23. Tag (28. September 1994)

Death Valley

Death Valley

Also heute habe ich nun ein Auto gemietet in Las Vegas. Es war überhaupt kein Problem, nach ca. 12 Unterschriften und der Besichtigung des Wagens konnte ich dann losfahren. Aber ich muß wirklich sagen: “Bequemlichkeit ist hier wohl oberstes Gebot”. Fahrersitz in 5 Achsen elektrisch verstellbar, Kofferaum-deckel und Tankdeckel vom Fahrersitz aus zu öffnen, gute Aircondition, die man hier auch wirklich braucht und dazu dann noch einen komfortablen Tempomat. Alles schön und gut, aber ein Fahrwerk, Reifen, Geradeauslauf und eine Seitenwindempfindlichkeit, das schreit zum Himmel. In keinster Weise auf europäischen Standard. Aber was soll’s es fährt und ich habe noch 113 Meilen bis zum heißesten Platz der Erde, dem Death Valley. Also bis dann!
Dieses Tal des Todes ist vor allem durch eines so unheimlich, durch seine extreme Stille. Man hört abso-lut nichts. Kein Tier, kein Blätter rauschen nicht einmal das leise Gleiten eines Vogels in der Luft. Es gibt nichts außer Steine, Sand und Staub, aber ich habe es trotz eines ‘totalen’ Wintereinbruchs, bedeckter Himmel, Wind und Temperaturen zwischen 38 und 420 C, überlebt.
Jetzt auf den Weg zurück in Richtung Las Vegas schüttet es gerade, wie beim größten Wolkenbruch. Es ist ein ziemlich heftiges Gewitter und ich kann echt nur hoffen, daß es morgen, wenn ich zum Grand Canyon fahre wieder trocken und warm ist. Das hört sich jetzt schon wie zu Hause an, wo man auch ständig nach dem Wetter fragt!
Ist es nicht ein Witz? Ich bin nun wieder in Las Vegas. Nein nicht im gleichen Hotel. Diesmal habe ich die Vorteile eines Autos ausgenutzt und bin in einem echt schnuckeligen Motel abgestiegen und das zum gleichen Preis. Da sieht man mal wieder, daß man unbedingt mobil sein muß in den Staaten. Denn dieses Motel liegt ungefähr 5 Meilen von der Greyhoundstation entfernt und wäre mit dem Stadtbus nicht zu erreichen, wenn man nicht weiß, wo man suchen soll.
Nachdem ich also nach meinem 480 Meilen Loop durch das Death Valley wieder zurück in Las Vegas bin (Nein, ich werde heute abend nicht spielen!) habe ich das Gefühl, als wenn ich nur von Reutlingen nach Stuttgart gefahren wäre. Das Beste aber war der überwältigende Blick, als aus dem Dunkel der Mo-jave Wüste diese Stadt auftauchte. Die Wolkendecke wurde regelrecht von den Millionen von Lichtern der Stadt angeleuchtet, die vor einem in der Senke dieses riesigen Tals liegen, wenn man von den umliegenden Bergen herunterfährt. Der ‘Strip’ ist schon aus 25 Meilen Entfernung klar zu erkennen, besonders der ca. 2.000 m hohe Lichtstrahl des Luxor Hotels.
Nach dem ersten Mal tanken hätte ich fast einen Schock bekommen, weil es so ausgesehen hat, wie wenn die Ford Karre ungefähr 13 l auf 100 Km geschluckt hätte. Aber nach dem zweiten Tanken hat es sich dann aufgeklärt. Der Trottel von der Autovermietung hat mir nämlich gesagt, daß dieses Auto einen 80 l Tank hate, mit dem man 400 Meilen fahren kann. Zum Glück hat dieses Auto aber nur ein 55 l Tank und somit ergibt sich ein akzeptabler Verbrauch von 9 l pro 100 Km.