen Seite der Straße, na klar, aber da sowieso kaum jemand unterwegs war spielte dies auch keine Rolle.
Als erstes fuhr ich einen Wanderweg am Waikato River entlang und kam zu den erwartet spektakulären Huka Falls. Der ganze Flusslauf zwängt sich durch ein enges Nadelöhr und fällt am Ende in die Tiefe. Von dort radelte ich weiter zum Crater of the Moon, einer Gegend in der überall Dampf aus dem Boden austritt und blubbernde Schlammpfützen zu sehen sind. Ein Rundweg führte einmal um, und durch das Gebiet. Im Vulcanic Aktivity Center wurden die ganzen thermischen Aktivitäten anschaulich an Schautafeln und verschiedenen Modellen erklärt. Das Geothermical Visitor Center war dagegen fast langweilig, hatte jedoch einen interessanten Film über geothermische Kraftwerke zu bieten. Gleich nebenan war solch ein Kraftwerk in natura zu bewundern und sah schon beeindruckend aus mit seinem riesigen Rohrleitung System und den aus den Kondensatoren austretenden Dampfwolken. Nachfolgend bin ich noch zu den Aratiatia Rapids gefahren um diese mir auch noch anzuschauen. Diese Stromschnellen sind einfach ein bisschen verrückt. Denn eigentlich existieren sie gar nicht mehr, weil ein paar Meter flussaufwärts vor Jahren ein Staudamm gebaut wurde und das ganze Wasser zurückhält und somit eigentlich kein Wasser mehr durch die Rapids fließt. Um nun aber die dummen Touris bei Laune zu halten wird drei Mal am Tag der Damm für eine halbe Stunde geöffnet, so dass man sich zu diesen Zeitpunkten die künstlich gefluteten Rapids anschauen kann. Der Weg dorthin war schon ein bisschen weit, aber es hat sich durchaus gelohnt und ich war immer noch im festen Glauben, dass ich in einer dreiviertel Stunde nach Taupo zurückfahren kann um das Rad wieder pünktlich abzugeben. Jedoch habe ich glatt unterschätzt wie weit man so vorwärtskommt, wenn man fast den ganzen Tag nur in eine Richtung fährt, zumal der Rückenwind auch angenehm geschoben hat. Um auf der Rückfahrt dem recht starken Wind aus dem Weg zu gehen fahre ich wieder den Wanderweg am Fluss entlang, der tolle Eindrücke bietet aber auch laufend steil hoch und runtergeht. An den Huka Falls wechsele ich auf die Straße, habe den Wind nun voll von vorne und die Straße steigt auch noch an. Es war der totale Horror! Jetzt schmerzen die Füße und ich kann mich kaum noch bewegen, aber es hat mir, nun nachdem die Quälerei vorbei ist, trotzdem gut gefallen.
Der Bus hat mich innerhalb einer guten Stunde nun nach Rotorura gebracht und ich bin im Funky Green Backpacker angekommen. Es ist ein lockerer Backpacker mit netten Leuten. Im Kühlschrank gibt es Bier und an diesem Abend genehmige ich mir eines, zumal ich noch Alex kennengelernt habe. Er kommt aus Untertürkheim und ist mit dem Motorrad unterwegs.

37. Tag (02. März 1999)

Rotorua

Rotorua

Als Sozi bin ich heute mit Alex auf dem Motorrad zum „Hells Gate Therminal area“ unterwegs. Einen Helm noch schnell beim Hostel Manager ausgeliehen und losging es. Als erstes tranken wir einen Kaffee bevor wir dort noch ein bisschen umhergelaufen sind. Vom Schwefelgeruch leidgeprüft und von der Größe des Gebiets enttäuscht wollten wir zu den „Soda Springs“ fahren die nur einige Kilometer die Straße runter zu finden sein sollten. Als erstes sind wir auf der Hauptstraße eine halbe Stunde daran vorbeigefahren und als wir schließlich umgekehrt sind und eine Auskunft an einer Tankstelle bekamen waren wir in die richtige Richtung unterwegs, übersahen aber das zu unserer Ehrenrettung recht kleine Schild und führen über 10Km eine Schotterpiste ins Nirgendwo. Nachdem wir dann um zweiten Mal umgedreht sind haben wir es endlich gefunden. Zum Glück!
Nun ja wir haben wohl noch die einzige geothermische Quelle gefunden die noch nicht touristisch ausgebaut ist. Es war ein ganz normaler Bach und es war das erste Mal in meinem Leben das ich Schwierigkeiten hatte ins Wasser zu steigen, nicht, weil das Wasser zu kalt war, sondern weil es einfach fast zu warm war. Der Bach hatte die Temperatur einer guten Badewanne im Winter, nur mit dem Unterschied das es draußen in der Natur ist und die Sonne vom Himmel brennt. Nach einer Stunde war es letztendlich doch zu warm und wir verließen wieder diesen doch etwas seltsamen Ort.

