18. Tag (25. Februar 1996)

Kapstadt

Heute sitzen wir, die anderen Deutschen und ich hier im Albergos wie auf Kohlen, weil die Sandra, ein 18 jähriges Mädel, welches vorgestern angekommen ist, gestern morgen um 800 Uhr das letzte mal gesehen worden, als sie zum Tafelberg aufbrach. Sie war also die ganze Nacht nicht hier und wir schätzen sie nicht so ein, daß sie mit irgend welchen Bekanntschaften mitgeht und dort dann übernachtet. Der Chef hier vom Albergos telefoniert jetzt gerade mit der Bergwacht und danach auch noch mit der Polizei. Die Scheiße ist halt das wir keinerlei Papiere, Geld oder den Paß gefunden haben, als wir im Safe nach Sachen von ihr gesucht haben. Es ist einfach eine komische Situation und wir müssen jetzt abwarten. Uns bleibt einfach nichts anderes übrig.

Ich wollte heute eigentlich früh zum Tafelberg aufbrechen, aber der Berg war von Wolken eingehüllt und wir sind hier durch die Sache festgenagelt. Das Gute an der Wartezeit ist nun halt, daß der Berg sich aufklärt und wir wahrscheinlich einfach später aufbrechen.
Im Moment sind wir an der Talstation und versuchen an der Information in unzähligen Telefonaten mehr Licht in die Sache zu bringen. Aber da ich ein ziemlich pessimistischer Mensch bin habe ich das Gefühl das wir nichts erreichen werden und somit nur hoffen können, daß sie wieder von alleine auftaucht.

Sie ist wieder von alleine aufgetaucht. Wir sind jetzt wieder von unserer Table Mountain Tour zurück im Backpacker. Ja, ja, sie ist heute Nachmittag wieder im Backpacker erschienen und jetzt hat sie sich verpißt. Das hätte ich aber an ihrer Stelle auch getan um den Vorwürfen zu entgehen. Einen guten Nebeneffekt hatte die Sache aber dann doch noch für uns gehabt. Da wir nach ihr gefragt hatten durften wir umsonst auf den Tafelberg fahren um im Restaurant nachzufragen. Wir sind dann noch 2 Stunden oben geblieben und es war ein phänomenaler Ausblick und ein wahnsinniger toller Blick auf Cape Town. Danach sind wir dann abgestiegen und schon das war ganz schön happig. Vor allem bei der Hitze und in der Sonne. Mir tun jetzt richtig die Füße weh und ich habe mir das Gesicht verbrannt, weil ich mich nicht eingecremt habe. Ich bin jetzt richtig happy, denn die Wanderung war einfach toll, vor allem vor dieser Kulisse. Ich denke es wird keine zweite Stadt auf der Welt mehr geben, die derartig von einem Berg dominiert wird wie Cape Town. Es ist so das man fast aus jeder Ecke der Stadt diesen Berg sieht und er erscheint einem so nahe, wie wenn er einem auf den Füßen stehen würde. Aus diesem Grund ist er auch einer der bekanntesten Berge der Welt.