12. Tag (Ostern - 01. April 1997)

Alice Springs - NT

Bevor ich heute Abend schon wieder nach Melbourne zurückgeflogen bin, habe ich mir noch in „the Alice“ ein paar Sachen angeschaut. So war ich beim Royal Flying Doctor Service, der hier in Alice Springs seinen Hauptstandort hat. Es ist schon beeindruckend und seltsam zugleich was hinter solch einem Service steckt. Der RFDS operiert von Alice Springs aus in einem Gebiet von 600 km Radius, was einer Fläche von weit über 1.000.000 km2 entspricht, und ist für 16.000 Leute zuständig die im Outback leben. Aber es werden auch Transportflüge nach Adelaide oder Melbourne gemacht, und somit beläuft sich das Gebiet der General Operation Area auf eine Fläche von 2,3 Mio. km2. Wobei mit den drei Beachcraft Maschinen jedes Jahr annähernd 7 Mio. km zurückgelegt werden. Als ich den RFDS besucht habe waren gerade alle drei Maschinen im Einsatz, was nicht gerade ungewöhnlich ist. Zwei Maschinen waren auf Routineeinsätzen, bei denen einfach in regelmäßigen Abständen die Stations oder Kommunen angeflogen werden. Die dritte Maschine war gerade zu einem Notfall Richtung Nordosten unterwegs. Bei solchen Noteinsätzen handelt es sich hauptsächlich um Schlangenbisse, die im Outback schnell mal vorkommen können.
Ein weiteres Phänomen hier in Alice ist die Schule mit dem weltgrößten Klassenzimmer. Die School of the Air. Von dort aus werden die Kinder im Outback per Funk unterrichtet und der Lehrer sitzt allein im Klassenzimmer. Die Unterrichtsunterlagen werden per Flugzeug im 1,3 Mio. km2 großen Einzugsgebiet dieser School of the Air verteilt. (es gibt noch sieben weitere in Australien). Die Schüler treffen sich einmal pro Jahr in Alice Springs und die Lehrer fliegen alle drei Monate zu jedem von ihren Schülern. Der Schüler mit der weitesten Entfernung der hier im Moment unterrichtet wird, lebt mit seinen Eltern auf einer 10.000 km2 großen Rinderfarm 900 km nördlich von Alice.
Nachdem ich die School of the Air verlassen hatte, wollte ich unbedingt noch einen Road Train sehen. Deshalb bin ich noch etwas weiter den Stuart Highway hinausgelaufen zum großen Truck Port vor der Stadt, aber leider stand dort auch kein großer Road Train. Dort konnte ich noch wenigstens einige schöne Zugmaschinen sehen, die mit ihren Bullbars wirklich stark aussehen. Auf dem Weg zurück ins Zentrum hatte ich aber doch noch Glück, und zwar stand ein wirklich schöner Train auf dem Gelände einer Firma. Nachdem ich gefragt hatte, konnte ich auch näher hingehen und ein paar Fotos machen. Danach musste ich aber auch zugeben, dass diese Trucks ihren Namen wirklich verdient haben. Es handelt sich wirklich um einen Zug. Kurz bevor ich wieder gehen wollte, hat der Train noch schnell auf dem Gelände gewendet und ist auf den Stuart Highway hinausgefahren. Man konnte wirklich sehen, dass diese Trucks wohl die einzigen auf der Welt mit eingebauter Vorfahrt sind. Der ganze Verkehr (o.k. es waren nur zwei Autos) hat gestoppt und gewartet bis der Road Train sich dann langsam in Bewegung gesetzt hat. Die Zugmaschine war schon auf der richtigen Spur und der erste Aufleger eigentlich auch, als sich am zweiten Aufleger der Druckluftschlauch für die Bremsen gelöst hat, und der ganze Road Train dann quer über den Highway stand. Also, die Maschine und der erste Aufleger schon in der richtigen Fahrbahn, der zweite Aufleger noch quer über die Straße, während der dritte Aufleger noch auf dem Firmengelände gestanden ist. Die Dinger sind schon verdammt lang!