38. Tag (03. März 1999)

Rotorua

Ich lasse es mal wieder langsam angehen, will mir heute noch ein paar Dinge in Roturura anschauen und bin deshalb zuerst auf dem Weg zum Te Waka, einem weiteren geothermischen Gebiet. Laufe die 3Km an der Hauptstraße entlang und erreiche schließlich den von Touristen völlig überfüllten Ort. Der Eintritt schockt mich ein bisschen, lasse mich aber davon nicht abhalten und will es mir trotzdem anschauen.
Der Pohuto Geysir was schon beeindruckend, zwar hat er eine nicht so hohe Fontäne ausgestoßen wie sonst, dafür jedoch sehr lang anhaltend. Alle anderen „Attraktionen“ waren ziemlich enttäuschend und deshalb habe ich den scheußlich touristischen Ort auch schnell verlassen. Danach lief ich noch zum Polynesian Spa, habe jedoch nur einen flüchtigen Blick riskiert denn der Eintritt war mir zu viel und es hat mich auch nicht sonderlich interessiert. Weiter ging es zum Old Bath House in dem heute das Museum of Art + History seinen Platz gefunden hat. Das Museum war sehr interessant, weniger die Maori Kultur, jedoch die Ausstellung über die vulkanischen Aktivitäten im Allgemeinen und den Ausbruch des Mt. Tarawera im Besonderen. Während dieses Ausbruchs gingen die White- und die Pink Terraces völlig verloren. Es müssen die schönsten Kalkterrassen der Welt gewesen sein, in der Größe aber auch in der Farbe.
Im Old Bath House Café habe ich abschließend noch gemütlich einen Kaffee getrunken bevor ich wieder in den Funky Green zurück bin.

39. Tag (04. März 1999)

Rotorua

Rotorua

Mein letzter ereignisreicher Tag hier in New Zealand. Gestern Abend habe ich noch Heidi hier im Backpacker kennengelernt. Sie behauptete aber mich schon auf der Interislander Fähre gesehen zu haben. Ich konnte mich leider nicht daran erinnern. Aber ist ja auch egal, jedenfalls ist sie mit dem Auto unterwegs und wir haben uns entschieden heute zum Waiotapu Terminal Area, welches ca. 30Km südlich von Roturua liegt zu fahren. Nach einem sehr gemächlichen Morgen sind wir so gegen Mittag aufgebrochen und waren nach kurzer Fahrt dort. Ich war schon ziemlich skeptisch, obwohl jeder mir gesagt hat, dass es das schönste und größte geothermische Gebiet ist. Wir waren beide tief beeindruckt! Schon allein schon das Gebiet war erheblich größer als alle anderen zusammengenommen. Die Farbenpracht der einzelnen Pools war einmalig und in Worten nicht auszudrücken. Die unbeschreiblichen Farben der Artists Pallate und gleich daneben der von rotem, rostigen Stein umsäumten Champagne Pool. Dieser machte seinem Namen wirklich Ehre, denn die Farbe war ein leicht gelbliches Grün, die laufend aus der Tiefe aufsteigende Blasen und das dadurch entstehende perlende Geräusch war fast Original. Der vom leichten Wind fortgetriebene Dampf setzte dem Ganzen noch die Krone auf. Ein weiterer Höhepunkt was sicherlich auch Devels Bath, ein Pool der durch seine giftgelbe Farbe besticht. Die ganze Gegend beherbergt außerdem noch diverse Mud Pools, Wasserfälle und auch kleine Kalkterrassen.
Nach „so viel“ Laufen haben wir erst einmal eine größere Pause im Café eingelegt bevor wir uns noch entschieden haben zu den Waikite Thermal Pools zu fahren in die wir uns eine gute Stunde hineingelegt haben und uns entspannten. Es war auch wieder eine Premiere, das erste „Freibad“ bei dem das Wasser erst über verschiedene Terrassen gekühlt werden muss bevor es ins Becken gelassen werden kann. Wir haben uns jedenfalls gut amüsiert und es war ein toller Tag.
Abends haben wir noch zu fünft Monopoly gespielt. Ich war ziemlich schnell pleite konnte mich jedoch erstaunlich lange auf dem Brett halten bevor endgültig Feierabend war.

40. Tag (05. März 19995)

Ich sitze im Bus nach Auckland. Es ist wieder einer dieser traurigen Tage. In ein paar Stunden habe ich mein Zielort erreicht, an dem ich noch einen halben Tag verbringen werde bevor diese Reise zu Ende geht. Die Zeit war wunderschön und vier Wochen stellen eigentlich einen guten Einstieg dar um nun weiter zu ziehen. Nun ja ich tue es ja! Habe noch fünf Tage in Melbourne auf die ich mich schon sehr freue.
Gegen Nachmittag traf ich noch mitten in Auckland eine Bekannte aus dem Funky Green und wir haben zusammen am Hafen im Café gesessen und ein Bier getrunken. So vergingen noch die letzten Stunden in New Zealand.

41. Tag (06. März 1999)

Der Flieger landet in Melbourne, ich trete aus der Maschine, bin wieder in meiner Lieblingsstadt, gehe durch die Zollkontrolle, hole mein Gepäck ab und trete aus der Tür. Sehe in die strahlenden Gesichter von vier Freunden und es gibt ein großes Willkommen. Ich fühle mich wirklich toll, bin kaum eine Stunde in der Stadt, wir sind auf dem Weg nach Hause, holen noch frische Schwarzwälder Kirschtorte und ich fühle mich wie wenn ich diese Stadt nie verlassen hätte. Wir sitzen den ganzen Nachmittag zusammen auf der Terrasse in der Sonne und haben sehr viel zu erzählen!