8. Tag (13. September 1994)

2 00 Uhr morgens. Nachdem wir kurz vor Chicago von der Estern Time in die Central Time Zone ge-wechselt sind und ich mich jetzt 7 Stunden hinter der MEZ befinde stehen wir zeitlich gesehen gerade im Nirvana. Verkehrstechnisch gesehen ganz gewaltig im Stau. Nichts geht mehr und das schon seit einer Stunde. Ein Glück habe ich keinen Anschlußbus zu erreichen in St.Louis. Denn det kannste verjessen!
Als ich dann gegen 7 00 Uhr heute morgen in St. Louis angekommen bin habe ich echt einen Schock be-kommen. Die Stadt hat nur Highways und heruntergekommene Slums. Die Greyhoundstation lag im schlimmsten Viertel der Stadt. Man konnte nur mit dem Taxi entkommen. Aber die Jugendherberge liegt nicht besser. Nur mit dem Taxi oder dem Bus zu verlassen hieß es. Ich habe es trotzdem versucht und es gab auch keinen Zwischenfall, aber die Gegend ist solch ein Slum, wie ich ihn noch nie in Europa gesehen habe, da war das Unruhegebiet von 1980 in Lyon noch besser. Dann wundert es mich auch nicht mehr, daß das Hostel einem ziemlichen Rattenloch gleicht. Alt, düster, nach Schweiß und Duschdämpfen rie-chend und ziemlich verwahrlost. Ich glaube es kann kaum noch schlimmer kommen.
Aber die Stadt, bzw. das Zentrum ist o.k., wie jede Amistadt halt auch, kein Supermarkt aber dafür um so mehr Fast Food. Der Gateway Arch ist dafür um so beeindruckender. 192 Meter hoch und eine Auf-zugstechnik, die einfach genial ist.
Man sitzt in Kabinen zu 5 Personen und diese gleichen sich mit Hilfe von Zahnrädern dem Bogen an. Man trifft lauter Deutsche. Eine Frau, die vor 25 Jahren von Bremen ausgewandert ist und eine ältere Dame, deren Urgroßmutter einmal in Nürnberg gelebt hat und die nicht weiß, ob sie sich Nürnberg ein-mal anschauen soll. Jetzt werde ich noch durch die Museen hier pilgern, welche einem so etwas wie ame-rikanische Kultur vermitteln sollen und recht interessant sind.
Nachdem ich jetzt zum Supermarkt gelaufen bin, der 6 Blocks von der Jugendherberge entfernt ist muß ich meine Meinung etwas ändern und den gewissen Fremdenführern recht geben, das der ‘starke’ europäi-sche Einfluß vorhanden ist. Denn nämlich hier in der Nachbarschaft befinden sich echt hübsche Häuser, so im englischen Baustil. Was der Stadt natürlich “den” entscheiden Eindruck verleiht. Apropos Super-markt! In diesen sogenannten Supermärkten gibt es einfach alles. Vom Hundefutter über Obst bis zum Heimwerkerwerkzeug, nur nicht das was ich aus good old Germany gewohnt bin. Kein anständiges Brot, keine Frischwurst, nur frischen, gesalzenen Schinken oder Speck und kein Mineralwasser. Ich habe dann Clubsoda probiert, weil es Wasser mit Kohlensäure ist, aber auch wirklich nicht mehr. Auf dem Etikett steht mehr was nicht drin ist, als was drin ist. Echt bescheuert! Dann werde ich wohl doch wieder auf Coke Classic umsteigen, da hat es wenigstens Zucker drin, auch wenn das nicht so gesund sein soll.