10. Tag (Ostern - 30. März 1997)

Ayers Rock - NT

Ayers Rock - NT

Um auf Uluru zu steigen mussten wir wieder alle sehr früh raus aus unserem bequemen Swag. Das ist die original australische Outback Ausrüstung um unter freiem Himmel zu schlafen. Ein Swag sieht im Allgemeinen fast so aus wie ein Schlafsack, ist aber etwas breiter und hat eine Schaumstoffmatte. Das Material ist grober Zeltstoff der den Wind nicht durchlässt. In diesen Swag legt man dann noch seinen Schlafsack und man kann herrlich darin schlafen, wenn man mit den Füßen zum Wind liegt um nicht den ganzen Sand in den Swag geweht zu bekommen.
Der Aufstieg am Rock haben wir und noch Dutzende von anderen Touristen um 6.30 Uhr begonnen, nachdem der Ranger den Weg frei gegeben hatte. Es sind zwar nur 348 Höhenmeter auf den Rock, aber es war für mich der bisher steilste Anstieg den ich jemals hochgelaufen bin. Ich war schon nach gut zehn Minuten fast am Ende. Ich muss aber auch zugeben, dass ich den 45° steilen Weg einfach zu schnell angegangen bin, weil ich eigentlich den Sonnenaufgang auf dem Gipfel erleben wollte, was ich dann aber leider doch nicht geschafft habe. Aber die nächste Stunde habe ich auch so auf dem Rock genossen, denn der Ausblick war grandios und durch die aufgehende Sonne hat sich die Farbe der 30 km entfernten Kata Tjutas ständig geändert, was ein tolles Schauspiel war. Der Wind auf dem Rock war auch nicht von schlechten Eltern. Ich hätte beim Aufstieg fast meinen Hut verloren. Als ich über einen Grat gekommen bin hat eine Windböe mir ihn vom Kopf gerissen und weggeweht. Er ist zum Glück aber 50 Meter tiefer in einer windgeschützten Senke liegen geblieben und ich konnte ihn wiederholen. Sonst wäre mir mein Hut schon zum zweiten Mal abhandengekommen.
Der Abstieg war danach für mich auch ganz amüsant. Dadurch, dass es jetzt schon merklich wärmer wurde sahen die Gesichter der Leute, die nun auf den Rock wollten schon ziemlich verkrampft aus, und manche hingen schon an der Kette, die dort als Hilfe über 400 m gespannt ist, als wenn sie gleich umfallen würden. Also dann sollten die Leute doch wenigstens so vernünftig sein und umkehren oder es erst gar nicht versuchen. Auch über das Schuhwerk möchte ich lieber nichts sagen. Ein paar feste Sportschuhe sollten es nun schon wirklich sein.
Anschließend haben wir uns noch die Höhlen von Uluru, und die Zeichnungen der Aboriginies darin angeschaut. Danach sind wir noch um den ganzen Felsen zum Aboriginie Cultural Center herumgefahren. Aber der Center war völlig uninteressant und ich hatte den Eindruck, dass hier nur die Touris abgekocht werden sollen. Am Nachmittag haben wir noch mal einen Stop am Sunset Point gemacht um den Rock bei strahlenden Sonnenschein von seiner berühmtesten Seite zu sehen. Das anschließende Gruppenfoto wurde fast noch zur Geduldsprobe, weil es einfach seine Zeit braucht bis ein Tourguide mit jeder der einundzwanzig Kameras ein Bild gemacht hat. Es war wie bei so einer japanischen Tourigruppe. Zum Glück aber war außer uns niemand da.
Gleich nach dem Lunch sind wir in Richtung Kings Canyon aufgebrochen und nach 380 km an der Kings Creek Station angekommen, wo wir am Abend wieder Dinner gemacht haben. Die Kings Creek Station ist eine der kleineren Rinderfarmen im Northern Territory und liegt mit ihren 2000 km2 Fläche 30 km südlich von Kings Canyon.
Nach einem langen Tag genossen wir es wieder, ohne Fliegenschwarm um den Kopf, bei ein paar Bier ums Lagerfeuer zu sitzen und später in den Swag zu kriechen.