44. Tag (19. Oktober 1994)

Nach einem ruhigen Flug und einer ziemlich kurzen Nacht bin ich heute morgen wieder sicher in Los Angeles angekommen und mit dem Taxi zur Greyhoundstation gefahren. Das war mit 35,— Dollar zwar schweine teuer, aber ich denke es war doch das Beste und Einfachste aus den schon genannten Gründen. Na ja, nachdem ich dann noch den falschen Bus nach San Diego erwischt habe, es war der Local Bus, der in jedem Nest dazwischen angehalten hat und 4 Stunden brauchte, habe ich dann nach einigen Formalitä-ten mein Auto bei der Driveaway Company abgeholt. Dieses Auto ist das totale Gegenteil zu meinem Mietwagen. Ein recht günstiger Verbrauch, soweit es bis jetzt absehbar ist, ein gutes Fahrverhalten, aber überhaupt keinen Komfort. Das heißt: Keine Aircondition, keine Automatik und keinen Tempomat ohne den es wohl zu richtiger Arbeit ausarten wird, aber das wäre ja alles noch zu verkraften. Das wirklich schlimmste ist, daß das Radio kaputt ist und ich keine Musik habe. Ich weiß gar nicht, wie ich das aus-halten soll! Da muß ich mir wirklich noch was einfallen lassen, sonst sterbe ich bis Miami. Ansonsten gab es noch so ein paar Kleinigkeiten. Der linke hintere Reifen mußte noch ersetzt werden, weil dieser total abgefahren war und der rechte vordere Blinker hing schon halb auf der Straße. Bis ich dann gemerkt habe, daß dieser sowieso schon lose war und nur mit einem Schnürsenkel festgehalten wurde, welchen ich dann, und wahrscheinlich auch noch öfter wieder fest zog. Aber nachdem ich jetzt den ersten Schock überwunden habe, sage ich mir: Dies ist immer noch ein Auto und 1.000 mal besser als dieser ‘bescheidene’ Greyhound. So kann ich jetzt nur noch hoffen, daß alles heil bleibt, nichts mehr dazwischen kommt und ich eine schöne Fahrt von Küste zu Küste erleben werde.
Gerade sitze ich, seit ca. 10 Tagen das erste Mal wieder bei meinem Freund und habe gerade so auf die Karte und in mein Hostelbuch geschaut und beschlossen, daß ich heute noch versuche nach Phoenix zu kommen. Von dort kann die Fahrt dann durch die Prärie von New Mexico und Texas richtig beginnen.
So jetzt habe ich es doch noch geschafft! Ich bin im Hostel in Phoenix eingecheckt. So waren es heute doch schon 380 Meilen und für morgen habe ich mir die Strecke nach Houston vorgenommen. Ich denke es müßten laut Karte so 900 Meilen sein. Ich bin mal gespannt, ob ich das schaffe, wenn nicht, werde ich wohl irgendwo vorher übernachten. Aber jetzt werde ich zusehen, daß ich etwas Schlaf bekomme, denn sonst wird das morgen gleich gar nichts.
Heute war schon ein toller Tag, wenn man den gestrigen Abend noch dazurechnet. Denn dann bin ich an einem Tag 3.000 Meilen nach Osten gekommen. Von Waikiki erst mit dem Citybus zum Airport, dann mit dem Flieger zum Los Angeles International Airport, von dort mit dem Taxi zur Greyhoundstation, danach mit dem Bus nach San Diego. Dort habe ich wieder den Citybus zum Driveaway Büro genommen, um dann von da mit dem Auto nach Phoenix zu fahren. Was für ein Trip?!