30. Tag (05. Oktober 1994)

Als ich heute morgen das Auto wieder abgab haben die Pfeifen von der Autovermietung mir dann gesagt, daß ich das Auto gestern abend bis 23 00 Uhr am Flughafen hätte abgeben können. Dieser Tip kam reich-lich früh! Na ja, wenigsten hat es beim Abgeben keine Probleme gegeben mit irgendwelchen Beschädi-gungen oder sonstigem. Dafür haben sie sich bei der Rechnung um 100,— Dollar vertan. Natürlich zu meinen Ungunsten. Es brauchte dann aber 20 Minuten, bis dieser Computer den Fehler korrigiert hatte. Jetzt bin ich wieder im Bus unterwegs, da habe ich dann solche Probleme zum Glück nicht, da habe ich dann andere.
Mit dem Auto, daß fällt mir gerade auf, habe ich das andere, das wohlhabende Amerika gesehen, denen es nicht schwerfällt am Grand Canyon 100,— Dollar fürs Hotel zu zahlen. Ich habe die ganze Woche nicht einen Penner und nur sehr wenige Schwarze gesehen. Es war, als wäre man in einer anderen Welt gewe-sen. Alles war so gemütlich, so ruhig und so sicher, man hat nicht ständig irgendwelche Polizeisirenen gehört. Aber das fällt einem sicherlich auch nur auf, wenn man mit Greyhound unterwegs ist.
Man glaubt gar nicht wieviel Gesocks von Las Vegas nach Los Angeles will. Der ganze Bus ist voll mit Behinderten, Asozialen, kaputten Leuten und Alkoholikern, einer von mindestens 6 sitzt neben mir. Und ich mitten drin, ich fühle mich gerade genauso dreckig, wie die Leute um mich herum.
Na ja, jetzt bin ich auf dem Weg nach San Diego, nachdem ich in Los Angeles umgestiegen bin und fahre jetzt wieder in die andere Richtung durch Los Angeles und es stellt sich die Frage, warum die Leute hier ihre Autobahnen Freeways nennen? Viel passender wäre doch z.B. Santa Anna Staustrecke oder San Bernadino Warteschlange. Denn es herrscht im Moment absolutes Chaos. Es geht zwar vorwärts, aber man glaubt, daß eigentlich keiner weiß wohin. In meinem Führer habe ich gelesen, daß jemand mal ge-sagt haben soll: “Los Angeles ist eine Ansammlung von Vorstädten auf der Suche nach einem Zentrum nur durch Autobahnen lose zusammengehalten!” Diesen Eindruck verspüre ich auch, wenn ich hier so durchfahre bzw. im Moment wieder durchstaue.
Nicht auch das noch! Nicht daß das Kind hinter mir schon 2 Stunden schreit und weint, jetzt hat es auch noch auf den Gang gekotzt und es stinkt erbärmlich. Also heute war es eine schreckliche 11 Stundenfahrt von Las Vegas nach San Diego. Mir reicht es so langsam und ich will nicht mehr.