11. Tag (16. September 1994)

Als ich heute morgen den Bus nach Boulder bestieg, war ich mir ganz sicher wie es weiter geht, aber im Moment sitze ich hier auf den ersten Hügeln der Rockys, laß mir die Sonne aufs Haupt scheinen, genieße die Aussicht auf Boulder und überlege mir krampfhaft was ich als nächtens tue. Denn im Bus nach Boul-der traf ich einen Holländer, der hier schon 8 Jahre lebt und dieser meinte ich solle doch schon hier in Denver ein Auto mieten um zum Yellowstone zu fahren, daß sei näher als von Salt Lake. Auf der Karte sieht es irgendwie weiter aus, aber wiederum kürzer zum Mount Rushmoore. Dazu kommt noch, daß wenn ich morgen abend nach Salt Lake City weiterfahre ich nicht weiß, was ich morgen hier noch tun soll. Irgendwie verzwickt, nicht wahr?
Aber jetzt zurück zu Boulder, eine total süße Stadt mit fast nur Jugendlichen, die hier die Universität von Colorado besuchen. Das gibt der Stadt einen gemütliche Flair, dazu dann noch die netten Straßencafes — fast wie in Europa. Na ja, dann versuche ich das mal wieder hier auf die Reihe zu bekommen. Ein Paar Schuhe muß ich mir auch noch kaufen, bevor ich zum Grand Canyon komme habe ich gerade festgestellt, denn mit diesen Latschen, welche ich gerade anhabe kann ich unmöglich zum Colorado absteigen. Viel-leicht finde ich ja gleich hier in Boulder was entsprechendes. Dann mache ich mich mal wieder auf den Weg in die City.
Und was tut man so in der City? Natürlich einkaufen, was sonst! Als erstes natürlich ein Paar Schuhe. Dexter sollen hier in den Saaten als Marke gelten, wollen wir es hoffen. Drücken und scheuern tun sie aber wie alle neuen Schuhe auch. Gerade eben habe ich noch so einem Army Shop gefunden. Der war echt stark. Es gab einfach alles, es hat nur noch die Waffenabteilung und irgendwelche Nazi – Dinge ge-fehlt. Aber das wird es sicherlich auf Anfrage geben. In den Laden war natürlich dann ein Zippo und eine Mag-Lite fällig. Aber mit einem Hut werde ich mir noch Zeit lassen, obwohl sowas mir echt gut zu Ge-sicht stehen würde. Ja wirklich!
Wow! Gerade habe ich einen echten Schock bekommen. Ich habe mit meinen neuen Schuhen gleich zwei Blasen gelaufen und bin heilfroh, daß ich die alten Tretter noch nicht weggeworfen habe. Ja ich weiß, warum soll das auch ein Schock gewesen sein. Nein, viel schlechter ist, daß der Typ von der Avis Auto-vermietung meine ganzen zusammengeflickten Reisepläne über den Haufen geworfen hat. 1. sind alle Mietwagen bei sämtlichen Verleihfirmen über das Wochenende ausgeliehen und 2. kostet ein Auto über 300,— Dollar die Woche plus Sprit, so daß ich jetzt keine Lust habe hier rumzuhängen und auf ein freies Auto zu warten. Jetzt kann ich nur hoffen, daß ich unter der Woche in Las Vegas ein Auto bekommen kann, denn auf den Grand Canyon möchte ich eigentlich nicht verzichten. Und Yellowstone werde ich wohl abhacken können. Obwohl gerade kommt Mike herein, er ist der Typ, über den ich eh noch schrei-ben wollte. 20 Jahre alt und schon 5 Jahre in der Französischen Fremdenlegion. Er kommt aus Amerika und darf seine Identität nicht preisgeben. Er sei schon 3 mal angeschossen worden hat er erzählt und ist schon im Golfkrieg, Somalia, Bosnien, Ruanda und in noch ein paar Kriege mehr im Einsatz gewesen. Jetzt sei er fertig und mache 2 Jahre Urlaub. Danach wahrscheinlich wieder zur Fremdenlegion. Was soll solch ein Mensch auch anderes tun? Er hat nichts anderes gelernt, als kämpfen und töten. Für mich ir-gendwie unbegreiflich und kaum zu verstehen.
Ja also dieser Mike gab mir den Tip ich solle doch nach Cheyenne fahren und dort ein Auto mieten. Es ist in Wyoming und wahrscheinlich billiger und eher eines zu bekommen, als hier in Denver. So daß ich das jetzt morgen machen werde.