22. Tag (27. September 1994)

Las Vegas

Las Vegas ist eine total verrückte Stadt. Nicht nur wegen der unzähligen Casinos, sondern auch wegen seiner vielen Wedding Chapels, in denen man rund um die Uhr für 15,— bis 25,— Dollar heiraten kann. Die Straßen haben keine Gullydeckel und es gibt keine Insekten in der Stadt. Außerdem fahren die Autos hier mit Glitzerin im Kühler und nicht mit Wasser. Das ‘Freibad’, in dem ich heute war, hat keine Lie-gewiese und kein Schwimmbecken. Dafür aber ein Wasserspielplatz, einen künstlichen Fluß, einen Wildwasserwirhlpool, Wasserfälle und gut ein Dutzend Rutschen. Von ganz gemütlich bis zum Highspeed Geschoß, mit oder ohne Gummischlauch oder Rutschmatte. Aber das Allerbeste daran war, daß es fast leer war und ich nirgends anstehen mußte. Es war total spaßig und meinen ersten Sonnenbrand habe ich noch gratis dazu bekommen.
Mal sehen, ob ich heute wieder mehr Glück beim Gambeln habe und mir wenigstens ein bißchen wie-derholen kann, bevor ich hier morgen verschwinde. Ich muß echt sagen nach Las Vegas zu kommen ist Spitze, aber die Stadt wieder zu verlassen ist fast besser!
Sowieso entsteht bei mir der Eindruck, daß in Nevada mehr geduldet oder erlaubt wird als anderswo. Glücksspiel findet man im ganzen Staat an jeder Ecke, Alkohol trinken auf der Straße ist sonst überall verboten, hier anscheinend nicht, und die Autofahrer halten sich kaum ans Speed Limit. Denn 80 mph auf den Highway wo 55 mph erlaubt sind, sind keine Seltenheit. Aber irgendwie mag mich diese Stadt nicht! Heute wurde zum zweiten Mal ein Travellerscheck von mir nicht akzeptiert, aber zum Glück hat man ja einen Freund, der ihn dann ohne Probleme einlöste. Was würde ich auch bloß ohne ihn machen?
Meine Nerven, meine Nerven. Bin ich froh morgen aus der Stadt der Verführung verschwinden zu kön-nen.