16. Tag (8. Wochenende 25. April 1997)

Grampians NP - Vic

Eigentlich habe ich mir ja vorgenommen heute die ANZAC Parade in Melbourne anzuschauen, aber es kommt Erstens anders und Zweitens als man denkt. Nachdem ich mich informiert habe, wann die Parade den stattfinden sollte, habe ich ganz schnell umdisponiert. Mir kam nämlich zu Ohren, dass es zwischen morgens um 6.00 und 12.00 Uhr stattfinden soll. Im Grunde war ich auf diese Parade eh nicht so fixiert, und als dann viele andere auch noch gesagt haben, dass man für den Grampians National Park nicht genügend Zeit haben kann bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich doch gleich heute Morgen, zusammen mit dem Reinhardt in die Grampians fahre. Als auf dem Weg dorthin in Ballarat die Hauptstraße wegen einer Parade gesperrt war, haben wir die richtige Abzweigung verpasst und sind weiter den Western Highway gefahren, obwohl wir eigentlich von Süden her in die Grampians fahren wollten. Wir haben uns daraufhin auf kleinen Nebenstraßen zum anderen Highway durchgeschlagen, weil ich nicht mehr umdrehen wollte. Wir hatten echt noch Glück glaube ich, dass wir keine Unsealed Road erwischt hatten, aber es war ziemlich knapp davor. Die Straße hatte nämlich nur noch eine Fahrspur, und so sind wir erst voll auf den Gegenverkehr zugefahren, bevor dann beide kurz vorher auf den geschotterten Rand ausgewichen sind. Man hat sozusagen jedes Mal ein kleines Hasenfußrennen veranstaltet.
Wir sind aber trotzdem gut am Südeingang der Grampians angekommen und hatten auch gleich wieder ein richtiges Urlaubsgefühl. Nachdem wir uns noch ein Eis gegönnt hatten, fuhren wir also hinein. Leider konnten wir keine Koalas in den Bäumen entdecken, obwohl es dort welche geben soll. Auf unserer Fahrt nach Halls Gap haben wir noch einen Abstecher auf den Mount William gemacht. Man konnte bis fast ganz hochfahren und somit war es nur noch eine halbe Stunde bis auf den Gipfel. Oben angekommen erstreckten sich uns die ganzen Grampians zu unseren Füßen. Da es nur noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang war und der Weg hinunter eine asphaltierte Straße, so dass es bei Dunkelheit ohne Taschenlampe kein Risiko darstellte, sind wir geblieben und haben auf Sunset gewartet. Der Sonnenuntergang war dann auch erwartet grandios! Der ganze Horizont leuchtete rot und die Silhouette der vor uns liegenden Bergkette zeichnete sich scharf ab.
Die weitere Fahrt dann nach Halls Gap war nur ein Katzensprung. Im Hostel haben wir noch einige Leute getroffen, die uns sehr gute Tipps für unsere geplanten Wanderungen gaben. Unter anderem war auch noch ein ganz außergewöhnlicher Schweizer da. Er ist jetzt schon acht Monate in Amerika und Australien mit dem Fahrrad unterwegs und hat so ca. 28.000 km zurückgelegt. Die Geschichten, die er den Abend über erzählt hat waren echt faszinierend. Nun ist er wieder auf dem Weg nach Amerika, weil er noch von San Francisco nach Washington DC fahren will.