7. Tag (12. September 1994)

Nun sitze ich zum zweiten mal im Bus. Es ist 14 00 Uhr und es geht nach St. Louis. Ich muß in Cleveland und in Chicago umsteigen, na mal sehen. Heute kann ich mal 3 ½ Stunden das Land genießen, bevor es wieder bis 6 00 Uhr eine Nachtfahrt wird. Vorhin bin ich noch 3 Stunden durch Buffalo geschlendert, aber es gab nichts zu sehen. Irgendwie habe ich das dumme Gefühl, daß eine Amistadt wie die Andere aus-sieht und die Amis absolut keine Kultur haben, und somit ein Indentifikationsproblem. Was einiges erklä-ren würde.
Wenn das so weiter geht, na Bravo! Ich denke ich habe gerade noch mal mein Gepäck retten können, bevor es hoffnungslos im falschen Bus gelandet wäre. Weil in Buffalo der Computer ausgefallen ist gab es eine gewisse Verwirrung, da es von Cleveland 2 verschiedene Busse nach St. Louis gibt, die womöglich auch noch auf 2 verschiedenen Routen verkehren. Der Typ hat mich zwar blöd angeschaut, aber ich konnte ihn nach einigen Erklärungen doch noch überreden mein Gepäck mißmutig herauszugeben. Wenn das in Chicago genauso ist, dann hoffe ich, daß ich dieses System doch noch irgendwann kapieren werde. Und es wird in Zukunft besser sein nur noch Trips zu nehmen, die ohne Umsteigen sind. Aber das ist wohl ziemlich illusionär.
Jetzt ist es doch passiert, was nicht hätte passieren sollen. Die Greyhoundtypen laden mein Gepäck in Chicago um. Kann ich ihnen vertrauen? Wird alles glatt gehen? Werde ich mein Gepäck je wiedersehen? Diese und noch andere Fragen beantworten wir in der nächsten Folge, wenn es wieder heißt “Greyhoundabenteuer”!
Aber jetzt noch schnell was ganz anderes. Ich habe gerade wohl einen Filmstar gesehen. Der Amish Mann, der gerade in der Greyhoundstation war sah echt so aus, wie der alte Amish Mann in “der einzige Zeuge” mit Harrison Ford. Echt wahr! Aber vielleicht sehen die auch nur alle gleich aus. Aber der sah dem schon verdammt ähnlich. Aber auf jeden Fall war er ein Amish!
Da ich heute schon meinen zweiten Abschnitt Interstate in Angriff nehme muß ich mal was über die In-terstates los werden. Also, sie sind echt atemberaubend und unglaublich. Einerseits groß und breit, gut ausgebaut (o.k. teilweise auch nicht, denn im Moment rumpelt es ziemlich). Der Grünstreifen zwischen den Fahrtrichtungen ist zwischen 5 und 150 Meter breit, da sind teilweise ganze Wälder dazwischen. Zudem ist für deutsche Verhältnisse überhaupt kein Verkehr vorhanden, außer den echt toll aussehenden Trucks. Andererseits gibt es ein tödlich nervendes, überhaupt nicht zu begreifendes, völlig überflüssiges und sinnlos erscheinendes, allgegenwärtiges Speed Limit. Und die Amis halten sich auch noch daran — einfach unglaublich. Das geht mir einfach nicht runter. Hoffentlich lande ich nicht im Knast, wenn ich mich mal nicht beherrschen kann mit meinem späteren Mietauto.